OBERRIET: Eine Quartierschule im Bahnhof

Die Politische Gemeinde will das Bahnhofgebäude zur Quartierschule umnutzen. Das Projekt liegt seit dem 31. Oktober im Rathaus auf, die Einsprachefrist endet am 21. November.

Kurt Latzer
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Die obere Etage des Bahnhofgebäudes ist vermietet, das Parterre soll zur Quartierschule umgebaut werden. (Bild: Kurt Latzer)

Die obere Etage des Bahnhofgebäudes ist vermietet, das Parterre soll zur Quartierschule umgebaut werden. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Der Bahnhof: Passagiere kommen an, fahren weiter oder bleiben im Ort. Auch Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge sind Reisende, denen es nicht nur an allem Möglichen mangelt, sondern auch an Kenntnissen der Landessprache. Diesem Manko will die Politische Gemeinde Oberriet Abhilfe schaffen. Mit der Quartierschule im Bahnhof. «Wir wollen dort diverse Projekte umsetzen. Das erste Teilprojekt ist die Quartierschule. Mehr Projekte sollen nach und nach aufgebaut werden», sagt Ratsschreiberin Michaela Zäch.

Nach Abschluss des Bauverfahrens und den geplanten Umbauten soll die spezielle Schule im Bahnhofgebäude, das im Besitz der Politischen Gemeinde ist, einziehen.

Erster Kurs in anderen Räumen

Zuständig für den Deutschun­terricht für Asylbewerber und Flüchtlinge seien die Sozialen Dienste Oberriet. «Wir wol­- len nicht nur Asylbewerber in Deutsch unterrichten, sondern auch Migranten, beispielsweise vom Balkan, die schon einige Jahre hier leben», sagt Angelo Bont, Leiter der Sozialen Dienste Oberriet. Zielpersonen seien auch Frauen, die seit Jahrzehnten in der Gemeinde leben, Kinder grossgezogen haben und vielleicht schon Grosskinder betreuen, aber kaum ein Wort Deutsch verstehen. «Das ist die Grund­voraussetzung für eine möglichst gute Integration der Menschen», sagt Bont, «denn auch die Schulen haben Probleme, wenn Eltern die Sprache kaum verstehen.»

Die Quartierschule ist ein Projekt, das aus der Gemeindepräsidenten-Konferenz heraus entstanden ist. «Die speziellen Schulen sollen nicht nur dem Sprachunterricht, sondern der Integration allgemein dienen. Die Schüler der Quartierschulen können so besser vorbereitet in die Sprachschulen eintreten, was letztlich zu einer schnelleren Integration ins Erwerbsleben führt.», sagt der Leiter Soziale Dienste.

Förderung von Familien mit kleinen Kindern

In Oberriet beginne am 20. November der erste vier- bis sechswöchige Kurs. Weil das Bahnhofgebäude noch nicht bereit ist, gibt es Deutschunterricht in einem Primarschulhaus. «Wir wollen ein konstantes Angebot bieten, mit Deutschkursen, aber auch Lernateliers», sagt Angelo Bont. Letztere sind für Personen gedacht, die bereits Deutschunterricht hatten. Von Lehr- oder Betreuungspersonen können die Leute auf freiwilliger Basis Aufgaben erledigen und gezielt lernen. Zudem soll es in der Quartierschule eine Frühförderung geben für Familien mit kleinen Kindern. «Wenn die Kinder bis Kindergarten- oder Schulalter nur im eigenen Familienkreis verkehren, lernen sie kaum unsere Sprache», sagt Angelo Bont. Dieses Sprachmanko führe ohne Unterstützung zu Problemen in der Schule. Kinder und Jugendliche sollen durch die Quartierschule besser in Vereine inte­grierbar sein. Ein Kontakt zu den Vereinen kann auch durch Lehr- und Betreuungskräfte der Quartierschule erfolgen. Die Schule im Bahnhof ist für Personen in der Gemeinde Oberriet gedacht.