Ohne Fischer wäre der Kanal tot

RHEINTAL. Im Rhein und im Rheintaler Binnenkanal werden immer weniger Fische gefangen. Das hat sich am vergangenen Samstag, an der Eröffnung der Forellenfischerei am Binnenkanal, bestätigt. Würden die Fischer keine Fische einsetzen und Wasser sowie Uferbereiche pflegen, sähe es düster aus.

Kurt Latzer
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Neben Kormoran und Gänsesäger ist auch der Wels (Mitte) zum Problem geworden. Seit 2012 darf deshalb im Alten Rhein in Diepoldsau auch nachts Jagd auf den Grossräuber gemacht werden. Immer wieder werden grosse Forellen gefangen, die Verletzungen durch Schnabelhiebe von Kormoranen aufweisen. Die verletzten Fische haben keine Überlebenschance. (Bild: Kurt Latzer)

Neben Kormoran und Gänsesäger ist auch der Wels (Mitte) zum Problem geworden. Seit 2012 darf deshalb im Alten Rhein in Diepoldsau auch nachts Jagd auf den Grossräuber gemacht werden. Immer wieder werden grosse Forellen gefangen, die Verletzungen durch Schnabelhiebe von Kormoranen aufweisen. Die verletzten Fische haben keine Überlebenschance. (Bild: Kurt Latzer)

Im Pachtgewässer des Fischereivereins Rüthi wurden am Eröffnungssamstag einzelne Forellen gefangen. Je weiter man sich kanalabwärts bewegt, umso geringer fallen die Fänge aus. Im Gebiet des Fischereivereins Mittelrheintal blieb die Fangstatistik vielfach leer. Die Fischereivereine leiden unter verschiedensten negativen Einflüssen.

Fliegende Räuber ein Problem

«Im Gegensatz zu Vereinen kanalabwärts bereiten uns vor allem Kormorane und Gänsesäger Probleme», sagt Rolf Gächter, Präsident des Fischereivereins Rüthi. Nach wie vor würden bei ihnen schöne grosse Forellen gefangen. «Die mit einer Länge von 25 bis 35 Zentimeter fehlen, die werden von den Raubvögeln gefressen.» Obwohl die Rüthner Gewässer als «noch gut» bezeichnet werden, stimmt ihre Statistik nachdenklich. Gächter: «Bis in die 1980er-Jahre wurden bei uns zwischen 2000 und 4000 Fische pro Jahr gefangen. 2012 waren es unter 350.»

Grundwasser und Verbote

Mit wesentlich grösseren Problemen als ihre Kollegen südlich des Hirschensprungs kämpfen die Mitglieder des Fischereivereins Oberrheintal. FVO-Präsident Alexander Klöppel: «Uns hat das Hochwasser 2009 sehr geschadet. Dazu kommen Probleme mit Kormoranen, Gänsesägern und Graureihern.» Beim Unwetter 2009 wurde über den Dürrenbach und den Auerbach tonnenweise Schlamm in den Binnenkanal gespült. Unterhalb des Kraftwerks Montlingen wurde praktisch der gesamte Äschenbestand vernichtet. Weiter wirke sich der sinkende Grundwasserspiegel negativ aus. «Zum Glück haben wir oberhalb des Montlinger Kraftwerks noch eine relativ gute Binnenkanal-Strecke, mit einem schönen Äschenbestand», sagt Klöppel. Bachforellen gebe es schon lange keine mehr. Im Stich gelassen fühle er sich auch von den Behörden. So etwa wegen des nach wie vor geltenden Besatzverbots für Regenbogenforellen oder den Pachtzinsen, die sich nicht mehr nach der Zahl gefangener Fische richte. Weiter ärgert den Altstätter, dass die immense und ehrenamtlich geleistete Hege- und Pflege von Fischen, Gewässern und Uferbereichen nicht geschätzt wird, «auch nicht von den Behörden». Was bringt die Zukunft? Weniger Fische, weniger Fischer und weniger Einnahmen durch Patente? «Es ist schon möglich, dass mit den schlechteren Fängen die Zahl gelöster Patente zurückgeht», meint Klöppel. Kritisch werde es erst, wenn der Aufwand viel grösser sei als der Ertrag. «Ich sage immer: «Ohne Fischer keine Fische.» Wenn keine Fischer mehr da sind, haben wir bald nur noch tote Flüsse und Bäche», meint Alexander Klöppel. Auch wenn Karl Oehler, Präsident des Fischereivereins Mittelrheintal sagt, der Binnenkanal seit tot, hat er in «seinem Revier» weniger Sorgen als seine Oberrheintaler Kollegen. «Dank des Alten Rheins haben wir nach wie vor einen Mitgliederzuwachs. Dort sind die Fänge noch gut.» Am Alten Rhein in Diepoldsau sind die Welse das Hauptproblem. In den 1970er-Jahren auf Vorarlberger Seite eingesetzt, haben sie sich zur Plage entwickelt. «Seit 2012 dürfen wir auch nachts Welse fangen. Seither hat sich die Situation stark verbessert», meint Oehler. Und wie könnte die Situation am Binnenkanal verbessert werden? «Da ist guter Rat teuer», sagt Alfred Dudler, Präsident des Fischereivereins St. Gallen. Zu seinen Vereinsgewässern gehört der Binnenkanal ab der Mondstein-Brücke in St. Margrethen und der Alte Rhein bis zur Mündung in den Bodensee. Neben der Bekämpfung des Kormorans wünscht er sich, wie auch seine Rheintaler Fischerkollegen, dass die gegen Umwelteinflüsse resistenteren Regenbogenforellen eingesetzt werden dürften. Seit einigen Jahren wehren sich die Rheintaler Fischer beim Bund vergeblich gegen ein entsprechendes Verbot. In Vorarlberg gilt dieser Fisch seit Jahren als «eingebürgert» und darf eingesetzt werden. Auch in den Rhein und den Alten Rhein. Fehlt es an der Lobby? «Möglich. Vögel sieht man überall, die Fische eben nicht», sagt Alfred Dudler nachdenklich.

Digital StillCamera

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Auf den Kiesbänken im Rhein bei Lienz sind oft Scharen von Kormoranen anzutreffen. Von dort aus ziehen sie zur Jagd an den Binnenkanal. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Auf den Kiesbänken im Rhein bei Lienz sind oft Scharen von Kormoranen anzutreffen. Von dort aus ziehen sie zur Jagd an den Binnenkanal. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

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