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Parzival lässt es krachen

HEERBRUGG. Mit Schwertern, geballten Fäusten und Worten ging es am Donnerstagabend in der Aula der Kanti Heerbrugg hart zur Sache. Im Mittelpunkt des Theaterstücks: Jugendliche, die sich mit Hilfe eines Computerspiels neu erfinden.
Jan Hoefliger
Der alte «Parzival» modern aufgearbeitet: Hier ersticht der Ausreisser Parzival (Benjamin Schmidt) den punktemässig überlegenen Ritter Ither. (Bilder: Jan Hoefliger)

Der alte «Parzival» modern aufgearbeitet: Hier ersticht der Ausreisser Parzival (Benjamin Schmidt) den punktemässig überlegenen Ritter Ither. (Bilder: Jan Hoefliger)

Das Theaterstück «Next Level Parzival» aus der Feder des deutschen Dramaturgen Tim Staffel ist nicht nur vielschichtig und komplex. Von und für Jugendliche konzipiert, bietet es mit viel Action und turbulenten Richtungsänderungen auch beste Unterhaltung. Grund genug für die beiden Deutschlehrerinnen Milena Todic und Simone Bischof, zusammen mit der Kanti-Theatergruppe die moderne Version des «Parzival» zu inszenieren.

Mitten im Teenie-Alltag

Die Jugendlichen Hedda (Viky Balasevic), Annika (Annika Buschor), Chloe (Deborah Lerice), Lucie (Salome Spannring), Yannick (Timo Stump), Sylvio (Aron De Vallier) und Oktay (Simon Schmalz) schlagen sich mit typischen Teenie-Problemen herum. Die Eltern stressen, die Hormone schwanken, und untereinander wird schwer angebandelt und ausprobiert. Ihre wahren Gefühle trauen sich die Jugendlichen aber nicht zu zeigen. Zu sehr sind sie von Vorstellungen gefangen, sich als Mann oder Frau behaupten zu müssen, und interpretieren Gefühle als Schwäche. Alles Echte wird dabei mit Ironie und Macho-Gehabe überspielt. Auf der Flucht vor der Realität loggen sie sich in ein Online-Game ein, und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Ritter ohne Furcht und Gnade

Gemeinsam mit den rund 200 Zuschauern tauchen die Jugendlichen in der Aula der Kanti Heerbrugg in eine ritterliche Sagenwelt ein. Hier hat der psychopathische, da fehlprogrammierte Artus (Nando Büchel), der das Publikum oft zum Schmunzeln bringt, das Sagen. Die Spieler stellen sich durch ritterlichen Mut und Kampf unter Beweis und sammeln so Punkte. Klar, dass es dabei auch um die Eroberung von Frauenherzen geht. Was die Jugendlichen so an der Ritterwelt fasziniert, sind die klaren Strukturen und Formen, die sie sich insgeheim auch für ihr Leben wünschen. Ihr Motto im Spiel lautet «Frei von allem Falsch», während ihnen dies im richtigen Leben nicht gelingen kann. Unterdessen steht ein junger Mann (Benjamin Schmidt) aus dem Publikum auf. Und macht sich darauf mit dem Namen Parzival im Game als sogenannter «non playing character», also als eine nicht von den Jugendlichen gesteuerte Spielfigur, breit. Parzival ist besonders neugierig. Er will im Leben Fuss fassen, die Welt entdecken, Abenteuer und Liebesgeschichten erleben. Dabei schert er sich nicht um die Spielregeln. So schlägt er den ihm punktemässig übergeordneten Ritter Ither (Stefan Fischer).

Virusartiger Parzival

Die Jugendlichen sind ratlos: Ist er ein Virus oder sind sie vielleicht im nächsten Game-Level angelangt? Während die Jugendlichen vom Spiel in die Realität und wieder zurück zappen, spitzen sich so manche Konflikte zu. So bricht die eigennützige Chloe Sylvio das Herz, der Clan-Führer Yannick weist die resolute Hedda ab und Annika hält Oktay auf Distanz. Plötzlich beginnen sich die Handlungsebenen zwischen Online-Game und Teenie-Welt auf wundersame Art und Weise zu vermischen. Parzival taucht plötzlich in der Realität auf und zeigt unter anderem Sylvio sein ungeteiltes, echtes Mitgefühl. Etwas, das allen Jugendlichen bisher fremd war. Daraufhin beginnt ein ungewöhnlicher Prozess, der sich bereits abzeichnete: Die Jugendlichen beginnen in ihren Beziehungen echt zu werden. Unter dem Sternenhimmel finden sie in einem versöhnlichen Ende zueinander und ein Stück weit auch zu sich selbst. Ein schönes Stück über Identitätssuche und das Erwachsenwerden.

Weitere Aufführungen: Heute Samstag, Montag, 10., und Mittwoch, 12. Februar, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula, Kanti Heerbrugg.

Lucie in Bedrängnis: Die Jugendlichen lernen damit umzugehen.

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