Oskar Gächters Nussgipfel-Heimsuchung

Sie werden ihm weder vergessen noch verziehen, die Nussgipfel und Kuchen, die Oskar Gächter bei Vorarlberger Wirten besser schmecken als in Schweizer Restaurants.

Max Tinner
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Oskar Gächter und Werner Ritter geraten sich in die lichter werdenden Haare. (Bild: Regina Kühne)

Oskar Gächter und Werner Ritter geraten sich in die lichter werdenden Haare. (Bild: Regina Kühne)

Sie werden ihm weder vergessen noch verziehen, die Nussgipfel und Kuchen, die Oskar Gächter bei Vorarlberger Wirten besser schmecken als in Schweizer Restaurants. In der Sondersession zu den Spitalinvestitionen erinnerte der Altstätter CVP-Kantonsrat Werner Ritter den Rüthner SVPler erneut an dessen Gastrokritik von letztem Jahr. Nachdem Gächter am Mittwoch für sich in Anspruch genommen hatte, die Rheintaler Stammtischmeinung zu vertreten, nahm Ritter «befriedigt zur Kenntnis, dass Kollege Gächter wieder Schweizer Restaurants bevorzugt» und dankte ihm dafür. Dass Gächter aber gleich im Namen der «weitaus meisten jüngeren und modern denkenden Ärzte im Rheintal» einen Spitalneubau auf der grünen Wiese forderte, schien Ritter doch etwas dick. Ihm scheine, Gächter zitiere lediglich aus einem ihm durchaus bekannten Leserbrief eines einzigen Arztes. Würde man von ihm sagen, er verkörpere mehrere Rechtsanwälte, hätte er ja noch Verständnis, meinte der gewichtige Jurist. Bei der Meinung eines einzelnen Arztes im Plural zu sprechen, scheine ihm aber «schon etwas keck und kühn».

Mehr als Ritters Vorwurf, Gächter flunkere hinsichtlich der breit abgestützten Stammtischmeinung, ärgerte diesen offenbar die Kritik an seiner Sympathie fürs benachbarte Vorarlberg. Wie viele Rheintaler stamme eben auch er von Vorfahren ab, die einst auf der anderen Seite des Rheins lebten, entgegnete Gächter. Deshalb verkehre er auch beidseits des Rheins. Dann wagte Gächter den Schritt aus der Defensive und warf Ritter vor, als Historiker eben zu sehr in der Vergangenheit verhaftet zu sein, was ihm offenbar den Blick für zukunftsgerichtete Lösungen versperre. Ritter tut dies mit einem Schulterzucken ab: «Aus der Geschichte könnte manch einer noch viel lernen.»

Dies ist sicher nicht abwegig. So könnte man sich etwa fragen, ob das St. Galler Rheintal heute auf einen Oskar Gächter verzichten müsste, hätte es vor zwei-, dreihundert Jahren schon eine SVP und eine Masseneinwanderungsinitiative gegeben.

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