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OBEREGG: Drei Dorfheilige landen unsanft

Auf Freitag hatte der Dramatische Verein Oberegg zur Premiere des Dreiakters «Die drei Dorfheiligen» geladen. Die Stimmung war ausgezeichnet im praktisch ausverkauften Vereinssaal.
Rolf Rechsteiner
Jaköbles Mutter kreischt los, Marianne (links) ist entsetzt. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Jaköbles Mutter kreischt los, Marianne (links) ist entsetzt. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Rolf Rechsteiner

Regisseur Fredy Kunz hat den Schwank aus dem Jahr 1920 – die meistgespielte bayrische Komödie überhaupt – auf lokale Verhältnisse umgeschrieben. Der Theaterprofi schöpft aus dem Vollen und reizt die Möglichkeiten seiner Schauspieltruppe gekonnt aus. Freudig äusserte er sich während der Pause auch über neue Gesichter auf der Bühne, die sich gut eingeführt hätten.

Moral, Zucht und Ordnung

Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ein Stück, das fast hundert Jahre alt ist, nichts an Ak­tualität verloren hat. Zwar sagt der Volksmund, dass damals der Pfarrer, der Gemeindepräsident und der Lehrer das Sagen hatten. Als Dorfheilige kommen hier aber der Bezirkshauptmann (Beat Hohl), der Metzgermeister (Bruno Stark) und der Dorfbäcker (Johannes Sonderegger) zum Zug. Und gar so heilig sind sie gar nicht, wie sich alsbald herausstellt. Der Hauptmann, flankiert von Ehefrau Ursi (Daniela Breu), ist offiziell für Moral, Zucht und Ordnung im Dorf zuständig. Doch stellt sich bald heraus, dass er selbst seit zwei Jahrzehnten an einem Fehltritt leidet, den er vor Ursi geheim halten konnte. Dies nicht zuletzt mit Hilfe des jüngst verstorbenen Pfarrers, der an seiner Stelle in schöner Regelmässigkeit Alimente überwies zum Schutz des armen Sünders. Der Nachfolger aber spielt nicht mit. Die Verwicklungen der anderen beiden «Heiligen» seien an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Am Ende des dritten Aktes stellen sie unisono fest: «Wir sind die grössten Hornochsen, die es gibt.»

Geschichte in der Geschichte

Was wäre ein Schwank ohne Verwirrspiel um die Liebe. Des Hauptmanns legitime Tochter Susi (Laura Kurer) soll eine arrangierte Heirat eingehen mit dem Jaköble aus dem Allgäu. Diesem unschuldigen Muttersöhnchen (Frowin Schmid) kann sie aber nichts abgewinnen, weshalb sie ihre Freundin Marianne (Corina Bürki) zu einem Verwirrspiel überredet. Sie selber ist in den jungen Dorflehrer (Michael Sonderegger) verliebt.

Er bekommt in einer Sitzung mit, dass Briefe aus vergangener Zeit aufgetaucht sein sollen, die die drei Dorfheiligen arg in Verlegenheit bringen würden. Er macht sich das zunutze und wedelt an geeigneter Stelle mit einem Bündel Papier, das mit einem Seidenbändchen verschnürt ist. Dermassen unter Druck gesetzt, willigt der Hauptmann schliesslich ein, seine Tochter «samt allem Zubehör» an den jungen Schnösel abzutreten, der ihm von Anfang an verhasst war. Auch das Jaköble geht nicht leer aus. Seine Mutter (Conny Nussmüller) liefert vorher einen kurzen, aber wirklich bühnenreifen Protest an die ganze Bagage.

Ausgezeichnet besetzt sind übrigens auch die wenigen Nebenrollen. Träfe Sprüche und Situationskomik kommen gut zur Geltung.

Viel herzlicher Applaus

Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert. Das Stück lebt von Situationskomik und Dialogen, die viel mit später Selbsterkenntnis zu tun haben. Das Programm ist abendfüllend: In der ersten Pause werden Getränke serviert und Bestellungen fürs Essen aufgenommen. In der zweiten Pause wird zügig serviert, sodass der Unterbruch angemessen ausfällt. Urs Breu, der als Vereinspräsident für die Festwirtschaft verantwortlich zeichnet, hat die Sache im Griff.

Wer das heitere Stück, das ohne Kulissenumbau zurechtkommt, nicht verpassen will, muss sich sputen. Die ursprünglich bis zum 26. Januar geplanten acht Vorstellungen waren zu 85 Prozent gebucht, bevor sich der Vorhang zur Premiere hob. Zwei zusätzliche Vorstellungen am 27. und 28. Januar sind bereits beschlossene Sache. Eine Verlängerung in die Fasnachtszeit hinein ist vorläufig zumindest ungewiss.

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