«Nur abstimmen, wenn man im Bilde ist»

Volljährig werden, Jungbürger sein – das Leben frei gestalten können. In Balgach fingen die 18-Jährigen gleich damit an: Sie waren die ersten in all den Jahren, die sich beim Apéro setzten.

Gert Bruderer
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BALGACH. Es ist zwar eine Randnotiz. Aber Gemeindepräsidentin Silvia Troxler und Gemeinderätin Petra Konrad erwähnten es unabhängig voneinander – und wirkten amüsiert. Die 23 jungen Frauen und Männer, die am Samstag zur Jungbürgerfeier in den Festsaal des Alten Rathauses gekommen waren, prosteten sich zu und nahmen sodann Platz am langen Tisch.

«E bizzeli stiif»

Der erste Satz, den Silvia Troxler zuvor an die jungen Menschen gerichtet hatte, ist dieser: «Kei Angscht, es isch nu im erschte Moment e bizzeli stiif.» Aber eigentlich war es das gar nicht, die 18-Jährigen wirkten entspannt. Natürlich bekamen sie das Schlüsselwort jeder Jungbürgerfeier zu hören: Verantwortung. Denn untrennbar ist sie mit Freiheit verbunden.

Mehr als das eigene Leben

«Es geht alles so schnell, geniesst das Leben», sagte die Gemeindepräsidentin zwar. Jedoch: Es gebe mehr als das – und Individualismus schon mehr als genug. An Möglichkeiten, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, mangle es nicht. Politik sei bloss eine von vielen.

Selbst schuld, wer nicht wählt

Interessieren sich die Jungen denn für Politik? Ja, sagte Gian Huber. Der Kantischüler zögerte keinen Moment. Auch Landschaftsgärtner-Lehrling Tobias Mettler bejahte die Frage, und Marco Büchel, der als Zimmermann vor der Lehrabschlussprüfung steht, meinte kurz und bündig: Wer aufs Wählen und Abstimmen verzichte, sei selbst schuld, wenn das Land sich nicht in seinem Sinn entwickle. Ein paar junge Frauen, die sich für Politik «eher weniger» interessieren, formulierten einen hohen Anspruch an sich selbst: Abstimmen solle man nur, wenn man auch wirklich im Bilde sei, sagten sie.

Fast 50 Prozent nahmen teil

In einem anderen Punkt ist man sich einig: Die Jungbürgerfeier ist zum Mitmachen da. Vergleichsweise hoch war mit fast 50 Prozent die Beteiligung. Gian Huber weiss, warum der Anlass zieht: «Die Feier ist so etwas wie ein Klassentreffen.»

Wieder aufs Fondue-Schiff

Das Programm hat sich bewährt. Nach der Zusammenkunft im Alten Rathaus fuhr man auch diesmal zum Bodensee, wo das Fondue-Schiff wartete. Im Alten Rathaus waren die Jungbürgerinnen genauso wie ihre männlichen Kollegen als Gruppe zusammengeblieben. Auf dem Schiff sassen die jungen Frauen und Männer nicht mehr getrennt.

Man muss es nicht gesehen haben, um zu wissen, dass es stimmt. Schon vor der Fahrt nach Rorschach hatte Petra Konrad denn auch lächelnd festgestellt: «So ist es immer.»

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