Offene Schollenmühle stiess auf Interesse

300 Rheintaler folgten am Samstag der Einladung des Vereins Pro Riet in die Altstätter Schollenmühle und erlebten dabei die grosse Vielfalt im Naturschutzgebiet. Das Interesse an Tieren und Pflanzen war schon frühmorgens gross.

René Jann
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Ivo Moser (rechts) wies die Besucher auf verschiedene Vogelstimmen hin. (Bild: René Jann)

Ivo Moser (rechts) wies die Besucher auf verschiedene Vogelstimmen hin. (Bild: René Jann)

ALTSTÄTTEN. Bereits zur frühmorgendlichen Exkursion rund um die 1998 stillgelegte Schollenmühle konnte Ignaz Hugentobler, Präsident des Vereins Pro Riet, gegen 70 interessierte Ornithologen und Naturschützer willkommen heissen. Zusammen mit dem Biologen Ivo Moser und dem Ornithologen Gregor Sieber machten sich die drei Gruppen kurz nach sechs Uhr auf, um in der Vogelexkursion die mit dem Sonnenaufgang erwachende Natur im Bannriet zu erleben. Zusehends lichtete sich der Nebelschleier über den Biotopen, und damit kam auch Leben in die Natur. In der Ferne rief als typischer Rietbewohner der Kuckuck, und aus den Tümpeln der ehemaligen Schollengräben war das Quaken der Frösche zu vernehmen.

60 Nistkästen betreuen

In der Stirnwand des seinerzeitigen Produktionsgebäudes machten die drei Gruppenführer auf die erste Attraktion, die Brutstätte eines Turmfalken, aufmerksam. Anfang Juni soll die Beringung der Jungvögel stattfinden. Der Verein Pro Riet betreut derzeit 60 Nistkästen. Gleich nach der ersten Wegbiegung waren in den aufgestellten Fernrohren verschiedenste Vögel zu beobachten, die sich mit teils munterem und melodischem Gesang bemerkbar machten. Interessant war dabei etwa der Vergleich zwischen Mönchsgrasmücke, Distelfink und Buchfink. Für einmal konnte auch das Brutgeschäft des Weissstorchs beobachtet werden, dessen Nestbau auf natürlicher Unterlage beruht, während andere Störche die bereitgestellten Storchenhorste bevorzugen. Die Ringeltaube machte sich mit dem für sie typischen Ruf «Hol Suurchrut – Ruedi» bemerkbar. Dann aber erweckte ein Fasan die Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer. Goldammerpärchen und paarende Schwarzkehlchen wechselten mit der Rauchschwalbe, Rohrammer und dem Neuntöter.

Während sich ein Feldhase im Sonnenlicht präsentierte, war der Ruf des Teichrohrsängers zu vernehmen und eine Dorngrasmücke in der Lichtung einer Hecke auszumachen. Rund 140 Vogelarten, darunter 70 Brutvögel, seien inzwischen als heimisch registriert, war von den Fachleuten zu hören, die nach der eineinhalbstündigen Exkursion bei der Schollenmühle zu Kaffee und Gipfeli eingeladen haben.

Viel Wissenswertes erfahren

Auch in der Zeit von 11 bis 17 Uhr herrschte auf dem Areal der Schollenmühle Betrieb. Mit dem Velo oder zu Fuss kamen Familien oder auch ganze Gruppen daher, um sich über die Aktivitäten des Vereins Pro Riet zu informieren. In einem Foto-Orientierungslauf erlebten sie die Zeit zwischen 1918 und 1998, als im Gebiet Bannriet-Spitzmäder noch aktiv nach Torf gegraben wurde. Erst von Hand, um begehrtes Brennmaterial zu gewinnen, und später, von 1965 bis 1975, maschinell. Die Turben wurden getrocknet, gemahlen und zu Torf verarbeitet. Heute machen die enge Nachbarschaft von Streuwiesen, Torfstichgräben, Weiher und Gehölzgruppen das Gebiet zu einem wertvollen und vor allem vielfältigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Wie zu erfahren war, weist das Naturschutzgebiet eine erstaunliche Artenvielfalt auf. Dank steter Beobachtung und Pflege ist im ehemaligen Torfabbaugebiet ein Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung entstanden, in dem nicht nur der Kammmolch, sondern auch die Ringelnatter heimisch sind.

Tiere direkt vor Augen

Für einmal konnte Ivo Moser den Besuchern auch einige Exemplare von einem Bergmolch, einem Goldbrandkäfer sowie einer Libellenlarve vor Augen führen. Andere aber konnten direkt im Unterwasserwürfel entdeckt werden, der sich im Weiher vor der Schollenmühle befindet. Interessant war auch die Handstich-Demonstration von René Biollay, der darauf hinwies, dass für die Schwerstarbeit eines Schollenstechers als Grundlage halt eben viel Ribel und Most nötig waren.