Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ohne Imker keine Bienen

Imkern ist ein aufwendiges, aber kaum lukratives Hobby. Obwohl die Arbeit der Bienenzüchter einen wichtigen Beitrag zur Ernährung leistet, findet diese bei der Politik und der Landwirtschaft kaum die nötige Unterstützung. Die Landwirtschaft sieht das indes anders.
Sabrina Schmid
Seit die Varroamilbe die Bienen befallen hat, ist die Imkerarbeit viel aufwendiger und komplizierter. (Bild: Sabrina Schmid)

Seit die Varroamilbe die Bienen befallen hat, ist die Imkerarbeit viel aufwendiger und komplizierter. (Bild: Sabrina Schmid)

ST. MARGRETHEN. Stolz beobachtet Markus Niederer, Präsident des Imker-Vereins Unterrheintal, sein Bienenhaus. «Ohne Bienen hätten wir ein Drittel weniger Lebensmittel – sie sind faszinierend.» Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit finden der Imker und viele weitere Bienenbegeisterte wenig Beachtung. Niederer wünscht sich mehr Unterstützung. Allein die Varroamilbe habe die Imkerarbeit in den letzten Jahren viel komplizierter und aufwendiger gemacht.

Imker haben viele Probleme

«Unsere Lobby ist im Nationalrat eher schwach vertreten. Wir müssen lange für ein bisschen Aufmerksamkeit kämpfen», sagt Niederer. «Unsere Branche fordert, dass eine Person eine obligatorische zweijährige Grundausbildung absolvieren muss, um überhaupt imkern zu können. Wir wollen verhindern, dass jemand ohne Erfahrung damit beginnen kann. Der Bund meint jedoch, dass dies nicht nötig sei. Des Weiteren erhalten wir vom Bund nur einen bescheidenen Betrag für Forschungen, Mittel für die Bekämpfung von Krankheiten und den Unterhalt unserer Bienenvölker», klagt Niederer.

Auch zerdrücke ein Landwirt mit seiner Maschine Tausende Bienen, wenn er zur falschen Tageszeit seine Wiesen mähe. Der Einsatz von Pestiziden und wenige Blumenwiesen als Folge einer zunehmend intensiv betriebenen Landwirtschaft gäben zudem Anlass zu grosser Sorge.

Ritter widerspricht Niederer

Markus Ritter, CVP-Nationalrat aus Altstätten und Präsident des Schweizer Bauernverbands, sieht dies anders: «Die Anliegen der Imker werden in der nationalen Politik mit sehr viel Wohlwollen aufgenommen. Die wichtige Aufgabe der Bienen für Natur und Nutzpflanzen ist unbestritten. Die Entschädigung der Landwirtschaft basiert auf dem Landwirtschaftsgesetz. Es handelt sich beim Bauern und beim Imker grundlegend um andere Formen der Förderung und Tierhaltung. Ein Vergleich mit der Imkerei ist deshalb kaum möglich.» Die Ansicht, es seien zu wenige Blumenwiesen vorhanden, teilt Ritter nicht: «Alleine vom Kulturland werden heute zwölf Prozent der Flächen, rund 120 000 Hektaren, als ökologische Ausgleichsflächen bewirtschaftet. Gesetzlich vorgeschrieben wären nur sieben Prozent. Für die Bauernfamilien sind Biodiversität und die Pflege der Landschaft ein sehr wichtiger Teil des Auftrages.»

Der Bauer benötigt diverse Pestizide, damit er seinen Betrieb aufrechterhalten kann – für viele Bienen hat deren Einsatz den Tod zur Folge. Das ist auch der Grund, weshalb viele Imker für eine giftfreie Landwirtschaft kämpfen. «Uns ist klar, dass Bauern unter Existenzdruck leiden. Wir sind aber der Meinung, dass die ganze Bewirtschaftung auch mit weniger Giftstoffen möglich wäre», sagt Niederer.

Lösungsansätze sind vorhanden

Markus Ritter hält dagegen: «Bei der Beurteilung von Pflanzenschutzmitteln und deren möglichen Auswirkungen auf Bienen sind wir auf die Entscheide der Zulassungsbehörde angewiesen. Liegt eine Zulassung mit Vorgabe des richtigen Einsatzes des Mittels vor, müssen wir uns auf diese Entscheide verlassen können.»

Der Imker-Verein Unterrheintal kämpft mit eigenen Lösungsansätzen gegen die Probleme. «Wir helfen uns selbst. Gerade im Fall der Varroamilbe achten wir darauf, dass alle Imker ihre Völker zur gleichen Zeit behandeln, damit wir die beste Wirkung erzielen können. Für weitere Unterstützung stehen uns zudem Regionalberater vom Bienengesundheitsdienst zur Verfügung», sagt Markus Niederer.

Um die Gemeinschaft im Verein zu stärken und sich auszutauschen, findet jeden Monat eine Versammlung statt. Die Imker werden auch vom Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) unterstützt. Dieser möchte die Branche vor allem mit einem Bildungskonzept und neuen Lehrmitteln unterstützen. Aktive Medienarbeit sowie die Präsenz an lokalen Ausstellungen sollen die Aufmerksamkeit zusätzlich fördern.

Markus Ritter, der in der Freizeit selbst imkert, sagt: «Die Kommunikation ist für die Imker von grosser Bedeutung. Sie müssen konkrete Forderungen formulieren und diese mit den Partnern diskutieren.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trotzdem ist der Imker-Verein Unterrheintal mit seinen rund 60 Imkern zuversichtlich. «Wir haben kein Imkersterben, sondern einen Boom. Von zehn Leuten, die mit Imkern beginnen, bleiben sieben – das ist sehr erfreulich», sagt Markus Niederer.

Für die Zukunft wünschen sich die Imker konsequentere Unterstützung und einen bienenfreundlicheren Einsatz der Pflanzenschutzmittel. Markus Ritter sagt: «Für mich ist ein konstruktiver Dialog zwischen Behörden, Wissenschaft, Pharmaindustrie, Imkern und Landwirtschaft sehr wichtig.» Für Markus Niederer ist etwas ganz sicher: Er wird bei seinem Hobby bleiben, egal welche Probleme ihm im Bienenalltag noch bevorstehen – denn es sei die Freude an den Bienen und der Arbeit, die sich kein Imker nehmen liesse.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.