Olympia als Teamchef im Visier

Das Team Bischibikes hat einen Fahrer mit internationalen Ambitionen verpflichtet: Der 34-jährige Ukrainer Sergej Sirenko soll mit einem Mountainbike des Rheintalers Christof Bischof an den Olympischen Spielen 2016 an den Start gehen.

Yves Solenthaler
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Sergej Sirenko: Der Ukrainer in Bischis Diensten strebt seine fünfte Olympia-Teilnahme an. (Bild: pd)

Sergej Sirenko: Der Ukrainer in Bischis Diensten strebt seine fünfte Olympia-Teilnahme an. (Bild: pd)

MOUNTAINBIKE. Bis 2009 fuhr Christof Bischof, genannt Bischi, selbst als Mountainbike-Profi. Zum Schluss seiner Aktiv-Laufbahn war er in einem Rennstall aus Zypern beschäftigt – in seinem letzten Jahr bei Bikin' Cyprus war Sergej Sirenko einer seiner Teamkollegen.

2010 beendete der aus Au stammende Rheintaler Sportler des Jahres 2004 seine Profi-Laufbahn, eröffnete in Rorschach ein Velogeschäft und produziert seither eigene Mountainbikes (Bischibikes). Ein Jahr später bildete er ein eigenes Rennteam mit Fahrerinnen und Fahrern aus der Ostschweiz, grösstenteils Rheintaler.

Das Team Bischibikes-kopierpapier.ch gibt es noch immer. Ihm gehören unter anderen die U23-Fahrer Simon Vitzthum und Noah Blöchlinger an, die Bischibikes bereits an Welt- und Europameisterschaften präsentiert haben. Vor einer Woche hat Bischi sein Kader für 2015 vorgestellt, neu mit dabei ist mit einem Zwei-Jahres-Vertrag sein früherer Teamkollege Sergej Sirenko. Der 34-Jährige ist bereits viermal an Olympischen Spielen gestartet, 2016 in Rio will die unumstrittene Nr. 1 der Ukraine zum fünften Mal an den Spielen teilnehmen – das wäre ein Rekord im Mountainbike, das seit 1996 in Atlanta olympisch ist.

Die Chancen, dass Sirenko in Brasilien an den Start geht, stehen gut: Die Top-24-Nationen der Welt haben mindestens einen Startplatz auf sicher. Wenn die Ukraine, derzeit im Länder-Ranking an 21. Position klassiert, diesen Platz hält, dürfte Sirenko das Aufgebot für Rio des Janeiro erhalten. Bereits selektioniert ist Sirenko für die erstmals durchgeführten European Games in Baku vom kommenden Juni.

«Es wäre lässig, wenn meine kleine Marke olympisch vertreten ist», sagt Bischi. Aber natürlich geht es dabei nur am Rande um die eigene Beglückung. Der Unternehmer sagt: «Wenn einer mit einem Bike von mir ein Olympiarennen bestreitet, ist das fürs Marketing wertvoll.» Dass Bischibikes konkurrenzfähig sind, zeigen zwar schon die internationalen Starts eines Vitzthums oder eines Blöchlingers: «Aber wenn ich einem Kunden sage: <Das ist ein olympisches Bike>, hinterlässt das noch deutlich mehr Eindruck.»

Zudem sei ein Profi wie Sirenko für seine anderen Fahrer eine zusätzliche Motivation, auch wenn die Renn-Agenda des Ukrainers ganz anders aussieht: «Sie sehen, was möglich ist.» Dies gilt primär für Simon Vitzthum, der ab dieser Saison als Halbprofi fährt. Noah Blöchlinger und Vitzthum dürften dem Routinier aus Osteuropa auch im Weltcup begegnen – die anderen Teammitglieder legen ihren Fokus hauptsächlich auf den BMC Racing Cup (Start am 11./12. April in Schaan) und den Ostschweizer Bikecup (Beginn am 4. April in Arbon). Sirenko startet nebst dem Weltcup vor allem an Rennen in Osteuropa: «Für ihn geht es vor allem darum, Punkte zu sammeln, um den olympischen Quotenplatz der Ukraine zu sichern.» Allerdings sei auch geplant, dass Sirenko nebst dem Weltcuprennen in Lenzerheide ein, zwei weitere Wettkämpfe in der Schweiz bestreitet.

Bischi hält mit seinem Legionär über elektronische Kommunikationskanäle den regelmässigen Kontakt: «An den Weltcuprennen wird Sirenko von der ukrainischen Nationalmannschaft betreut, fährt aber in einem Bischibikes-Trikot», erklärt Christof Bischof. Er selbst werde sicher den Weltcup in Lenzerheide besuchen und vielleicht noch ein, zwei Weltcuprennen in der Nähe.

«Wenn es mit Sergejs Olympia-Teilnahme klappt, werde ich mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nach Rio de Janeiro fliegen», sagt er. An Olympia durfte Bischi nämlich nie starten, dafür war die Konkurrenz in der Schweiz stets zu gross.

Bischi hat für diesen Olympia-Traum eine griffige Formulierung bereit: «Olympionike nicht als Mensch, aber mit meiner Maschine.»

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