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Normal Verrückte und ein Jäger

Aus Irrsinn wurde Irrwitz und aus dem alten deutschen Schwank «Pension Schöller» ein schweizerdeutscher Lachmuskelkratzer. Die Theatergruppe Heldsberg feierte eine umjubelte Premiere in St. Margrethen.
Gerhard Huber
Der Millionär Philipp Klapproth und seine «normale» Familie (von links): Ruth Meier, Corinna Fürer, Peter Grundlehner, Attilio D´Alessandro und Marie Helene Diefenthaler. (Bild: Ulrike Huber)

Der Millionär Philipp Klapproth und seine «normale» Familie (von links): Ruth Meier, Corinna Fürer, Peter Grundlehner, Attilio D´Alessandro und Marie Helene Diefenthaler. (Bild: Ulrike Huber)

«Pension Schöller», das bereits 1890 uraufgeführte Stück von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, lebt von der Situationskomik, die entsteht, wenn ein «normaler» Mensch auf vermeintlich «Irre» trifft. Ein Komödienklassiker, der problemlos Neuinterpretationen verträgt. Die handelnden Per­sonen sind bei Michael Weder, der in der derzeit gespielten Inszenierung der Theatergruppe Heldsberg Regie führte, nicht durch die innere Entwicklung charakterisiert, sondern äusserlich durch exaltiert-personifizierte Kostüme, übersteigerte Körpersprache und exaltierte Mimik. Die Handlung wurde vom deutschen Norden nach Zürich und St. Margrethen verlegt, die Mimen sprechen Schweizerdeutsch.

Ritt durch Slapstick und Stegreifkomödie

Doch kurz die Geschichte des Stücks: Der vermögende Spätjunggeselle Philipp Klapproth aus St. Margrethen wird bei einer Reise nach Zürich von seinem Neffen Peter Klapproth um einen Kredit gebeten. Philipp sagt Ja zu diesem Darlehen, aber unter einer Bedingung: Er will unbedingt einmal das Treiben in einer echten Irrenanstalt erleben. Und sein Neffe soll dies möglich machen. Der Not gehorchend und einem schlechten Rat folgend, schickt dieser seinen Onkel in die Pension Schöller, schliesslich sind dort einige kuriose Figuren zu Gast. Und es passiert, was passieren muss. Denn wer «Irre» argwöhnt, dem kommen normale und etwas exzentrische Pensionsgäste alle als verrückt vor. So geschieht es auch dem sich selbst für normal haltenden Philipp Klapproth.

Es wurde ein irrwitziger Ritt durch Slapstick und Stegreifkomödie, Klamotte und Comedy, was die Heldsberger Theatergruppe bei der Premiere geboten hat. Alles, was ein solcher Theaterspass an Verwechslungen und Situationskomik zu bieten hat, bespielte ein Bühnenbild mit Minimalausstattung, aber vor einer den Hintergrund ausfüllenden Videowall, auf der einfühlend und unaufgeregt kurze Einspie­-ler oder passend ruhige Backgrounds gezeigt wurden. Wer ist denn nun normal – und wer ist schlichtweg gaga? Der an einen überdrehten Käpt’n Balu erinnernde Philipp Klapproth von Peter Grundlehner, der mit seiner beeindruckenden Sprachkultur Struktur in die Sache bringt?

Das Chaos des Geschehens

Oder seine spröde, wie der letzte Funken Vernunft durch das Chaos des Geschehens irrlichternde Schwester Ursula, die von Ruth Meier mit vornehmer Zurückhaltung gezeichnet wurde? Wie verrückt ist Löwenjäger Professor Bernhardy, den Max Weder als weltentrückten Globetrotter gibt? Ganz sicher verrückt der pensionierte Oberst Major Gröbli, von Titzian Calvi zwerchfellerschütternd als augenrollender und von der eigenen Wichtigkeit und Richtigkeit überzeugter cholerischer Militarist gespielt. Aus dem grossartig und stimmig agierenden Ensemble stach aber ein Akteur besonders hervor, nämlich Roman Camenisch als Möchtegern-Bühnendarsteller mit Sprachfehler, der kein «l» aussprechen kann und stattdessen immer «n» sagt. Sein Lebenstraum wäre die Darstellung grosser Rollen wie «Othenno», «Wannenstein» oder sogar «Winhenm Tenn» von Schinner. Das Publikum bog sich vor Lachen. Alle Interessierten haben noch kommende Woche Gelegenheit, sich im St. Margrethner Rheinausaal köstlich zu amüsieren. Am kommenden Freitag und Samstag, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag um 18 Uhr fliegen die vermeintlich Irren von der Pension Schöller nochmals über ihr Kuckucksnest.

Hinweis

Mehr Fotos auf www.rheintaler.ch unter Bilderstrecken.

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