Nordafrika wird weniger bereist

RHEINTAL. Politische Instabilität und Terroranschläge führen dazu, dass Rheintaler deutlich weniger nach Tunesien und Ägypten reisen. Auch die Buchungen in die Türkei sind rückläufig, während sich Griechenland grosser Beliebtheit erfreut. Auch Spanien profitiert.

Remo Zollinger
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Südostasiatische Traumstrände wie hier auf der malaysischen Ferieninsel Langkawi gehören zu den Schlagern auf dem Reisemarkt. (Bild: Remo Zollinger)

Südostasiatische Traumstrände wie hier auf der malaysischen Ferieninsel Langkawi gehören zu den Schlagern auf dem Reisemarkt. (Bild: Remo Zollinger)

Der 26. Juni stellt für den tunesischen Tourismus eine Zäsur dar. Ein Attentäter tötete am Strand Port El-Kantaoui, zehn Kilometer nördlich der Grossstadt Sousse, 38 Menschen. Seither wird der nordafrikanische Staat, schon zuvor von politischer Instabilität und damit verbundener sinkender Touristenzahlen gebeutelt, von den meisten Urlaubern gemieden. «Sousse war der Tropfen, der für eine nennenswerte Nachfrage für Tunesien zu viel war. Seither ist keine mehr vorhanden», sagt Martin Ebneter, Leiter der Kuoni-Filiale in Heerbrugg. Verena Rothenberger vom Reisebüro Siro Travel in Altstätten pflichtet ihm bei: «Im Frühling hatten wir noch Buchungen für Tunesien, nach dem Anschlag aber gar keine mehr.»

Ägypten: Vor allem Rückkehrer

Auch Ägypten gilt seit dem Arabischen Frühling als instabiles Land, die Reisesituation ist aber stark ortsabhängig. So fragen in den Rheintaler Reisebüros weiterhin einige Kunden nach Reisen in die Badeorte Sharm El-Sheikh oder Hurghada, während Destinationen wie Kairo oder Luxor, in diesem Jahr auch Ziel eines terroristischen Anschlages, nicht beliebt sind. «Reisen ans Rote Meer sind kein Problem. Besonders Leute, die schon dort waren, kehren sehr gerne zurück», so Ebneter weiter. Die Anzahl neuer Ägypten-Reisender ist indes überschaubar. «Die Nachfrage für Reisen in diese Region ist sehr bescheiden», sagt Linda Keller vom Reise-Treff Steiger in Altstätten.

Anschläge wirken abschreckend

Der Hauptgrund für die Veränderung im Reiseverhalten der Rheintaler sind terroristische Anschläge. Nach den Attentaten von Suruç und Ankara sind nämlich auch Buchungen in die Türkei stark rückläufig. «Wir merken, dass die Leute nach den Anschlägen vorsichtiger geworden sind, im Herbst haben wir viel weniger Reisen in die Türkei verkauft als üblich», sagt Verena Rothenberger. Martin Ebneter unterstreicht, dass die Baderegionen um die Metropole Antalya weiterhin sehr sicher seien, die Skepsis gegenüber dem Land aber auch aufgrund der Politik von Präsident Erdogan gewachsen sei. Auf die Türkei spezialisierte Veranstalter würden von einem Einbruch um rund 30 Prozent berichten.

Der Flüchtlingsstrom über die Balkanroute, der konkret die touristischen Gebiete Bodrum und Kos betrifft, macht sich indes punkto Buchungszahlen nicht stark bemerkbar. «Wir hatten eine Familie, die lieber nicht nach Kos reisen wollte», sagt Linda Keller, «die anderen Reisenden sagten uns jedoch, sie hätten von der Krise nichts mitbekommen.»

Wie Keller äusserten sich auch die anderen befragten Reiseveranstalter. Die Insel in der Ägäis ist problemlos bereisbar. Ohnehin ist Griechenland äusserst beliebt, aufgrund des starken Preis-Leistungs-Verhältnisses reisen weiterhin viele Menschen ins Mittelmeerland mit seinen zahlreichen Inseln. Während die Nachfrage bezüglich Reisen nach Griechenland konstant hoch ist, erfreut sich Spanien seit Kurzem wieder grösserer Beliebtheit. «Im Kurzstreckenbereich verkaufen wir wieder mehr Reisen nach Spanien», sagt Martin Ebneter, der als Grund hierfür ähnliche Reisezeiten wie nach Nordafrika angibt.

Dauerbrenner und neue Ziele

Im Langstreckenbereich sind weniger grosse Unterschiede feststellbar als im Mittelmeerraum, wo sich die Ziele ähneln. Sehr beliebt sind Reisen in die Vereinigten Staaten sowie nach Südostasien. Die Vielseitigkeit dieser Regionen – sowohl Strand- wie auch Abenteuerferien sind möglich und einfach zu verbinden –, gepaart mit tiefen Preisen und hoher Sicherheit machen sie zu einem Dauerbrenner. Neu aufkommende Ziele gibt es aber auch interkontinental: Reisen nach Costa Rica, Sri Lanka, Myanmar oder auf die Kapverden haben zugenommen.

Reisebüros erhalten Warnungen

Dies ist nicht nur mit gestiegener Neugier, sondern auch mit neuer politischer Stabilität zu erklären. Myanmar hat sich erst seit der 2011 erfolgten Installation eines zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt zu einem nachgefragten Ziel entwickelt. Auch Sri Lanka war lange von politischen Unruhen geplagt.

Die Reisebüros informieren ihre Kunden über die aktuellen Entwicklungen in einem Land. Sie erhalten Warnungen – vom EDA und anderen Quellen – und geben diese weiter. «Wir erfüllen die Informationspflicht gegenüber unseren Kunden, geben Informationen explizit weiter. Aktiv vom Reisen abhalten können wir sie aber nicht», sagt Verena Rothenberger.