Pension zeitig und individuell planen

Sich auf die bald oder mittelfristig bevorstehende Pensionierung vorzubereiten, entspricht einem grossen Interesse. Dieser Eindruck bestätigte sich am Donnerstagabend, als die Raiffeisenbank Mittelrheintal zu einem Informationsanlass einlud.

Monika von der Linden
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Thomas Bolt (Anwalt und Notar) legte dar, welche Vorteile eine geplante Nachlassregelung bietet.

Thomas Bolt (Anwalt und Notar) legte dar, welche Vorteile eine geplante Nachlassregelung bietet.

Widnau. Ronny Hug (Leiter Finanzberatung der Raiffeisenbank Mittelrheintal) konnte rund 260 Kunden zu informativen Referaten zum Thema «Pensionsplanung, Ehe- und Erbrecht» im Widebaumsaal begrüssen. Damit seien die Erwartungen mehr als übertroffen worden, so Hug.

Möglichst sorgloser Übertritt

Im Verlaufe des Abends wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich individuell und rechtzeitig mit dem Übertritt in die Pensionszeit auseinanderzusetzen, die Vielschichtigkeit der bestehenden Möglichkeiten und rechtlichen Grundlagen anzuschauen und dementsprechend die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.

Sandra Riner ist bei Raiffeisen Schweiz als Finanzspezialistin für den Bereich Finanzplanung zuständig. Sie verstand es in ihrem Referat, den recht trockenen Stoff lebensnah und humorvoll zu vermitteln. Dabei behandelte die Expertin vielschichtige Aspekte, die dazu beitragen, ob der Übertritt und die Pensionszeit von mehr oder weniger finanziellen Sorgen begleitet werden. Riner ermunterte die Anwesenden, ihre Verantwortung wahrzunehmen und rechtzeitig die jeweils eigene Situation anzuschauen. Der Blick auf die bevorstehende Pensionierung löse bei jedem Menschen andere Wünsche und Bedürfnisse aus. Während sich die einen freuen, endlich mehr Zeit für Hobbys zu haben, seien andere damit beschäftigt, einen neuen Lebenssinn zu finden. Auch die Frage der Wohnsituation, die Beachtung rechtlicher Fragen sowie die Gestaltung des sozialen Umfeldes stehen unter Umständen im Mittelpunkt. So vielschichtig wie die Interessenlage, sei auch die Vorgeschichte jedes einzelnen Menschen. Deshalb solle überlegt werden, welche Veränderungen gewollt, vermeidbar oder eben unvermeidlich sind.

Ein Budget erstellen

Wichtig, um eine gewissenhafte Finanzplanung betreiben zu können, sei, die aktuellen Einnahmen und Ausgaben mit denen in der Pensionszeit zu erwartenden zu vergleichen. Bei der Erstellung eines Budgets gelte es auch, zu beachten, ob eine Differenz aus angesparten Vermögen ausgeglichen werden kann, um den errungenen Lebensstandard halten zu können, erläuterte Riner. Besonderes Augenmerk legte die Referentin auf die frühzeitige Pensionierung – sei sie gewollt oder ungewollt. Hierbei gelte es, zu bedenken, dass AHV-Bezüge nicht nur geringer seien, sondern die Beitragspflicht bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Alters weiter bestehe. Für Bezüge aus der 2. Säule sei wichtig, das jeweilige Reglement der Pensionskasse zu studieren und die Entscheidung gewissenhaft zu fällen, ob eine Renten- oder Kapitalauszahlung sinnvoll wäre. Weiter erinnerte Riner, dass die Steuerpflicht nicht mit der Pension erlischt. Vielmehr stehen verminderten Einkünften auch verminderte Steuerfreibeträge gegenüber.

Spannungsfeld der Interessen

«Sterben heisst auch, Vermögen zu vererben», mit diesen Worten eröffnete Thomas Bolt (Rechtsanwalt und Notar bei bürki bolt rechtsanwälte, Heerbrugg) sein Referat mit dem er die Anwesenden sensibilisierte, nicht nur bis zum Ende des Lebensweges zu planen, sondern einen Schritt weiter. Wie die persönliche Finanzplanung durch eine individuelle Nachlassplanung ergänzt wird, legte Bolt anschaulich dar. In einem geschichtlichen Exkurs in die Rechtsentwicklung der Nachlassregelung verdeutlichte der Anwalt und Notar, dass ein gewisses Spannungsfeld verschiedener Interessenlagen bestehe. Bei der Aufteilung des Erbes müsse eine Zersplitterung vermieden werden, um beispielsweise den Fortbestand eines Unternehmens zu gewährleisten. Auch müssen Rechte und Bedürfnisse von Nachkommen und Hinterbliebenen berücksichtigt werden. Heute gewinne die Regelung von Erbschaften gegenüber Konkubinatspartnern zunehmend Bedeutung, so Bolt.

Pflichtteil muss gewährt bleiben

Es gebe mehrere Möglichkeiten, eine Willenserklärung für den Nachlass abzugeben. Dabei sei jedoch wichtig, so Bolt, den rechtlichen Grundlagen Rechnung zu tragen. Der durch den Gesetzgeber festgelegte Pflichtteil (entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruches) dürfe nicht eingeschränkt werden. Eine einseitige Willenserklärung könne in Form eines Testamentes bekundet werden. Mittels eines durch einen Notar öffentlich zu beurkunden Ehe- oder Erbschafts-Vertrag könne der rechtlich festgelegte Planungs-Spielraum ausgeschöpft werden.

Durch die Ausführungen von Thomas Bolt wurde deutlich, dass es ebenso wichtig und hilfreich sei, eine Nachlassregelung zu treffen, wie eine Finanzplanung vorzunehmen. Der Rechtsanwalt wies ausserdem darauf hin, dass eine rechtlich fundierte Willenserklärung, unter Berücksichtigung der Gleichbehandlung von Kindern, teure Erbstreitigkeiten vermeiden könne.

Sandra Riner gab zu bedenken, dass ein Budget beim Übertritt in die Pension hilfreich ist. (Bilder: Monika von der Linden)

Sandra Riner gab zu bedenken, dass ein Budget beim Übertritt in die Pension hilfreich ist. (Bilder: Monika von der Linden)

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