Offen wie ein Scheunentor

FUSSBALL. In einem abwechslungsreichen Offensiv-Spektakel musste sich der FC Widnau überraschend gegen den mutig auftretenden Aufsteiger FC Rüti aus Zürich mit 3:5 geschlagen geben.

Gerhard Huber
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Die Widnauer, hier Abdoski am Ball, spielten gegen eine dichte und gut gestaffelte Abwehr. (Bild: Ulrike Huber)

Die Widnauer, hier Abdoski am Ball, spielten gegen eine dichte und gut gestaffelte Abwehr. (Bild: Ulrike Huber)

Der FC Widnau kann das jeweils erste Heimspiel der Saison einfach nicht gewinnen. Wie letztes Jahr hatte man das erste Meisterschaftsspiel auswärts mit 4:1 gewonnen. Und 2014 Jahr ging der Auftakt zu Hause daneben. Nunmehr schon das vierte Mal in Folge musste man beim Saisoneröffnungsspiel auf der Aegeten gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner die Segel streichen.

Widnau zuerst überlegen

Zu Gast war der Aufsteiger FC Rüti ZH. Ein unbekannter Gegner, der jedoch letztes Wochenende auf eigenem Feld gegen seinen Lokalrivalen Uster verloren hatte.

Zur Überraschung aller stellten sich die Zürcher in Widnau nicht hinten hinein, sondern suchten ihr Heil in der Offensive. Dennoch waren die Rankovic-Schützlinge Anfang der Partie drückend überlegen und beherrschten Ball und Gegner mit einem schön anzuschauenden Direktpassspiel im Mittelfeld. Ergebnis der Bemühungen? Nach etwa zwanzig Minuten schickte Jevtic seinen Sportkameraden Abdoski auf die Reise, dieser passt im Strafraum zurück zu Bösch, der wiederum im zweiten Versuch nach einem Abpraller von Goalie Ulrich zum 1:0 verwerten konnte.

Heil in Offensive gesucht

Nur vier Minuten später zündete Irisme seinen Turbo, drang mit hoher Geschwindigkeit in den Rütner Strafraum ein, wo er elferreif gelegt wurde. Den dafür verhängten Penalty verwandelte Abdoski sicher wie immer zur an und für sich komfortablen 2:0-Führung. Damit war es aber vorbei mit der spielerischen Überlegenheit der Weiss-Blauen. Der Aufsteiger aus Zürich spielte frech und frisch nach vorne und fand dort massenweise freien Raum, die Defensive war offen wie ein Scheunentor.

Die nach dem Ausfall von Diego Liechti improvisierte Innenverteidigung mit Kuster und Lüchinger war dem Angriffsfurioso der Gäste nicht gewachsen. Und auch Faleschini sowie Bujar Thaqi auf den Aussenverteidigerposten mussten allzu oft ihre Gegner ziehen lassen.

Mann des Tages

Und letztlich hatte der FC Rüti den Mann des Tages in seinen Reihen. Mittelstürmer Syla Taulant war von den Widnauern nicht zu halten, nicht zu decken, nicht zu bewachen. So auch beim Anschluss- und Ausgleichstreffer noch vor der Pause, wo sich Syla jeweils im Strafraum der Heimischen frei laufen konnte, ideal von seinen Mitspielern bedient wurde und Goalie Benni Frei keine Chance liess. In der zweiten Halbzeit kam es dann zum offenen Schlagabtausch, Mengen an Torszenen hüben wie drüben.

Offener Schlagabtausch

Einziger Unterschied: die Rütner Verteidigungsreihen standen dicht geschlossen. Die Widnauer Defensivkünstler wurden von ihren Vorderleuten ein ums andere Mal sträflich im Stich gelassen und waren bei Zürcher Kontern oft in der Unterzahl. Nach dem Führungstreffer des Aufsteigers nach etwa einer Spielstunde konnten die Aegeten-Kicker in der 67. noch einmal zum 3:3 ausgleichen.

Eine Freistossgranate von Bujar Thaqi knallte an den linken Pfosten und Abdoski staubte ab. Dann vernebelten Bösch, Irisme, Abdoski und Bärlocher weitere Chancen, während der schon erwähnte Syla Taulant zwei weitere Konter des FC Rüti erfolgreich zum Endstand von 5:3 abschloss.

Man kann für die Widnauer Kicker nur hoffen, dass mit diesem 3:5 die jährliche «Pflichtauftaktniederlage» erledigt ist und jetzt wieder Punkte geholt werden.

2. LIGA INTER, GRUPPE 6 Widnau – Rüti 3:5 (2:2) Aegeten – 315 Zuschauer – SR: Dario Minder. Tore: 21. Bösch 1:0, 25. Abdoski (Penalty) 2:0, 32. Taulant Syla 2:1, 38. Taulant Syla 2:2, 63. Waser 2:3, 67. Abdoski 3:3, 75. Taulant Syla 3:4, 87. Taulant Syla 3:5. Widnau: Frei; Faleschini, Lüchinger, Kuster, Bujar Thaqi; Maliqi, Bösch, Sonderegger (46. Bärlocher), Jevtic; Irisme (84. Rankovic), Abdoski. Rüti: Ulrich; Eichwald, Delli Compagni, Edri (75. Wyss), Bosshard; Edison Syla, Grimm (83. Milano), D'Alto, Osmani; Waser, Taulant Syla. Gelbe Karten: 14. D'Alto (Foul), 24. Delli Compagni (Foul), 28. Edri (Foul), 54. Lüchinger (Foul), 58. Jevtic (Foul), 90. Bärlocher (Foul).