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OBERRIET: Hanf in der Fischfabrik

In einem Teil der früheren Fischfarm will die Swiss Pharma Trade AG eine Hanfplantage einrichten. Der Betreiber hofft, dass der nicht berauschende CBD-Hanf zu Medikamenten verarbeitet werden kann.
Max Tinner
Der Verarbeitungsbereich der Melander-Fischfarm, kurz vor der definitiven Schliessung im Jahr 2011. Hier will die Rorschacher Swiss Pharma Trade AG künftig legalen CBD-Hanf anbauen. (Bild: Urs Jaudas)

Der Verarbeitungsbereich der Melander-Fischfarm, kurz vor der definitiven Schliessung im Jahr 2011. Hier will die Rorschacher Swiss Pharma Trade AG künftig legalen CBD-Hanf anbauen. (Bild: Urs Jaudas)

Max Tinner

Von Mitte bis Ende Dezember lag bei der Gemeinde Oberriet ein Nutzungsänderungsgesuch für den Verarbeitungsbereich der früheren Melander-Fischfarm auf. In jenem Teil des Areals, in dem ursprünglich in Aufzuchtbecken grossgezogene Fische geschlachtet und zu verschiedenen Fischprodukten verarbeitet wurden, will die Rorschacher Swiss Pharma Trade AG sogenannten CBD-Hanf anbauen, vorzugsweise als Rohstoff für Medikamente.

CBD steht für Cannabidiol. Neben dem THC (Tetrahydrocannabinol) ist es der wichtigste Wirkstoff im Hanf. Anders als das THC ist das CBD nicht berauschend und unterliegt damit nicht dem Betäubungsmittelgesetz, hält das Bundesamt für Gesundheit in einem Merkblatt fest. Je nach Verwendungszweck hat man sich aber an andere gesetzliche Vorgaben zu halten.

Behörden wollen jederzeit kontrollieren können

Die Einsprachefrist zum Umnutzungsgesuch ist am 29. Dezember abgelaufen. Bis Mittwochmorgen ist bei der Gemeinde keine Einsprache eingegangen. Damit ist die Bewilligung aber noch nicht erteilt. Der Gemeinderat wird über das Gesuch erst noch befinden. Mitreden wird auch der Kanton. Sicher werde man zur Auflage machen, dass den kantonalen Behörden jederzeit Zutritt zu gewähren ist, sagt Gemeindepräsident Rolf Huber. Der Anbau von speziell gezüchtetem CBD-Hanf mit nur geringem THC-Gehalt ist zwar legal. Aber auch CBD-Hanf enthält etwas THC, das einen gewissen Anteil nicht überschreiten darf.

Auch wenn die Umnutzung bewilligt wird: Noch ist offen, ob die Swiss Pharma Trade die Plantage tatsächlich realisiert. Der Mietvertrag sei noch nicht unterzeichnet, sagt Swiss-Pharma-Trade-Verwaltungsrat Fabio Mülli. Er müsse auch noch abklären, was an technischer Infrastruk­- tur wie beispielsweise Lüftungen noch nachinstalliert werden müsste.

Noch keine Zulassung als Medikament

Auch Verträge mit Abnehmern für den CBD-Hanf hat die Swiss Pharma Trade noch nicht. Momentan verhandle man mit potenziellen Abnehmern, sagt Fabio Mülli. Erschwerend kommt für die Swiss Pharma Trade hinzu, dass bislang noch kein Präparat mit Cannabidiol als alleinigem Wirkstoff zugelassen ist und auch nur eines, das ein Extrakt mit einem gewissen Anteil CBD enthält. «Wir sind aber zuversichtlich, einen seriösen Abnehmer zu finden, um den CBD-Hanf nachhaltig zu vermarkten», versichert Mülli. Wegen der fehlenden Zulassung als Arzneimittel wird dies allerdings kaum zu einem besonders attraktiven Preis möglich sein. Trotzdem lasse sich die Plantage in der ehemaligen Fischfarm wirtschaftlich betreiben, erklärt er. Wegen des modernen Ausbaustandards und der Grösse könne man hier effi­zient und günstig produzieren.

Fabio Mülli glaubt zudem an die Zukunft des Cannabidiols als Wirkstoff in Medikamenten. Er ist überzeugt, dass solche Medikamente auf natürlicher Basis bei mindestens vergleichbarer Wirkung weniger Nebenwirkungen haben und damit besser verträglich sind als viele Medikamente mit synthetischen Wirkstoffen. «Nicht umsonst arbeiten auch grosse Pharmamultis daran», meint er. Und sollte das Cannabidiol erst einmal als Medizinalwirkstoff zugelassen werden, würde auch der Wert des CBD-Hanfs steigen.

Die Fischfarm und die «Metzgerei» darin wurden 2008 in Betrieb genommen. Bald darauf kam sie aber wegen der umstrittenen Schlachtungsmethode in die Kritik. Weil Eigentümer Hans Raab nicht nachgeben wollte, wurde der Betrieb 2011 definitiv geschlossen. 2012 verstarb Raab. Mittlerweile gehört das Areal der R & D Invest AG, hinter der die Eigentümer der Verzinkerei Kriessern, Remo und Daniel Hutter, stehen. Der Grossteil des Areals ist an die Wasch- und Härte Technik Oberriet AG vermietet. Ein Teil der Fläche wird ausserdem als Einstellhalle genutzt. Mit der Umnutzung des Verarbeitungsbereichs, für den sich nun die Swiss Pharma Trade interessiert, wäre dann auch der letzte Teil der ehemaligen Fischfarm einer neuen Nutzung zugeführt.

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