OBERRIET: Viele Störche haben Nässe nicht überlebt

Wegen dem nasskalten Wetter in den letzten Wochen sind in der Schweiz etwa 60 Prozent der Jungstörche gestorben. Im Züribiet waren es bis zu 100 Prozent. Am wenigsten betroffen waren Gelege vom Mittelrheintal bis ins Sarganserland.

Kurt Latzer
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Am Mittwoch wurden im Einzugsgebiet des Vereins Rheintaler Storch Jungtiere beringt. Einige Jungstörche aber waren dafür schon zu gross. (Bild: Reto Zingg)

Am Mittwoch wurden im Einzugsgebiet des Vereins Rheintaler Storch Jungtiere beringt. Einige Jungstörche aber waren dafür schon zu gross. (Bild: Reto Zingg)

OBERRIET. Eigentlich hätten am Mittwoch die Jungstörche der Nester beim Aussichtsturm im Naturschutzgebiet zwischen Altstätten und Oberriet beringt werden sollen. «Aus Rücksicht auf die noch nicht gemähten Wiesen haben wir dort auf das Beringen verzichtet», sagt Reto Zingg, Präsident des Vereins Rheintaler Storch. Mehr Glück hätten sie in Sennwald gehabt, wo man 13 Störchen die Markierungen an den Beinen anbringen konnte.

Zum Teil 100 Prozent Ausfall

Im Gegensatz zu anderen Regionen in der Schweiz, wo zum Teil keiner der Jungvögel das nasskalte Wetter überlebt hat, ist Reto Zingg mit der Situation im Einzugsgebiet des Vereins Rheintaler Storch zufrieden. Denn auch zwischen Bodensee und Sarganserland hat es bei den Jungvögeln viele Ausfälle gegeben. «Erfreulich ist, dass sich im Bannriet, in einer der schönsten Tallandschaften des Alpenrheintals, eine lockere Storchen-Kolonie gebildet hat», sagt Zingg. Von acht Horsten habe man sieben einsehen können. In fünf Nestern habe man ein bis zwei vitale Jungstörche sehen können.

Abfalldeponie statt Sumpf

In einem Brutjahr mit schlechten Witterungsbedingungen sei dies ein gutes Resultat. Peter Enggist, Geschäftsführer des Vereins Schweizer Storch, bereiten nicht nur die vielen toten Jungstörche Sorge. Denn trotz der grossen Verluste sei die Lage nicht katastrophal. Zwei Jahre zuvor habe praktisch kein Jungstorch das Frühjahr überlebt. «Eigentlich sind die Störche Afrikaner und kommen nur zum Brüten zu uns. Danach sollten sie wieder nach Afrika fliegen», sagt Enggist. Statt in angestammten Gebieten überwintern immer mehr Störche in Spanien. «Ihr Futter besorgen sie sich auf den Müllhalden statt wie sonst in den Feuchtgebieten Afrikas», sagt Enggist.

Reto Zingg ist trotz der Ausfälle überzeugt, dass der viele Regen auch sein Gutes hat. Dank der stehenden Wasserflächen in Äckern und Wiesen sei das Nahrungsangebot für die Störche ideal. «So haben sie reichlich Futter, das die Jungvögel schnell wachsen lässt», sagt Reto Zingg.