Patricia Mattle löst ihr Versprechen ein

ALTSTÄTTEN/NEW YORK. Den Kontakt zur Schweizer Politik wollte Patricia Mattle aus Altstätten auch nicht aufgeben, als sie vor einem halben Jahr nach New York übersiedelte. Nun tritt sie als Auslandschweizerin wieder politisch auf, als Co-Präsidentin im Netzwerk CVP International.

Monika von der Linden
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Patricia Mattle lebt und arbeitet seit sechs Monaten in New York. (Bild: pd)

Patricia Mattle lebt und arbeitet seit sechs Monaten in New York. (Bild: pd)

Patricia Mattle ist eine ambitionierte Politikerin. An den letzten Kantonsratswahlen schnitt sie sehr gut ab – sie war erster Ersatz für die CVP Rheintal. Gleichzeitig ist die Altstätterin beruflich erfolgreich, arbeitete nach ihrem Studium für zweieinhalb Jahre in Paris. Seit sechs Monaten lebt und arbeitet sie in New York.

Verzicht auf zwei Mandate

Das Stellenangebot in den USA kam gleichzeitig mit der Chance, in den Kantonsrat nachzurücken. Sie verzichtete zugunsten des Jobs und trat auch aus dem Präsidium der CVP Schweiz zurück.

Die Kehrseite ihres beruflichen Erfolgs sei, dass sie die Politik aufgeben müsse, sagte sie im Dezember gegenüber unserer Zeitung. Sie meinte aber auch, sie wolle den Kontakt zur Schweizer Politik halten.

Nur wenige Monate später tritt sie mit einer neuen Idee an die Öffentlichkeit. «Wir gründen das Netzwerk CVP International, das der fünften Schweiz Gehör verschafft», twittert sie am Montag. Mit «Wir» meint sie das Präsidium des Netzwerks. Ihm gehören neben ihr Daniel Wyss (Hongkong), Ständerat Filippo Lombardi (Tessin) und Raymond Loretan (Genf) an.

«Als ich letztes Jahr ankündigte, nach New York gehen zu wollen, sagte Christoph Darbellay im Spass, er liesse mich nur gehen, wenn ich etwas für Auslandschweizer aufbauen würde», sagt Patricia Mattle am Internet-Telefon aus New York. Damit hatte der Präsident der CVP Schweiz eine Idee angesprochen, die die Partei schon lange hatte. Seit Patricia Mattle in New York lebt und ihr Berner Parteikollege Daniel Wyss in Hongkong, haben beide vermehrt bemerkt, wie selbstverständlich und nötig moderne Kommunikationsmittel sind. Gerade Auslandschweizern dienen sie dabei, politisch nicht ins Abseits zu geraten. Im vergangenen Jahr lebten 746 000 Schweizer im Ausland, von ihnen waren 142 000 im Stimmregister eingetragen. «Auch Auslandschweizer sollen sich politisch engagieren», meint Patricia Mattle. «Wir wollen mit dem Netzwerk erreichen, dass ihnen ihr Heimatland nicht egal ist oder wird, und sie politisch bei der Stange bleiben.»

Themen nach Bern spielen

Damit das möglich werden kann, muss die Schweizer Bevölkerung für jene Themen sensibilisiert werden, die spezifisch Auslandschweizer betreffen. Als Beispiel nennt Patricia Mattle die Bankenwelt. «Weil sie in der Vergangenheit Fehler machte, leiden wir unter den Folgen. Ganz krass ist das in den USA.» Mattle hat kein Schweizer Bankkonto mehr, weil die Auflagen und Gebühren immens sind. «Es geht doch nicht um Steuerhinterziehung, wenn man in den USA aufgewachsen ist und der Grosspapi in der Schweiz ein Sparkonto angelegt hat.»

«Es ist nicht wichtig, ob ich in der Schweiz Steuern zahle, wenn ich ein politisches Gewicht haben will», sagt Patricia Mattle. Wer den Schweizer Pass habe, solle mitreden und für das Parlament kandidieren können. «Umgekehrt sind in der Schweiz auch nicht alle Steuerzahler wahlberechtigt.»

Wie ein Auslandschweizer ein Nationalratsmandat auf grosse Distanz gestalten kann, sei eine hypothetische Frage. «Es wäre interessant, würde dies wirklich passieren», sagt Mattle. Selbstverständlich erhofft sie sich, unter den Auslandschweizern Wähler zu finden. In erster Linie wünscht sie sich, in ihnen Unterstützer für ihre Anliegen zu bekommen. «Wir wollen in Bern Gehör für unsere Themen finden.»