Pensionäre bekämpfen Unkraut

DIEPOLDSAU. 15 Pensionäre der Gruppe Natur 60+ durchforsteten gestern die Diepoldsauer Naturschutzgebiete nach einem Unkraut, das einheimische Pflanzen verdrängt: die Kanadische Goldrute.

Seraina Hess
Drucken
Teilen
Paul Lüchinger leitet die Gruppe Natur 60+. Er wünscht sich, dass sich die Bevölkerung mehr dafür einsetzt, einheimische Pflanzen zu schützen. (Bilder: Seraina Hess)

Paul Lüchinger leitet die Gruppe Natur 60+. Er wünscht sich, dass sich die Bevölkerung mehr dafür einsetzt, einheimische Pflanzen zu schützen. (Bilder: Seraina Hess)

Das Wasser des Alten Rheins ist glatt wie das eines Bergsees, als die Männer der Gruppe Natur 60+ mit Garten-Handschuhen und Abfallsäcken früh morgens aufbrechen. Sie verteilen sich auf dem Mittelstreifen des Gewässers, der bis zum Badeplatz Maz führt.

Ihr Ziel: Bis am Abend muss dieses Gebiet, der Bereich nördlich des Sportplatzes und das Areal Kieswerk Sieber frei von Goldruten sein. Ihre Motivation: Die aus Nordamerika importierte Pflanze soll einheimischen Gewächsen nicht in die Quere kommen.

Auch Abfall ist Unkraut

Die Gruppe Natur 60+ wurde 2010 gegründet und ist eine ehrenamtliche Untergruppe des Naturschutzvereins Diepoldsau. Die Einsätze, oft für die Ortsgemeinde, werden immer mehr: 30 waren es im letzten Jahr. Sie renovierte den Schlafraum der Alphütte auf dem Diepoldsauer Schwamm, sie half kürzlich dem Musikverein beim Auf- und Abbau der Festzelte des Kantonalen Musikfestes. 30 Mitglieder hat Natur 60+ insgesamt, es gibt sogar eine Warteliste. «Aber wir möchten nicht zu viele Mitglieder. Die Organisation unserer Einsätze würde dann nur komplizierter», sagt Paul Lüchinger.

In Österreich kaum gejätet

Lüchinger geht zuvorderst über den schmalen Weg auf dem Mittelstreifen. Der Leiter der Gruppe bückt sich hie und da und zieht die fest verankerten Pflanzen aus der Erde. Doch die Männer bücken sich nicht nur wegen der Goldruten. Immer wieder liegen neben dem Gebüsch Büchsen, Flaschen oder Zigarettenstummel auf dem Boden. Auch auf Österreicher Seite des Mittelstreifens. «Aber wir wollen mal nicht so sein», sagt einer der Pensionäre und verstaut den Abfall.

Viel schlimmer sei, dass auf der anderen Seite des Alten Rheins Goldruten nicht gejätet werden. Die Samen kümmert die Staatsgrenze nicht, und so verbreitet sich die Pflanze zur Blütezeit stets von Neuem, egal wie engagiert die Männer versuchen, sie auszurotten.

Während sich andere kaum darum scheren werden, ob nun Goldruten oder eben beispielsweise die einheimische Wegwarte im Naturschutzgebiet wächst, scheint es den «Jung-Pensionären», wie Lüchinger sie nennt, ein wirkliches Anliegen zu sein. «Aber man muss schon angefressen sein», sagt Lüchinger. Er kann nämlich nicht einmal dann vom Unkraut lassen, wenn er privat auf Spaziergängen unterwegs ist. In ein paar Wochen, wenn die Goldruten blühen, wird er die Route erneut ablaufen. Und die übersehenen Stengel, dann mit gelben Blüten, aus der Erde ziehen.

Die Männer machten sich gestern früh entlang der Mittelinsel auf den Weg zum Maz, um Goldruten zu jäten. Knifflig war, die Neophyten zwischen den vielen anderen Gräsern und Pflanzen zu erkennen. Es galt, die Goldrute mit ihren verästelten Wurzeln auszureissen. Entschädigt wurden die Freiwilligen mit der Aussicht im Naturschutzgebiet: Kaum Menschen, dafür spiegelglattes Wasser, Sonnenschein und Frosch-Gequake.

Die Männer machten sich gestern früh entlang der Mittelinsel auf den Weg zum Maz, um Goldruten zu jäten. Knifflig war, die Neophyten zwischen den vielen anderen Gräsern und Pflanzen zu erkennen. Es galt, die Goldrute mit ihren verästelten Wurzeln auszureissen. Entschädigt wurden die Freiwilligen mit der Aussicht im Naturschutzgebiet: Kaum Menschen, dafür spiegelglattes Wasser, Sonnenschein und Frosch-Gequake.

Aktuelle Nachrichten