OBERRIET: Mit viel Wissen gegen die Gefahr

Was ist zu tun, falls eine Amtsstelle ein Couvert mit weissem Pulver zugeschickt erhält? Wie kann ich wissen, ob ein altes Haus nicht einstürzt, wenn es brennt? – Zwei von unzähligen Fragen, mit denen Feuerwehroffiziere sich am Samstag beschäftigt haben.

Gert Bruderer
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In diesem Keller quert überraschend ein Stahlträger den Raum. Peter Schiess sagt, da heisse es: Aufpassen, wenn's brennt. (Bild: Gert Bruderer)

In diesem Keller quert überraschend ein Stahlträger den Raum. Peter Schiess sagt, da heisse es: Aufpassen, wenn's brennt. (Bild: Gert Bruderer)

Tatü-tatü – meistens steht irgendwo etwas in Flammen, wenn die Sirene zu hören ist. Es kann jedoch viel anderes passiert sein, bei dem es auf jede Minute ankommt.

Damit die Feuerwehr sich in jedem Fall richtig verhält, müssen nicht nur die Feuerwehrleute auf Zack sein, sondern speziell die Führungskräfte – die Offiziere und die Unteroffiziere. Die Kaderleute des Rheintalischen Feuerwehrverbandes (Rebstein bis Rüthi) haben deshalb am Samstag einmal mehr geübt. Rund 100 Personen, unter ihnen die Instruktoren, haben sich in Oberriet mit mehreren Themen befasst.

Weil Vorgesetzte ihr Wissen richtig weitergeben sollen, gab es Kurse in Methodik – und natürlich ging es auch darum, Befehle richtig zu erteilen. Der Altstätter Kurskommandant René Stähli sagte, an solchen Kadertagen würden «wieder alle auf den gleichen Stand gebracht».

«Dem Holz könnt ihr lange vertrauen»
Dass es brennt, kommt öfter vor. Richtig vorzugehen, ist stets anspruchsvoll. Die Feuerwehr hat auf viel mehr zu achten, als der Laie meint. Am Kadertag sind das Leitungsnetzund die Baukunde zwei Themen.Wird ein Hydrant geöffnet, darf der Druck nicht zu gross werden. Sogar alte Leitungen aus Ton bestehen noch vereinzelt, «die vertragen nicht so viel», sagt René Stähli. Beim Betreten eines Hauses, das in Flammen steht, ist die Gefahr richtig einzuschätzen und ein Einsturz zu verhindern oder zu verzögern. «Dem Holz könnt ihr lange vertrauen», sagt Peter Schiess, doch die Risiken sind zahlreich. Im Keller des Übungsobjekts quert ein Eisenträger den Raum. Knickt dieser in der Hitze ein, kann es gefährlich werden. Auch mit Strahlen oder Gift kann es die Feuerwehr zu tun bekommen. Angenommen, die Gemeindeverwaltung öffnet ein Couvert, aus dem weisses Pulver staubt.

Verhältnismässigkeit immer wahren
 «Was machen Sie in einem solchen Fall?», fragt der Zürcher Experte Marco Scheuring die Kaderleute der Rheintaler Feuerwehr. Sofort kommen Vorschläge: Fenster schliessen, Lüftung abstellen, Gefahrenzone absperren, die Anwesenden evakuieren, die kontaminierte Person isolieren. Die Eselsleiter lautet: Gams. Gefahr erkennen, Absperren, Menschen und Tiere retten, Spezialkräfte einbeziehen. Und Scheuring sagt: «Das Unglaubwürdigste, was man machen kann, ist, mit dem Atemschutzgerät reinzustürmen und der hauptbetroffenen Personen zu versichern: Es ist alles gut.» Gemeint ist, die Grundregel «Verhältnismässigkeit wahren».

Polizei möchte selbst informieren
Die zahlreichen Lernstationen erinnern daran, was die Feuerwehr alles zu leisten hat. Auch der Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema. Es geht darum, wie man Fenster und Türen verbaut, um das Wasser am Eindringen zu hindern. Irgendwo zwischen den Feuerwehrleuten steht Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli. Denn zur Medienarbeit gehört mehr, als Journalisten bei Kursen von Posten zu Posten zu führen. Zum Beispiel Zurückhaltung. Der Polizei ist wichtig, dass nur sie selbst über die eigene Arbeit informiert. Etwa bei Brandstiftung. Die Ermittlungen der Polizei sollen nicht behindert werden und der Täter keine Möglichkeit erhalten, sich auf Schilderungen in der Zeitung zu berufen.

Geordnet soll alles zugehen
Geordnet soll alles zugehen. Geordnet und schnell. Schnell und richtig. Dafür übt und übt die Feuerwehr. Immer wieder. Um nie nachzulassen, sondern top zu bleiben und sich sogar laufend immer noch ein bisschen zu verbessern.