OBERRIET: Schäfli und Dreckspatzen

Der Fasnachtsumzug überraschte dieses Jahr mit witzig präsentierten Sujets zu aktuellen Themen. Zur Aussichtsplattform auf dem Blattenberg etwa oder zur Hanfplantage in der Fischfarm.
Max Tinner
«Schäfli zählen tut man an der Fasnacht nicht», finden die Oberrieter Kindergärtler. Sprich: An der Fasnacht schläft man nicht, da wird durchgemacht. (Bilder: Max Tinner)

«Schäfli zählen tut man an der Fasnacht nicht», finden die Oberrieter Kindergärtler. Sprich: An der Fasnacht schläft man nicht, da wird durchgemacht. (Bilder: Max Tinner)

Max Tinner

Das Dorfgeschehen ist letztes Jahr am Fasnachtsumzug kaum abgebildet worden, was schade war, weil die Fasnacht ja seit jeher humorvoll Kritik an der Obrigkeit übt. Dieses Jahr sah das ganz anders aus. Viele Gruppen haben mit witzigen Sujets überrascht. Gleich an der Spitze des Umzugs die Blauring-Mädchen selbst, deren Leiterinnen den Oberrieter Umzug jeweils organisieren. Sie griffen als Motto die Klimaerwärmung auf. Gleichzeitig warben sie für das grosse Kantonslager der Blauring- und Jungwachtscharen, das dieses Jahr im Riet zwischen Widnau und Rebstein stattfinden wird.

Die Jungwacht Oberriet zeigte sich begeistert von der Plattform, die auf dem Blattenberg gebaut wird. Sie forderten noch weitere Attraktionen, um den Tourismus anzukurbeln und schlugen eine gigantisch lange Rutschbahn vor.

Die Gruppe O.C.C. nahm das jüngste Projekt für die ehemalige Fischfabrik aufs Korn. Vor wenigen Wochen wurde ja ein Gesuch für die Umnutzung eines Teils der Halle für die Produktion von CBD-Hanf eingereicht. Die Clique marschierte nun als kiffende Hippie-Angler durchs Dorf.

Die Landjugend Kamor thematisierte die Dopingskandale im Sport. Provokativ fragten die Landjügeler: «Na und?»

In Oberriet nehmen auch Gruppen aus dem Werdenberg und aus Liechtenstein teil. Auch manche dieser Gäste zeigten aktuelle Motive: die Wagenbaugruppe Grabs den Streit der Toggenburger Bergbahnen, die Landjugend Werdenberg die politisch diktierte Energiewende.

Kein politisches, aber ebenfalls ein liebevoll dargestelltes Sujet bot die Mukiriege des KTVO. Die Kleinen mimten Dreckspatzen; die Mütter kamen kantig als Waschmaschinen daher. Man erahnt die Geschichte dahinter.

Auch zwei besondere Gründungsjahrestage wurden zum Sujet: «90 Jahre und immer noch fit!», titelte der KTV Oberriet zu seinem Auftritt. Und zum zehnjährigen Bestehen, das die Wicha­stoaner Höllahünd im September feiern werden, zeigten sie sich für einmal nicht im mittelalterlichen Wams oder in Fellkostümen, sondern im geradezu noblen Anzug.

In Fellen kamen dafür die Kindergärtler daher. Ihr Motto: «Schafe zählen – an der Fasnacht schläft man nicht». Angesichts der stattlichen Anzahl Schäfli dürfte die Zukunft der Oberrieter Fasnacht gesichert sein.

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