«Österreich» auf Sanierungskurs

Die ursprünglich von der Verschrottung bedrohte «Österreich» wird zu einem Eventschiff umgebaut. Im Sommer 2018 soll das geschichtsträchtige Schiff wieder auslaufen – rechtzeitig zu seinem 90. Geburtstag.

Gernot Grabher
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Mit stark motorisierten Sportbooten bugsierten Helfer die «Österreich» sorgfältig durch die enge Fahrrinne der Fussacher Bucht vor die Werft. (Bild: Gernot Grabher)

Mit stark motorisierten Sportbooten bugsierten Helfer die «Österreich» sorgfältig durch die enge Fahrrinne der Fussacher Bucht vor die Werft. (Bild: Gernot Grabher)

FUSSACH. Ein nostalgischer Schiffskonvoi war auf dem Bodensee um die tückischen Sandbänke an der Rheinmündung von Hard nach Fussach unterwegs. Die «Hohentwiel», Baujahr 1913, nahm die alte «Österreich», 1928 in Betrieb genommen, ins Schlepptau und zog sie zur Sanierung westwärts. «Hohentwiel»-Kapitän Adolf Konstatzy übernahm mit dem Raddampfer allerdings nur die Überfahrt vom Harder Industriehafen bis vor die Fahrrinne durch die Fussacher Bucht. Vom zwischenzeitlichen Liegeplatz in Hard und durch die enge Einfahrt zur Werft in Fussach bugsierten deutsche Schiffsfachleute mit Sportbooten das grosse Fahrgastschiff, dessen Steuerruder provisorisch instand gesetzt worden war.

Über 1100 Frondienststunden

Die von den «Vorarlberg Lines» ausgemusterte «Österreich» war vom spontan gegründeten Verein der Freunde des Schiffes vor dem Schweissbrenner bewahrt worden. Der Verein kaufte das einstige Salonschiff für einen symbolischen Euro und betreibt nun die Erhaltung des ersten mit Dieselmotoren betriebenen Fahrgastschiffes auf dem Bodensee. Über 1100 unentgeltlich geleistete Arbeitsstunden investierten die Vereinsmitglieder seit vergangenem Herbst in die Sanierung und erleichterten den Rumpf um 75 Tonnen nicht mehr brauchbarer Inneneinrichtung, wodurch die «Österreich» nun 26 Zentimeter höher im Wasser liegt.

Der Verein «Freunde der MS Österreich», der sich über eine Förderung durch die Vorarlberger Landesregierung freuen kann, suchte nach einer Rechtsform und stimmte nun der Gründung einer Gesellschaft zu, die den Umbau und den weiteren Betrieb der sanierten «Österreich» übernimmt. Die Gesellschaft ist dank der Unterstützung zweier Unternehmerpersönlichkeiten bereits mit 1,2 Millionen Euro ausgestattet. Gut zwei Millionen Euro fehlen aber noch, die von Spendern rund um den Bodensee zusammenkommen sollen.

Jungfernfahrt ins dritte Leben

Die «Österreich» wird ohne Verlust der charakteristischen Linie in ein modernes und wirtschaftlich zu betreibendes Eventschiff umgebaut. Die Sanierung und den Umbau übernahm als Generalunternehmer die Öswag Linz AG. Das im Schiffsbau wohl kompetenteste Unternehmen Österreichs, Gründer und jahrzehntelang Eigner der Werft in Fussach, hat Erfahrung mit solchen Aufträgen und lieferte schon mehrere Fahrgastschiffe in Teilen von der Donau an den Bodensee. Die Praxis wird fortgesetzt, auch die erforderlichen neuen Bauelemente für die «Österreich» werden in Linz gefertigt und dann zum Einbau per Lastwagen nach Fussach transportiert. Nach der nun anstehenden Auswasserung auf der Helling, die gegenwärtig renoviert und erweitert wird, müssen nun kleine Flächen der Aussenhaut der «Österreich» erneuert werden, die durch Rost bereits dünn geworden sind. Der ganze Rumpf wird dann sandgestrahlt und innen und aussen mit einem neuen Anstrich versehen, bevor die Inneneinrichtung in Angriff genommen wird. Zum 90. Geburtstag soll die neue «Österreich» im Sommer 2018 zur Jungfernfahrt in ihr drittes Leben auslaufen.