Oldtimer gebaut – ohne Skizze

DIEPOLDSAU. Eine kleine Ponykutsche hat Sepp Kuster in einen nostalgischen Motorwagen verwandelt. Das Gefährt funktioniert einwandfrei, besticht durch viele Details – und ist unverkäuflich.

Gert Bruderer
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Eineinhalb Jahre hat Sepp Kuster an diesem einwandfrei funktionierenden Motorwagen gebaut.

Eineinhalb Jahre hat Sepp Kuster an diesem einwandfrei funktionierenden Motorwagen gebaut.

Sepp Kuster hat die Kutsche in ihre Einzelteile zerlegt und nicht mehr Verwendbares entsorgt. Dann legte er los, ohne Plan, ohne Skizze. Er liess sich von seiner Vorstellung und seinem Sachverstand leiten, wie er das immer macht. Eineinhalb Jahre lang. Entstanden ist ein Oldtimer der Extraklasse, ein Unikat, auf Hochglanz poliert.

Motor mit 6,5 PS

Selbst für den erfahrenen Erbauer zahlreicher ausgeklügelter Spezialfahrzeuge war das jüngste Werk eine grosse Herausforderung. Lenkung, Bremsen, Getriebe, Statik – alles musste letztlich stimmen.

Sepp Kuster entschied sich für einen 6,5-PS-Motor, der platzsparend ist und für die Übersetzung sehr geeignet. Für die Beleuchtung dient eine Wechselstromeinrichtung.

Alte Teile neu eingesetzt

Die einzelnen Bauteile hat Sepp Kuster zu drei Vierteln selbst angefertigt. Den Rest suchte er sich auf Oldtimermärkten und Flohmärkten zusammen. Fürs Winkelgetriebe bediente er sich zum Beispiel eines Schwungrades, das früher Teil einer Mühle gewesen war.

Und je ein Stück einer Messing-Vase und einer Messing-Giesskanne wurden zu einer Lampe zusammengefügt.

Ausgefeilte Technik

Wie jedes Fahrzeug, das der 67-Jährige schon gebaut hat, besticht auch sein nostalgischer Motorwagen – «im Prinzip ein Wolpertinger» – durch ausgefeilte Technik und originelle Einzelheiten. In den Gepäckraum ist ein Radio eingebaut, ein Schirm ist, fachgerecht verstaut, stets griffbereit, und für die Lust auf einen kleinen Schabernack hat Kuster eine kleine Wasserspritze eingebaut.

Früher etwas für Reiche

Die ersten Motorkutschen, sagt Sepp Kuster, seien dreirädrig gewesen. Später, von 1910 bis 1925, hätten die nobler ausgestatteten Vehikel Messingwagen geheissen. Nur wohlhabende Leute konnten sie sich leisten. Die Sitzbank war zu jener Zeit noch nicht verstellbar. Für kleingewachsene Fahrer waren die Pedale mit Aufbauklötzen versehen.

Priester muss warten

Sepp Kuster hat ein zugleich nostalgisches und technisch teilweise auf den neuesten Stand gebrachtes Fahrzeug erschaffen, das jedoch noch nicht der eigenen Ideen letzter Schluss sei. Kuster lacht.

Auf einen Zettel hat er diesen Satz notiert: «Ich suche sicher noch nicht den Priester für die letzte Ölung.»

Die grosse Lampe besteht aus je einem Stück Giesskanne und Vase.

Die grosse Lampe besteht aus je einem Stück Giesskanne und Vase.

Edler geht nicht. – Kein Wunder, ist das Gefährt unverkäuflich. (Bilder: Gert Bruderer)

Edler geht nicht. – Kein Wunder, ist das Gefährt unverkäuflich. (Bilder: Gert Bruderer)