Ohne den andern wäre nichts passiert

Vor dem Kreisgericht in Altstätten trafen sich gestern die zwei Fahrer wieder, die sich im Oktober 2010 auf der Marbacher Rietstrasse leicht touchiert hatten. Beide könnten tot sein.

René Schneider
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MARBACH. So riskant, wie sie damals gefahren waren, verhielten sich die beiden Angeklagten auch danach und vor Gericht. Sie pokerten hoch und erhoben Einsprache gegen das Urteil des Staatsanwalts. Darum wurde der Fall gestern vor dem Kreisgericht verhandelt. Der Richter anerbot den beiden eingangs, ihre Einsprache zurückzuziehen und rund tausend Franken Busse und Gebühren zu zahlen. Zwar würden diese bei einem Freispruch entfallen, bei einer Verurteilung aber werde es doppelt bis dreimal so teuer werden. Keiner mochte zurück krebsen.

Der 26-jährige Bosnier aus Rebstein fuhr damals mit seinem Saab, seiner Schwester und einem Freund von Kriessern auf der Rietstrasse Richtung Marbach. Auf der Geraden im Gebiet Seegraben überholte er ziemlich nah, ziemlich schnell und ziemlich knapp vor einer unübersichtlichen Kurve eine Reiterin auf ihrem Pferd. Hinter jener Kurve nahte der 48-jährige Italiener aus Lüchingen in seinem Mazda. Auch er fuhr ziemlich schnell und ziemlich nah hinter seinem grauen Vordermann. In der Kurve erschreckten sich alle gegenseitig.

Der Vordermann drängte sich rechts gegen die Büsche, kam haarscharf am Saab vorbei – und haute ab. Der Saab-Fahrer verhinderte die Frontalkollision mit dem Mazda, indem er sein Auto rechts in die Wiese lenkte. Der Mazda-Fahrer hatte eine Vollbremsung eingeleitet, rutschte mit blockierten Rädern auf die Gegenfahrbahn und beschädigte den Saab am Heck. Der Mazda hatte vorne links eine kleine Beschädigung. Strittig ist, ob der Saab schon zurück war auf seiner Fahrbahn oder noch am Einschwenken. Der Staatsanwalt ist der Ansicht, beide seien riskant gefahren und hätten Verkehrsregeln verletzt. Dem Saab-Fahrer droht (nach drei Ausweisentzügen wegen Schnellfahrens) ein weiterer Fahrausweis-Entzug. Vor Gericht argumentierten der Bosnier wie der Italiener, sich zwar am Limit bewegt zu haben. Aber ohne den Fehler des jeweils anderen wäre ja nichts passiert. Das Urteil steht noch aus.