Noventa hilft Start-up aus Fribourg

WIDNAU. Ein Ingenieur aus Fribourg will ein neuartiges Haushaltsgerät auf den Markt bringen, mit dem Getränke und Esswaren länger haltbar bleiben. Der Jungunternehmer erhält für sein Vorhaben Unterstützung aus dem Rheintal.

Patrick Stahl
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Investorenvertreter Dieter Marxer (links) und Erfinder Manfred Jüni. (Bild: pd)

Investorenvertreter Dieter Marxer (links) und Erfinder Manfred Jüni. (Bild: pd)

Der Fribourger Maschinenbauer Manfred Jüni tüftelt seit bald zehn Jahren an seiner Geschäftsidee: Der umtriebige Erfinder will, dass Lebensmittel im privaten Haushalt länger haltbar bleiben. Dabei setzt er auf dasselbe Konzept wie die Hersteller von Convenience-Lebensmitteln. Die Produkte im Supermarkt werden oft unter Beigabe einer Schutzatmosphäre verpackt, damit Geschmack, Farbe und Nährstoffe länger erhalten bleiben. Dies soll künftig auch zu Hause nach dem Öffnen der Verpackungen problemlos möglich sein.

Von Gemüse bis Prosecco

Mit Unterstützung der Rheintaler Industriegruppe Noventa hat Manfred Jüni in mehrjähriger Arbeit ein handliches Gerät entwickelt. Damit können Lebensmittelboxen mit einem Luftgemisch aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid und Argon gefüllt werden. Die Lebensmittel bleiben dadurch deutlich länger haltbar, verspricht Jüni: «Schnittsalat etwa ist nach dem Aufreissen der Erstverpackung innerhalb eines Tages braun an den Rändern. In meiner Frischhaltebox bleibt er mindestens fünf Tage frisch.» Andere Produkte sollen bis zu 20-mal länger haltbar sein als herkömmlich verpackt. Das Konzept funktioniere auch bei offenen Flaschen wie Wein oder Prosecco.

Noventa investiert kräftig

Die Noventa-Chefs setzen grosse Hoffnungen in die Geschäftsidee. «Das Gerät wird schon bald ein Must-have für jeden privaten Haushalt sein», sagt Noventa-Geschäftsleitungsmitglied Dieter Marxer. Der gebürtige Liechtensteiner begleitet das Projekt seit Beginn und amtet inzwischen auch als Verwaltungsratspräsident des Start-ups. Das Rheintaler Unternehmen ist aktuell der Hauptaktionär von Jünis Firma Innveri und soll die Serienproduktion der Geräte übernehmen. «Wir haben uns dazu entschlossen, das Projekt vorzufinanzieren und uns direkt an dem Start-up zu beteiligen, weil wir an das Konzept und die Idee glauben», erklärt Marxer. An Bord ist auch der Liechtensteiner Werber Leone Ming. Der Inhaber der gleichnamigen Agentur hat die Marke des Produkts mit dem Namen «zzysh» entwickelt und übernimmt vorerst die Vertriebsleitung.

Allein mit der Hilfe aus dem Rheintal lässt sich das Projekt allerdings nicht stemmen. Marxer geht davon aus, dass der gesamte Finanzbedarf schliesslich einen siebenstelligen Betrag erreichen wird. Um die Millionengrenze zu knacken, setzen die Innveri-Chefs auf einen breiten Finanzierungsmix. Dazu gehört neben klassischer Finanzierung durch Eigenkapital auch die neuartige Form des Crowdfundings. Dabei können sich private Anleger bereits mit Kleinstbeträgen an einem Geschäftsmodell beteiligen. Das Unternehmen hat im Oktober eine Kampagne auf der Crowdinvesting-Plattform Conda lanciert, bei der bis heute 70 Investoren insgesamt über 70 000 Euro zugesagt haben. Die Sammelaktion soll noch rund zwei Monate weiterlaufen. «Diese Art der Finanzierung hat den positiven Nebeneffekt, dass das Produkt einer breiteren Öffentlichkeit, vor allem im Umfeld der sozialen Netzwerke, bekannt wird», sagt Marxer. Das Geld der Kleinanleger soll dann vor allem für das Marketing und den Vertrieb der neuen Produkte eingesetzt werden.

Produkt kommt in den Handel

In den kommenden Monaten will Jünis Unternehmen Innveri mit dieser Geschäftsidee den deutschsprachigen Raum aufrollen und im ersten Quartal das erste System für Getränke lancieren. «Dazu nutzen wir unterschiedliche Vertriebskanäle und Kooperationen, um möglichst schnell Aufmerksamkeit zu bekommen», sagt Marxer.

Im ersten Halbjahr 2017 soll dann das Produkt für Lebensmittel folgen. Wie beim ersten System seien auch hier die ersten Rückmeldungen durchwegs positiv: Bei einem Testversuch im Schweizer Markt habe das Unternehmen innert weniger Wochen mehrere Hundert Food-Systeme verkauft.

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