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OBERRIET: Wirtschaft wächst auf Pump

Seit 19 Jahren lebt und arbeitet Jens Korte in New York. Vor Kunden der Alpha Rheintal Bank sagte er: «Donald Trump macht es einem unheimlich schwer, ihn zu mögen.»
Monika von der Linden
Jens Korte zeichnet ein differenziertes und sachliches Bild Donald Trumps. (Bild: Monika von der Linden)

Jens Korte zeichnet ein differenziertes und sachliches Bild Donald Trumps. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Als Jens Korte vor zwei Jahren zu den Kunden der Alpha Rheintal Bank sprach, glaubte er nicht daran, dass Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden würde. Am Donnerstag, gut ein Jahr nach der Wahl, stand der wirtschaftspolitische Journalist wieder auf der Bühne der Turnhalle Bildstöckli. «Kein Journalist im Land hat es kommen sehen», sagte er zu den 1100 Bankkunden. Nur seine Frau hatte die Stimmung erfasst und den richtigen Schluss gezogen. «Es zeigt sich einmal mehr, dass man auf seine Frau hören sollte», folgerte Jens Korte.

In der nächsten Stunde zeichnete der als «Mr. Wall Street» bekannte Deutsche ein differenziertes und sachliches Bild des Präsidenten. Grundsätzlich ist Jens Korte nicht begeistert von Trump und dem von ihm praktizierten Protektionismus. «Er hat ihn aber nicht erfunden. Auch die Schweiz besinnt sich verstärkt auf den heimischen Markt.» Sollte Trump wie angekündigt eine Zusatzsteuer auf Importe von 20 Prozent erheben, gingen die Importe zurück. Folglich müssten die USA mehr produzieren. «Die Löhne und die Preise für die Konsumenten stiegen an und 250000 Jobs könnten wegfallen», sagte Korte.

Schlüsseltechnologien nicht an China verkaufen

Früher wurden Roboter in Käfi­-ge gesperrt. Heute arbeiten sie Hand in Hand mit Menschen, weil sie keine Verletzungsgefahr mehr bergen. Roboter werden Kellner ersetzen, selbstfahrende Autos die Taxifahrer und die Zahl der Industrieroboter wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln. Der Schweizer Maschinenbau werde kurzfristig von dem Trend profitieren, sagte Korte. Er verstehe aber nicht, dass man Schlüsseltechnologien nach China verkaufe. Das gebe es in den USA nicht.

Eine Studie ergab, dass 60 Prozent der US-Amerikaner keinen festen Job und kein fixes Einkommen haben. 47 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie unerwartete Kosten (eine Autoreparatur, ein Rohrbruch oder eine Arztrechnung) in Höhe von 400 Franken nicht innert einer Woche begleichen könnten. Sie müssten sich Geld leihen oder einen Kredit aufnehmen. «Wieso hat man dann einen Milliardär zum Präsidenten gewählt?», fragte Jens Korte rhetorisch.

«Trump macht es einem unheimlich schwer, ihn zu mögen», sagte Korte. Nach dem Hurrikan in Puerto Rico hatte der Präsident sich vor die Menschen gestellt und ihnen gesagt, dass sie das Budget belasten. «Dann warf er in bester Basketballmanier Küchenrollen in die Menge.» Es bereite ihm Sorgen, dass ein grosser Teil des wirtschaftlichen Wachstums der USA auf Pump gekauft sei, sagte Korte. Die Kreditkartenschulden bei Privaten betragen in den USA 1 Billion Dollar, die staatlichen Schulden 20 Billionen Dollar, die weltweite Verschuldung ist 215 Billionen Dol­lar (215000000000 Dollar) hoch. Korte ist skeptisch, ob sich Trumps Pläne, die Unternehmersteuer massiv zu senken, positiv auswirken. Ein Pilot im Bundesstaat Kansas habe ergeben, dass die Unternehmer nicht automatisch mehr investieren, nur weil sie geringer besteuert werden und dann der Konsum zunimmt.

«Trump macht das Land wieder amerikanischer»

Es sei nicht alles super gewesen, was Barack Obama gemacht habe, und es sei nicht alles falsch, was Donald Trump mache, sagte Korte. Obama übernahm die Präsidentschaft in einer schweren Rezession. Seine Antwort war, die USA zu europäisieren, mehr zu regulieren und staatlich einzugreifen. «Trump macht das Land wieder amerikanischer.» Was passieren müsste, dass Donald Trump nicht wieder gewählt wird, wollte Toni Steinmann aus dem Publikum wissen. «Es bräuchte einen gescheiten Ge­genkandidaten», antwortete Korte. «Trump ist authentisch. Er sagt, was ihm im Kopf herumspukt. Wenn das auch nicht viel ist.» Korte glaubt nicht an ein Amtsenthebungsverfahren, weil es nicht möglich sein wird, Trump ein verfassungswidriges Verhalten im Wahlkampf nachzuweisen. Eher vermutet der Journalist, dass Trump in drei Jahren sagen wird, er hätte mehr geschafft, aber der Kongress habe ihn behindert. «Ich schliesse nicht aus, dass er in drei Jahren noch einmal gewählt wird. Zumindest hat mir das meine Frau gesagt.» Und auf sie will er ja bekanntlich hören.

Weitere Bilder auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.

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