Nostalgisches Vergnügen

Am nächsten Wochenende findet der 2. Historische Bergsprint Walzenhausen–Lachen statt. Es ist gleichzeitig das 100-Jahr-Jubiläum des Bergrennens. Das Wetter am 20. Juli bot mit Sonne und etwa 30 Grad Celsius beste Rahmenbedingungen für eine Oldtimer-Fahrt «oben ohne».

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Andrea Plüss im Citroën von Peter Hürlimann. (Bild: pd)

Andrea Plüss im Citroën von Peter Hürlimann. (Bild: pd)

Am nächsten Wochenende findet der 2. Historische Bergsprint Walzenhausen–Lachen statt. Es ist gleichzeitig das 100-Jahr-Jubiläum des Bergrennens. Das Wetter am 20. Juli bot mit Sonne und etwa 30 Grad Celsius beste Rahmenbedingungen für eine Oldtimer-Fahrt «oben ohne». Für mich hiess es Platz zu nehmen im knallblauen Citroën von Peter Hürlimann. Viel Raum bietet sich nicht für einen Beifahrer, denn eigentlich handelt es sich um einen Einplätzer.

Weisungsgemäss setzte ich mich seitlich, eher nur aufs linke Bein, um auch dem Fahrer noch Platz zu bieten.

160 000 km auf Rennstrecke

Der Citroën Baujahr 1924 war nicht als Komfortfahrzeug konzipiert worden, sondern diente in den Zwanzigerjahren als Demonstrationsobjekt für den Fortschritt des Automobils.

«Die fuhren mit dem Citroën auf einer einfachen Oval-Rennstrecke bis zu 160 000 Kilometer», erzählt Besitzer Hürlimann, um die Leistungsfähigkeit eines motorisierten Fahrzeugs unter Beweis zu stellen.

Auf der kurzen Tour durch Rheineck konnte ich mich an die ratternden Fahrgeräusche gewöhnen wie auch an die ausladenden Bewegungen Peter Hürlimanns, wenn er den langen, staksigen Schaltknüppel bediente. Man sollte sich mögen, zu zweit im Citroën.

Während ich Kamera und Tasche auf den hölzernen Bohlen des Fussraums ablegte – an Fotografieren während der Fahrt war nicht zu denken – schaltete mein Fahrer in den dritten Gang und wir nahmen Fahrt auf. Rund 20 PS stark ist der Oldtimer, der eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h erreichen kann. Nach knapp einem Kilometer auf der Bergstrecke lief der Citroën unruhig und stockte, was sein Besitzer mit leichtem Fluchen quittierte. Die rasch durchgeführte Kontrolle ergab, dass lediglich ein Ventil hängen geblieben war.

Nun ging es ungestört weiter mit maximal 40 km/h. Die zwölf Kurven der Bergsprint-Strecke nahm Peter Hürlimann stets im äussersten Radius, was mir manches Mal die Tatsache der fehlenden Türen in Erinnerung rief. Die grandiose Aussicht auf den Bodensee nahm ich wohl war, konnte sie aber nicht wirklich entspannt geniessen. Richtig toll sei eigentlich nur die Talfahrt, meinte der Oldtimer-Sammler, da käme man auf etwa 80 km/h.

Talfahrt mit Rolls Royce

Es mag daran gelegen haben, dass der Besitzer vorher erwähnt hatte, der Citroën ha- be lediglich Seilzugbremsen auf der Hinterachse, dass ich mich bei der anschliessenden Talfahrt für einen Platz im Rolls Royce Phantom I entschied. Der Luxus alter Zeiten ist bei der Nobelkarosse bis heute unverändert: weiche Polster, Wurzelholzverkleidung und blinkende Chromteile.

Ich lehnte mich in die Polster, streckte die Beine aus und genoss den Fahrtwind in den Haaren, den Blick auf den Bodensee und die Motorengeräusche. Mein Fazit: ob schnörkellos oder luxuriös – Oldtimer haben ihren ganz speziellen Reiz. Andrea Plüss

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