OBERRIET: Für eine Million weniger steil

Die Unterführung der Feldhofstrasse soll velofahrer- und fussgängerfreundlicher werden. Dafür würde der Autoverkehr künftig einspurig geführt. Manche stellen allerdings den Nutzen in Frage.

Max Tinner
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Mag grad knapp unten durch und ein zweiter hätte in entgegengesetzter Fahrtrichtung grad knapp daneben Platz: Lastwagen ohne hohe Aufbauten. Mit dem Umbau der Unterführung zugunsten der Fussgänger und Velofahrer verbleibt für den motorisierten Verkehr noch eine Fahrspur. Auf beiden Seiten der Unterführung regeln Ampeln den Verkehr. (Bild: Max Tinner)

Mag grad knapp unten durch und ein zweiter hätte in entgegengesetzter Fahrtrichtung grad knapp daneben Platz: Lastwagen ohne hohe Aufbauten. Mit dem Umbau der Unterführung zugunsten der Fussgänger und Velofahrer verbleibt für den motorisierten Verkehr noch eine Fahrspur. Auf beiden Seiten der Unterführung regeln Ampeln den Verkehr. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Die Unterführung der Feldhof­strasse unter der Bahnlinie hindurch ist eine «gäbige» Sache. Man kommt auf die andere Seite der Bahnlinie, ohne an Schranken warten zu müssen. Sie hat aber einen Nachteil: Sie ist relativ steil. Ist man motorisiert unterwegs, kümmert einen das wenig. Auch wer gut zu Fuss ist, passiert die Unterführung problemlos.

Für Velofahrer oder Leute, die nicht gut zu Fuss sind, ist die Gegensteigung aber mühsam. Weil das Trottoir ausserdem schmal sei, könne man mit Kinderwagen oder mit zwei Rollstühlen nicht kreuzen, ohne dass jemand auf die Fahrbahn ausweiche – was wiederum wegen der hohen Bordsteinkante gefährlich sei, heisst es in einem Gutachten im Jahresbericht der politischen Gemeinde. Als gefährlich erachtet der Gemeinderat auch, dass Velofahrer heute auf der Fahrbahn fahren (müssen). Darum soll die Unterführung nun umgebaut werden.

An der Bürgerversammlung vom 31. März wird über einen Kredit über 1,24 Mio. Franken dafür abgestimmt. 321000 Franken werden als Kostenbeitrag für die Förderung des Langsamverkehrs vom Kanton erwartet. Die Gemeinde hätte dann effektiv noch 919000 Franken selbst zu tragen.

Vorgesehen ist, das heutige Trottoir entlang einer neuen Stützmauer um bis zu 80 Zentimeter (am tiefsten Punkt) zu erhöhen, so dass das Gefälle bzw. die Steigung anstatt der heutigen 12 % nur noch 7,5 % beträgt. Es soll künftig als anderthalb Meter breiter (einspurig geführter) Radstreifen dienen. Fussgänger und Velofahrer in umgekehrter Fahrtrichtung sollen die Unterführung künftig südseitig passieren, wo auf dem Niveau des nordseitigen Radstreifens ein neuer, zweieinhalb Meter breiter Rad- und Gehweg gebaut wird.

Fahrbahn statt zweimal 2,75 m künftig noch einmal 3,5 m

Dies geht zu Lasten der Fahrbahn, die künftig statt 5,5 Meter nur noch 3,5 Meter breit wäre. Weil damit ein Kreuzen nicht mehr möglich wäre, will man den Verkehr künftig einspurig führen und mit Ampeln beidseits der Unterführung regeln.

Gemeinderat Pascal Benz bezeichnete das Bauvorhaben an der Vorgemeinde in Montlingen letzte Woche als «Dienst an den Velofahrern, Fussgängern und Leuten im Rollstuhl». Es wurden an jenem Abend aber auch Bedenken geäussert. Den Spurabbau und die damit zu erwartenden Wartezeiten vor der Ampel finde er nicht gut, meinte Romeo Loher. Für Pascal Benz läuft der Einwand auf «eine philosophische Frage» hinaus: Wer soll bevorzugt behandelt werden: der Langsamverkehr oder der Autoverkehr? Er gab zu bedenken, dass mit den weniger steilen Schrägen den Pensionären des Altersheims Feldhof der Weg ins Dorf erleichtert würde. Und bei dem heutigen Verkehrsaufkommen auf dieser Strasse geht Benz davon aus, «dass die Ampel nicht so oft auf Rot stehen wird».

Auch alt Gemeinderat Lothar Bandel befürwortete das Projekt, weil er damit die Sicherheit für Jugendliche verbessert sieht, die die Unterführung für die Fahrt mit dem Velo zur Bildstöcklihalle hinaus nutzen. Ebenso sprach sich Claudio Senn für das Projekt aus. Mit einer Steigung von 7,5 % erreiche man zwar die Norm für behindertengerechtes Bauen nicht, es sei aber doch wesentlich besser als bisher. «Heute kommt man mit dem Rollstuhl zwar ­hinab, aber ohne jemanden, der schiebt, nicht mehr hinauf», meinte Senn.

Nicht ganz normgerecht, aber ein Kompromiss

Für eine normgerechte Steigung von 6 % müssten die Rampen für Fussgänger und Velofahrer noch höher gebaut werden, als jetzt geplant ist. Dann würde die Unterführung für sie aber zu niedrig. Um sämtliche Normen einhalten zu können, müsste die Unterführung komplett neu gebaut werden – was unverhältnismässig teuer würde, erklärte Pascal Benz.

«Für das, was es kostet, bringt es zu wenig»

Das Unterführungsprojekt hat nicht nur Befürworter. Manche erachten die Kosten als zu hoch. Etwa Silke und Marco Kluser, die unweit der Unterführung an der Feldhofstrasse wohnen. Die heutigen Nachteile sind ihres Erachtens vernachlässigbar. Die Unterführung sei für Velofahrer sicher genug – selbst für ihre eigenen Kinder. Und wenn man die Steigung aus der Unterführung wieder hinauf nicht schaffe, so steige man halt ab und schiebe das Velo die paar Meter.

Klusers halten auch das Bedürfnis seitens der Altersheimpensionäre für gering. Sie wüssten nur von zwei Pensionären, welche die Unterführung tatsächlich gelegentlich nutzen.

Dem Sicherheitsgewinn, den die Gemeinde mit dem Umbau anstrebt, stellen sie ausserdem eine neue Unsicherheit gegenüber, die ihrer Ansicht nach geschaffen wird. Neu müssten nämlich Reiter ihr Pferd auf dem ­Gehweg durch die Unterführung führen. «Je nachdem, wie das Ross sich dabei aufführt, wär’s mir da als Fussgänger nicht mehr so wohl, wenn ich ihm entgegen komme», meint Marco Kluser.

«Nice to have», wenn alle andern Probleme gelöst sind

«Würde man eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen», sagt der Chemie- und Wirtschaftsingenieur, «sind 1,24 Mio. Franken zu viel, für das, was es bringt.» Angesichts der Bestrebungen, den Steuerfuss zu senken, ist für ihn das Projekt allenfalls «‹nice to have› – wenn denn alle anderen Probleme der Gemeinde gelöst sind.» (mt)