«Nur sagen, <man sollte>, reicht nicht»

Die Jansen AG ist innovativ, erfolgreich und nimmt soziale Verantwortung wahr. Nun wurde das Oberrieter Familienunternehmen mit dem Rheintaler Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Für Christoph Jansen, Mitglied der Gruppenleitung, ist er Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

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Christoph Jansen im Besprechungsraum neben seinem Büro im Campus. So spektakulär wie die Architektur des neuen Jansen-Bürogebäudes ist auch die Aussicht darin auf Oberriet, Kobelwald, Kamor und Hoher Kasten. (Bild: Max Tinner)

Christoph Jansen im Besprechungsraum neben seinem Büro im Campus. So spektakulär wie die Architektur des neuen Jansen-Bürogebäudes ist auch die Aussicht darin auf Oberriet, Kobelwald, Kamor und Hoher Kasten. (Bild: Max Tinner)

Die Jansen AG gewinnt den diesjährigen Preis der Rheintaler Wirtschaft. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Christoph Jansen: Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung. Es freut uns, dass man in der Region der Ansicht ist, dass Jansen ihn verdient. Er soll uns nun aber auch Verpflichtung sein, dem uns entgegengebrachten Vertrauen gerecht zu werden.

Der Preis wird aufgrund verschiedener Kriterien verliehen. Zum Beispiel soll der Preisträger ein herausragender Botschafter des Rheintals sein. Sehen Sie sich Botschafter des Rheintals?

Jansen: Ich denke, ein Stück weit haben wir diese Rolle sicher, nicht zuletzt als grösster Arbeitgeber im oberen Rheintal und damit wichtiger Wirtschaftsfaktor im Tal. Dass dies auch zunehmend nach aussen strahlt, hängt mit der Entwicklung unseres Unternehmens zusammen. Wir sind international aufgestellt und rekrutieren Fachkräfte zum Beispiel auch in Deutschland.

Weil Sie sie in der Schweiz nicht finden?

Jansen: Ja, weil wir eben Leute mit sehr spezifischem Know-how benötigen, zum Beispiel Fachleute aus der Automobilbranche. Die finden wir in der Schweiz kaum. Wir preisen zwar nicht explizit die Vorzüge des Rheintals als Arbeits- und Wohnort an. Wenn wir aber im Ausland nach Arbeitskräften suchen, zeigt dies dort, dass das Rheintal ein blühender Wirtschaftsstandort ist. Und spätestens wenn die an einer Stelle Interessierten ein erstes Mal in unsere Gegend kommen, sehen sie, wie attraktiv es ist, hier zu leben.

Kann die Jansen AG etwas dazu beitragen, das Rheintal noch attraktiver zu machen?

Jansen: Was Landschaft und Freizeitangebot betrifft, nur wenig. Sehr wohl aber im Bereich Bildung. Ein gutes Berufsbildungssystem ist uns wichtig. Nur zu sagen, man sollte nützt nichts – man muss auch tatsächlich etwas tun. Und das machen wir. Seit vielen Jahren bilden wir mehr Lehrlinge aus als nötig wären, um den eigenen Bedarf an Berufsnachwuchs zu decken. Diese soziale Verantwortung hat ein Unternehmen ab einer gewissen Grösse. So tragen wir auch zur Standortqualität der Region bei.

Um in der Schweiz als Industriebetrieb bestehen zu können, muss man innovativ sein. Jansen stellt Stahlprofile und Stahl- und Kunststoffrohre her. Kann man in diesem Segment innovativ sein?

Jansen: Auf jeden Fall. Schaut man, wo sie verwendet werden, ahnt man vielleicht, dass unsere Rohre mehr sind als nur Rohre. Das kann zum Beispiel im Auto im Bereich des Airbags oder der Sicherheitsgurte sein, in Fahrwerkstabilisatoren … Heute können wir Stahlrohre fertigen, die so steif und fest sind, dass sich mit ihnen viel schwerere Vollmaterialkomponenten ersetzen lassen – Nockenwellen zum Beispiel. Dazu verwenden wir spezielle Stahlqualitäten, die schwierig zu bearbeiten sind. Dies erfordert besonderes Know-how. Ähnliches gilt im Baubereich mit den immer anspruchsvoller werdenden Vorschriften und energetischen Anforderungen. Unsere Produkte sehen zwar auf den ersten Blick einfach aus, aber es steckt viel Innovation in ihnen, was sie zu Premiumprodukten macht – und die braucht es, will man in der heutigen Zeit in der Schweiz industriell fertigen.

Ist der Standort Rheintal für Jansen als Zulieferer der Automobilindustrie nicht eher ungünstig?

Jansen: Eine Herausforderung ist's auf jeden Fall. Das war es wegen des Schweizer Kostenniveaus schon immer. Mit der Euroschwäche wurde es für uns noch schwieriger. Wir haben aber drei Produktionsstandorte, einen in Oberriet, einen in Deutschland und einen in der Türkei. Die ganze Entwicklungsarbeit, sozusagen das Gehirn des Unternehmens, ist hier in Oberriet konzentriert. Diese Kombination aus Entwicklungskompetenz mit Fertigung in Oberriet und Multiplikation an Fertigungsstandorten in der Welt draussen funktioniert ganz gut. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Wir glauben an den Standort Oberriet. Wir brauchen ihn, um das ganze Unternehmen mit Innovationen voranzubringen.

Ihr Unternehmen hat die Wirtschaftspreis-Jury auch mit ihrer Konstanz beeindruckt: Es wird bereits in der dritten Generation von der Familie Jansen geführt. Andererseits: Wär's manchmal nicht von Vorteil, eine breit abgestützte Publikums-AG zu sein?

Jansen: Es gibt nichts, das keinen Nachteil hat. Es gab sicher Zeiten, in denen an der Börse kotierte Unternehmen schneller wachsen konnten, weil sie leichter an Geld kamen – in schwierigen Zeiten sind solche aber auch wieder schneller geschrumpft. Wir agieren sicher mit einer langfristigeren Perspektive, was ich als Vorteil sehe. Wir sind seit 90 Jahren ein Familienunternehmen. Für uns stimmt dieser Weg.

Diese Kontinuität bietet sicher auch den Mitarbeitenden eine gewisse Sicherheit?

Jansen: Wir stehen zu unseren Mitarbeitenden, auch in schwierigeren Zeiten. Als Familienunternehmen fällt uns das sicher leichter, als wenn wir uns immer wieder Investoren gegenüber mit Quartalszahlen rechtfertigen müssten. Wir haben das Image, ein zuverlässiger Arbeitgeber zu sein. Dieses Image leben wir auch – seit es unser Unternehmen gibt.

Der Wirtschaftspreis soll auch Leistungen im Dienste der Allgemeinheit auszeichnen. Was macht die Jansen AG mehr als nur für sich selbst?

Jansen: Ganz trennen lässt sich das eine vom andern nicht. Wir sind in der Region stark verwurzelt. Ein Grossteil unserer Mitarbeitenden wohnt auch hier. Wenn wir also Vereine und lokales Engagement unterstützen, unterstützen wir so gleichzeitig wieder die Freizeitaktivität unserer eigenen Mitarbeitenden. Dass wir das Oberrieter Freibad in der Übergangszeit mit unserer Abwärme beheizen, mag ebenso zeigen, wie stark verzahnt wir mit unserem Umfeld sind.

Die Jansen AG engagierte sich früher in Oberriet auch im sozialen Wohnungsbau. Tut man das immer noch?

Jansen: Das war früher tatsächlich so – weil der Wohnraum in Oberriet lange Zeit knapp war. Heute gibt es genügend verfügbaren Wohnraum, auch günstigen, so dass es für uns nicht mehr nötig ist, uns in diesem Bereich zu engagieren. Es gehört auch nicht zu den Kernaufgaben eines Industrieunternehmens.

Jansen hat aber jüngst mit dem Campus einen eigenen Bau erstellt, der über die Region hinaus Aufsehen erregt hat.

Jansen: Enormes Aufsehen sogar. In der internationalen Architekturszene ist das Gebäude sehr präsent. Fachzeitschriften in der ganzen Welt berichten darüber: in Korea, China, in den Vereinigten Staaten … Der Campus ist auch für den einen oder andern Architekturpreis nominiert. Das freut uns, auch wenn es nicht unser Ziel war.

Sondern?

Jansen: Wir stellen bis ins Detail optimierte High-Tech-Produkte her. Das wollten wir mit dem Campus zeigen: ein Gebäude, das – nebst der spektakulären Architektur – viele clevere Problemlösungen zeigt und so die Raffinesse unserer Produkte spiegelt. Und nicht zuletzt ist der Campus ein Referenzobjekt: Wir haben viele neu entwickelte eigene Produkte darin verbaut, die bislang auf dem Markt noch nicht erhältlich gewesen sind. Es demonstriert Kunden und Lieferanten die Dynamik unseres Unternehmens und zeigt Architekten, was man mit unseren Produkten alles bauen kann. Vor allem war uns aber wichtig, ein attraktives, anregendes Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeitenden zu schaffen. Dies ist uns gelungen.

Als Gewinner des Rheintaler Wirtschaftspreises erhalten Sie ein Kunstwerk der aus dem Rheintal stammenden Künstlerin Sabeth Holland. Wissen Sie schon, wo es hinkommt?

Jansen: Das steht noch nicht fest, aber sicher an einen Ort mit viel Publikumsverkehr, wo es auch gesehen wird. Also wohl im Campus oder im Kundeninformationszentrum.

Interview: Max Tinner

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