Opec einigt sich auf Förderkürzung – Zeit für Positionierungen

Die Einigung der Opec-Mitglieder auf eine Förderkürzung ist zwar zunächst informell, doch die Märkte haben bereits darauf reagiert. Zeit also, einen Blick auf den Schweizer Aktienmarkt zu werfen und sich für ein formelles Abkommen zu positionieren.

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Die Einigung der Opec-Mitglieder auf eine Förderkürzung ist zwar zunächst informell, doch die Märkte haben bereits darauf reagiert. Zeit also, einen Blick auf den Schweizer Aktienmarkt zu werfen und sich für ein formelles Abkommen zu positionieren. Denn während es zahlreiche Nutzniesser eines höheren Ölpreises gibt, dürften höhere Preise manchen Unternehmen eher zusetzen.

Kurz zur Erinnerung: Zwischen Mitte 2014 und den ersten Monaten des laufenden Jahres kannte der Ölpreis vornehmlich eine Richtung – abwärts. Wurden 2014 noch mehr als 100 US-Dollar für ein Barrel der US-Sorte WTI gezahlt, waren es im Januar 2016 weniger als 30 US-Dollar.

Seit Januar haben sich die Preise zwischenzeitlich etwas erholt. Insgesamt machen die geringen Notierungen, von denen Verbraucher bei Benzin oder Heizöl profitieren, etlichen Förderländern und Förderunternehmen aber stark zu schaffen. Dass die 14 Opec-Staaten so lange gebraucht haben, sich zumindest informell auf eine Fördergrenze zu einigen, lag vor allem an den Unstimmigkeiten zwischen den grossen ölproduzierenden Ländern Saudi-Arabien und Iran. Das Kalkül der Obergrenze bei der Förderung: Wird weniger gepumpt, sinkt das Angebot und die Preise steigen. An der Börse wurden gleich die potenziellen Gewinner und Verlierer steigender Preise ausgemacht und die Aktien erdölpreissensitiver Schweizer Unternehmen bewegten sich entsprechend.

Die Blicke richteten sich beispielsweise auf den Industriekonzern Sulzer. Wie stark dieser unter den tiefen Preisen und dem schwächelnden Ölmarkt gelitten hat, zeigte sich etwa bei den Halbjahreszahlen im Juli. In den ersten sechs Monaten 2016 stand der Öl- und Gasmarkt für 46 Prozent der Bestellungen bei Sulzer. Der Sulzer-Chef zitierte dabei auch Studien, wonach die weltweiten Investitionen im Öl- und Gassektor in diesem Jahr um rund 20 Prozent sinken dürften. Eine Erholung der Preise würde hier also viel Druck nehmen. Auch Burckhardt Compression, ABB und SGS gelten als tendenzielle Profiteure steigender Ölpreise.

Aber nicht alle Branchen profitieren davon. Im Chemie-Sektor sorgen steigende Preise für höhere Produktionskosten, was die Margen unter Druck bringt. Allerdings sind die Schweizer Unternehmen wie etwa Clariant oder Givaudan so spezialisiert, dass sich die direkten Auswirkungen steigender Ölpreise nicht so stark bemerkbar machen. Allerdings dürfte eine allgemein vorsichtige Haltung auf Investorenseite auch die Schweizer Nischen-Player belasten. (pd)