Öffentlicher Vortrag: Sticken als Schicksal

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Altstätten Vergleichsweise spät, erst in den 1860er-Jahren, war das Rheintal mit der Maschinenstickerei ins industrielle Zeitalter eingetreten. Wie ein Fieber erfasste die Stickerei in der Folge die Bevölkerung. Talauf und talabwärts schossen kleinere und grössere Fabriken wie Pilze aus dem Boden und brachten bescheidenen Wohlstand an den Rhein. War die Stickerei in den Anfängen noch Fabrikarbeit gewesen, verlagerte sie sich seit den 1880er-Jahren zunehmend in den häuslichen Bereich. Es entstand der Typ des Heim- oder Einzelstickers, der, unterstützt von Ehefrau und Kindern, zu Hause im Sticklokal auf eigene Rechnung und eigenes Risiko produzierte.

Heimsticker grenzten sich von Fabrikarbeitern ab

Heidi Witzig, Zürcher Historikerin und einem weiteren Publikum bekannt als Pionierin der Schweizer Frauengeschichte, spürt in einem Vortrag im Rahmen der Ausstellung «iigfädlet» den Ar­beitsbedingungen und sozialen Verhältnissen der Rheintaler Heimsticker und ihren Familien nach. Sie zeigt, wie die Sticker­familie eine auf Gedeih und Verderb aneinander gekettete Ar­beitsgemeinschaft war, in der jede Hand, auch die kleinste, von früh bis spät gebraucht wurde. Ebenso ein Thema des Vortrags wird die spezifische Mentalität der Heimsticker sein. Diese grenzten sich scharf ab von den Fabrikarbeitern. Sie verstanden sich als eigenständige und berufsstolze Kleinunternehmer, und selbst in Zeiten schärfster Krise hungerten sich die meisten mit ihren Familien lieber durch, als aufzugeben und in der Fabrik ein Auskommen zu suchen. Der Vortrag ist öffentlich und findet am Donnerstag, 31. August, um 19 Uhr im Museum Prestegg in Altstätten statt. Es wird ein Eintritt erhoben. (pd)