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Ortsbildschutz kontra Windstrom

Über zwei Jahre hat André Champiomont für seine Idee gekämpft, mittels Windturbine Strom für sein Wohnhaus zu gewinnen und die Anlagen in der Schweiz zu etablieren. Anwohner und der Oberrieter Gemeinderat waren dagegen.
Kurt Latzer
André Champiomont kann nun die Windturbine aufstellen, deren Bau Nachbarn und der Gemeinderat verhindern wollten. Bild: Kurt Latzer

André Champiomont kann nun die Windturbine aufstellen, deren Bau Nachbarn und der Gemeinderat verhindern wollten. Bild: Kurt Latzer

André Champiomont ist Techniker und davon überzeugt, dass Kleinvieh auch bei erneuerbaren Energien Mist macht. Deshalb setzt die Cab Engineering GmbH in Kriessern, deren Geschäfte die Ehefrau des Ingenieurs, Gabriele Rösch Champiomont, leitet, auf relativ kleine Windturbinen, Carport mit Photovoltaik und Sonnensegel, die ihre Solarzellen selbst nach der Sonne ausrichten.

Anders als die bekanntesten Windturbinen verfügt die von André Champiomont nicht über Propeller, sondern fängt den Wind mit vertikalen Turbinenrädern ein. Vor den Rotoren sind fixe Statoren montiert, was den Einflug von Vögeln verhindert und den Betrieb ermöglicht, egal aus welcher Richtung der Wind weht. Die Turbine gilt im Vergleich zu den Propeller-Turbinen als sehr leise und produziert ab einer Windgeschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde Strom.

Erste Turbine statt in Kriessern in Solothurn

«Unsere Idee war es eigentlich, die erste dieser Windturbinen in der Schweiz in Kriessern aufzustellen», sagt André Champiomont. Oberriet hätte seiner Meinung nach die Möglichkeit gehabt, als erste Gemeinde bei Kleinwindanlagen Neuland zu betreten. Und das ohne eigenen finanziellen Beitrag. «Die Chance ist vertan, die Leaderfunktion hat nun die Regio Energie Solothurn übernommen», sagt Champiomont.

Die Verzögerungen beim Baugesuch hätten die Pläne, die «Turbina TE 20» in weiteren Landesteilen zu errichten, mehr als ein Jahr massiv behindert, «vom finanziellen Schaden gar nicht zu reden.» Das Baugesuch hat Champiomont am 25. Mai 2015 eingereicht, Ende August 2016 wurde es bewilligt. Der innovative Techniker ist überzeugt, wäre es nach dem Willen des Oberrieter Gemeinderates gegangen, hätte er die Baubewilligung für die «Ausstellungs-Turbine» nie bekommen. Wie auch dem Schreiben des Kantons zu entnehmen ist, hat der Gemeinderat Kriessern als «Gartenstadt» eingestuft.

Das Erscheinungsbild des Dorfes wertet der Rat höher als die Stromgewinnung durch Windkraft. «Wenn zehn oder mehr Windturbinen in Kriessern stehen, wird das Erscheinungs- und Landschaftsbild des als <Gartenstadt> taxierten Dorfes stark verändert», sagt der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Huber der Redaktion. Dies wirke sich auf die Wohnqualität aus.

Baudepartement war anderer Meinung

Zu André Champiomonts Glück war die Rechtsabteilung des Baudepartements in St. Gallen anderer Meinung. Wegen der Windkraftturbine könne man nicht von einer Verunstaltung des Ortsbildes sprechen. Die Rechtsabteilung des Baudepartements hat den Oberrieter Gemeinderat im Schreiben vom 11. August eingeladen, «die angefochtene Verfügung zu widerrufen und die nachgesuchte Baubewilligung bis spätestens 31. August 2016 zu erteilen.» Sollte der Gemeinderat hingegen an der Ablehnung der Baubewilligung festhalten, hiess es im Brief aus St. Gallen, werde der Mitarbeiter der Rechtsabteilung dem Vorsteher des Baudepartements «die Gutheissung des Rekurses beantragen. Für diesen Fall hätte der Gemeinderat mit der Auferlegung der ausseramtlichen Entschädigung von 3250 Franken zuzüglich Mehrwertsteuer zu rechnen». Am Anfang stand einer raschen Baubewilligung nicht der Ortsbildschutz, sondern die Einsprachen von Anstössern im Wege. Sie befürchteten den Lärm, den die Windturbine in der Nacht erzeugen könnte.

Im Mai 2015 hatte Champiomont das Baugesuch eingereicht, der Schriftverkehr zwischen Gemeinderat und Einsprechern endete Mitte Juli 2015. «Die Einsprachen haben sich in erster Linie auf die Lärmimmissionen bezogen», sagt Rolf Huber. Deshalb seien weitere rechtliche Abklärungen nötig gewesen. Ein Lärmgutachten sollte Klarheit bringen. «Ich habe ein 37 Seiten umfassendes Gutachten abgegeben, das die Deutsche Herstellerfirma der Turbine bei einem externen, unabhängigen Gutachter in Auftrag gegeben hatte», sagt André Champiomont.

Externe Faktoren Schuld an langem Verfahren

Der Oberrieter Gemeindepräsident sagt, externe Faktoren seien der Grund für die lange Dauer des Verfahrens. Es sei nötig gewesen, das von der Cab Engineering GmbH eingereichte Lärmgutachten von einer neutralen, sachverständigen Person überprüfen zu lassen. Einsprecher und Bauherrschaft seien nach dem Eingang der Offerte der Fachstelle über das weitere Vorgehen informiert worden. Weil niemand etwas dagegen hatte, habe der Gemeinderat eine Rebsteiner Firma Ende August 2015 beauftragt, das Gutachten zu prüfen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist lauft Rolf Huber im Januar 2016 eingetroffen. «Als ich mich Anfang 2016 auf dem Bauamt nach dem Baugesuch erkundigte, wurde mir mitgeteilt, ich könne mit der Bewilligung rechnen», sagt André Champiomont. Am 8. Februar bekam der Techniker die Verfügung: Baugesuch abgelehnt, des Ortsbildschutzes wegen.

Der Techniker aus Kriessern hat sich das nicht gefallen lassen und übergab die Angelegenheit seinem Anwalt. Es folgte eben der Augenschein.

Am 8. Januar informierte die Oberrieter Bauverwaltung die Einsprecher: «Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen sowie des Lärmgutachtens ist voraussichtlich mit einer Bewilligung der Anlage und somit einer Abweisung der Einsprachen zu rechnen.»

Wenige Tage nach dieser Mitteilung bekam der Kriessner Techniker unerwartet die Absage der Gemeinde.

Danach sollte es noch einmal fast sieben Monate dauern, bis André Champiomont die Baubewilligung in der Tasche hatte.

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