Oh Schreck, die Schule ist zu Ende

REBSTEIN. Zu ihrem Schulabschluss bescherten die Rebsteiner und Marbacher Schulabgänger ihren Eltern ein «Ende mit Schrecken», eine märchenhaft-romantisch-sauglatte Horror-Pop-Oper zwischen Schneewittchen und der Nacht der lebenden Toten.

Max Tinner
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Thriller-Night: Diesen Grazien möchte man nachts lieber nicht allein auf der Strasse begegnen.

Thriller-Night: Diesen Grazien möchte man nachts lieber nicht allein auf der Strasse begegnen.

Rebstein. Wenn es nicht so urkomisch gewesen wäre, hätte einem das kalte Schaudern den Rücken hinab laufen können: Für ihre Schulabschlussfeier haben die 74 Drittreal- und Drittsekschülerinnen und -schüler vom Schulhaus Sonnental eine märchenhaft-romantisch-sauglatte Horror-Pop-Oper einstudiert.

Schneewittchen lässt putzen

Werwölfe flitzten durchs Publikum, Zombies wirbelten ihre Gliedmassen zu Michael Jacksons «Thriller» über die Bühne, dem Wahnsinn anheim gefallene Mördermönche tanzten übers Parkett – und Schneewittchen bestellte eine Putzkolonne in Petticoats, um die schmutzige Zwergenhütte putzen zu lassen. Ebenso modern die Interpretation von Shakespeares «Romeo und Julia» – anstelle gepflegter Verse wurde jugendlicher Slang rezitiert. Die Zuschauerinnen und Zuschauer krümmten sich vor Lachen.

Mit über 100 noch fit und munter

Zwischendurch dürften einige im Publikum aber auch leer geschluckt haben. Dann nämlich, als die Schülerinnen und Schüler bei einem Blick ins Jahr 2061 einen ihrer Lehrer sterben liessen. Immerhin, so konnte man dem Grabstein aus Karton entnehmen, haben die Jugendlichen ihn über hundert Jahre alt werden lassen– und sie liessen ihn auferstehen, vielleicht für weitere hundert Jahre, noch bevor die inszenierte Kurzbeerdigung vorbei war.

Lieber keine Schule ohne Ende

Wer weiss schon, welche Lebensspanne jemand in 50 Jahren erreichen wird. Offenbar wünschen die heurigen Schulabsolventen aber auch der künftigen Jugend keine längere Schulzeit. Nicht von ungefähr titelten sie für ihre Abschlussfeier «Lieber ein Ende mit Schrecken…», woraus man folgern kann, dass noch mehr Schule ein Schrecken ohne Ende wäre. Gleichwohl werden einige nun an eine weiterführende Schule wechseln. Kein einziger der 74 Schülerinnen und Schüler steht ohne Anschlusslösung da. Die meisten werden – nach verdienten Sommerferien – eine Lehre antreten, einige wenige haben eine Zwischenlösung gefunden.

Abschiednehmen im Freien

An der gestrigen Abschlussfeier bewiesen die jungen Frauen und Männer auch künstlerisches Talent: als Videokünstler ebenso wie als Popband mit Chor. Begrüsst wurden die Eltern nämlich bereits im Freien mit einem halbstündigen Konzert und Apérohäppchen. Ebenfalls draussen nahmen die Schülerinnen und Schüler dann Abschied von der Schule, die sie drei Jahre lang besucht hatten: Bei den herrlich sommerlichen Temperaturen sass man nach der anderthalbstündigen Vorführung in der Schulaula gerne noch eine Weile in der Festwirtschaft beisammen.

Gruslig: Leichenblasse tanzende Mönche.

Gruslig: Leichenblasse tanzende Mönche.

Schneewittchen und ihre schnoddrigen Hilfszwerge. (Bilder: Max Tinner)

Schneewittchen und ihre schnoddrigen Hilfszwerge. (Bilder: Max Tinner)

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