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OBERRIET: «In der Exekutive ist's interessanter»

Beni Heeb kandidiert kein viertes Mal für den Oberrieter Gemeinderat. Könnte er selbst bestimmen, wer ihn ersetzt, wäre es eine junge Handwerkerin. Heeb hält die Mitwirkung von Frauen generell für wichtig. Er sagt: «Redet eine Frau im Rat, wird es jedes Mal mucksmäuschenstill.»
Gert Bruderer
Auch nach seinem zwölfjährigen Wirken im Gemeinderat wird Beni Heeb dem Verein Rheintaler Storch als Vorstandsmitglied treu bleiben. (Bild: Gert Bruderer)

Auch nach seinem zwölfjährigen Wirken im Gemeinderat wird Beni Heeb dem Verein Rheintaler Storch als Vorstandsmitglied treu bleiben. (Bild: Gert Bruderer)

OBERRIET. Heeb wird die Arbeit im Gemeinderat vermissen. Weil sich viel bewegen lasse. Dass Naturschutz heute selbstverständlich sei, bezeichnet Heeb als eine wichtige Errungenschaft.

Der 58-Jährige, der 2003 von Lienz nach Oberriet zog, präsidiert seit seiner Wahl in den Gemeinderat vor zwölf Jahren die Naturschutzkommission. Ausserdem ist er Tierschutzbeauftragter und von Amtes wegen im Spitex-Vorstand.

Raum für alle

Grosse Fortschritte hat Oberriet aus Heebs Sicht in jüngerer Vergangenheit mit der Sporthalle Bildstöckli, dem ganzen Ensemble, sowie dem Naturschutzgebiet Wichenstein-Loo gemacht. Aber in allen fünf Dörfern der Gemeinde ortet er Nachholbedarf: Räume für alle Generationen, Naherholung vor der Haustür, das sei, was es vermehrt brauche. Und die Spitex sei zu pflegen, möglichst lange. Profiorganisationen bedrohten leider das gut funktionierende Milizsystem.

Heeb hatte am meisten Stimmen

Heeb ist parteilos, bezeichnet sich selbst als links-grün. Und schnitt bei den letzten und vorletzten Wahlen hervorragend ab: 2008 hatte nur der damalige Gemeindepräsident Walter Hess mehr Stimmen, 2012 niemand.

Wie sich das erklären lässt? Heebs eigener Vorschlag ist selbstironisch: Weil man ihn zu wenig kenne.

Eher stimmt: Heeb ist in Lienz verwurzelt, nicht in Oberriet. Er ist hier nicht verbandelt. Als Gemeinderat sagt der Rektor des Berufsschulzentrums Buchs, was er sagen will, nicht, was von ihm vielleicht erwartet wird. Das Stichwort Rhesi, für manche ein Reizwort, ruft unverzüglich ein klares Statement hervor: «Das Rheintal heisst Rheintal, weil es dem Rhein gehört.» Alle müssten sich anpassen, auch die Bauern, primär sei Rhesi für das Rheintal eine Chance.

Kollegialprinzip gilt

Spricht Beni Heeb von der gemeinderätlichen Arbeit, gelingt ihm ein kurzer Werbespot. Das Kollegialprinzip werde hochgehalten, im Rat oft leidenschaftlich diskutiert – Heeb sagt: «So kommt man weiter.» Auch der eigenen Persönlichkeitsentwicklung diene es, in der Behörde mitzuwirken.

Warum, kann man sich fragen, war Beni Heeb nie Kantonsrat? Früher, als er noch in Lienz zu Hause war, kandidierte er tatsächlich für das Parlament, zweimal, auf einer Freien Umweltliste. Später, als die Chancen sich markant erhöhten, war das Parlament kein Thema mehr. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung seien im Gemeinderat viel grösser.

Parteilosigkeit hat Nachteil

Wäre Beni Heeb noch einmal zwanzig, würde er Parteimitglied. Der Landesring der Unabhängigen, der nicht über die Jahrtausendwende hinauskam, war seine bevorzugte Partei gewesen, auch die SP wäre in Frage gekommen. Nirgendwo dabei zu sein, bedeute, dass man sich sein Netzwerk mühsam aufzubauen habe.

Was hält Beni Heeb vom Weitermachen ab? Amtsmüdigkeit? «Nein, gar nicht», sagt er, doch zwölf Jahre seien nun einmal genug. Die Automatismen, der Tramp, die Routine, das sei unvermeidlich – die Ernsthaftigkeit nehme unmerklich ab.

Die Leidenschaft, die einen anzutreiben habe, wenn ein Bürger etwas wolle. Frische Kräfte hätten mehr Elan, weil sich für sie nicht vieles immer wieder wiederhole.

Auf der Suche nach einer Frau

Auch nach seinem zwölfjährigen Wirken im Gemeinderat bleibt Beni Heeb Vorstandsmitglied im Verein Rheintaler Storch. Auch hat er vor, «der Schule Zeit zurückzugeben, wieder mehr im Schulhaus zu sein», wo er seit 26 Jahren tätig ist, die letzten sechs als Rektor. Zudem möchte er mehr reisen und viel lesen.

Doch zunächst ist eine letzte grössere Aufgabe zu lösen. Zusammen mit einigen anderen sucht Beni Heeb nach einer möglichen Nachfolgerin. Warum eine Frau? – Weil eine Frau dem Rat gut tue. Weil Frauen sich anders einbrächten, der Stimmung gut täten. Seine männlichen Kollegen im Gemeinderat, sagt Heeb, hörten anders zu, sobald eine Frau spreche. Es werde dann jeweils ganz still.

Heebs Lebenslauf ist beste Werbung für ein Engagement im Dienste der Gemeinde. Schon in Lienz war er politisch tätig, erst als Schulrat, dann als Schulratspräsident. Doch einer Sache, sagt er, hätten Kandidatinnen und Kandidaten sich bewusst zu sein: So schön die Arbeit sei, Zeit brauche es, um im Gemeinderat zu wirken. Anderseits: Zeit gebe es genug. Man müsse sie nur richtig brauchen.

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