Noch immer kein Mittagstisch

Einen Mittagstisch bietet fast jede Gemeinde der Region an. Nur Thal nicht. Schulratspräsident Heinz Herzog muss sich einige Kritik gefallen lassen. Seit zwei Jahren fordert Katerina Herzog einen Mittagstisch.

Christoph Renn
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THAL. Ein Mittagstisch, ein Angebot das in der heutigen Zeit in fast allen Gemeinden vorhanden ist. Fast alle haben bemerkt, dass die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbstätigkeit ein wichtiger Teil der Schweizer Gesellschaft darstellt. Fast alle.

Denn in Thal findet ein zentraler Mittagstisch beim Schulrat mangels verbindlicher Nachfrage noch keinen Anklang, argumentiert der Thaler Schulratspräsident Heinz Herzog. Dieses Argument lässt Katerina Herzog jedoch nicht gelten. «Ich versuche nun seit zwei Jahren, den Schulrat davon zu überzeugen, dass es auch in den Gemeinden Staad und Thal ein Interesse für einen Mittagstisch gibt», sagt die Thalerin, die von anderen Frauen unterstützt wird.

Unverbindliche Umfrage

Eine Nachfrage bestehe nachweislich, sagt Katerina Herzog. Bei einer Umfrage im Jahr 2013 haben 19 Familien ihr Interesse angemeldet.

Trotzdem entschied sich der Schulrat strikt dagegen, obwohl er zuvor ankündigte, dass, wenn sich mindestens 15 Kinder anmelden, eine Mittagsbetreuung funktionieren würde. «Die Umfrage war nicht verbindlich und nicht für die einzelnen Wochentage detailliert aussagekräftig, deshalb konnten wir nicht weiter darauf eingehen. Zudem gibt es das Gastfamilienkonzept, das hier mit den weitläufigen Dörfern Thal, Staad und Altenrhein gut funktioniert», sagt der Schulratspräsident. Das Argument, die Ergebnisse seien weder konkret noch verbindlich, und der Schulrat wisse nicht, an welchen Tagen das Angebot genutzt werden möchte – und deshalb einen Mittagstisch wieder abschmetterte – grenzt für Katerina Herzog an Hohn. «Das ist schon fast absurd», ergänzt sie.

Der Wille ist da

Das Problem Mittagstisch ist in Thal tiefer verwurzelt. Denn auch das freiwillige Engagement der Frauen scheint den Schulrat nicht zu überzeugen. Mehrere Sitzungen hätten sie schon mit dem Schulratspräsidenten abgehalten, doch immer wieder seien sie zurückgewiesen worden. Nach unzähligen weiteren Gesprächen wurde Katerina Herzog mit dem Argument ruhiggestellt, dass bis zum Neubau des Schulhauses Buechen sowieso mit solchen Projekten gewartet werden müsse. Als das neue Schulhaus stand, nahm Katerina Herzog einen neuen Anlauf. Der Wille, die Frauen, die Räume und das Engagement für einen Mittagstisch bestanden, der Schulrat hätte einlenken können. «Abermals wurde unser Vorschlag abgelehnt.» Die Schule sei trotz Interesses am Mittagstisch untätig geblieben. «Wir hörten immer nur, dass wir warten müssen. Warten, bis die Aula fertig gebaut ist, man habe kein Personal und so weiter.» Zudem habe die Schule gesagt, dass sie die Möglichkeiten prüfen wolle. Das Anliegen der Frauen wurde auf die lange Bank geschoben.

Nicht in der Schulküche

Katerina Herzog beantragte daraufhin, die Küche im Schulhaus Buechen für einen Mittagstisch benutzen zu dürfen. Die Antwort der Schule lautete aber, sie könne das gerne auf privater Basis ausserhalb der Volksschule machen. «Ich möchte den Schulratspräsidenten bitten, einen Mittagstisch zu organisieren oder es jemand anderes machen zu lassen», sagt Katerina Herzog.

«Chance nicht genutzt»

Der Schulpräsident hält entgegen, dass der Schulrat den Frauen die Möglichkeit anbot, zu testen, ob ein Mittagstisch funktionieren würde. «Diese Chance haben sie leider nicht genutzt», ergänzt er.

Er sei nicht gegen einen zentralen Mittagstisch. «Wir wollen im ersten Quartal 2015 eine eigene Umfrage starten, bei der die Anmeldung aber verbindlich ist.» Denn auch der Schulpräsident sagt, dass im Schulhaus Buechen gute Räume zur Verfügung stehen, die genutzt werden sollen, es aber genügend Anmeldungen brauche.

Das Politikum Mittagstisch scheint die Gemeinde Thal noch eine Weile zu beschäftigen. Anders sieht es in Horn aus. Dort gibt es bisher ebenfalls noch keinen Mittagstisch. Doch die Thurgauer Gemeinde sieht das als Lücke an und füllt diese. Ab 2. Februar des nächsten Jahres wird es auch in Horn diese familien- und schulergänzende Kinderbetreuung geben. Der Gemeinderat hat eine Studie in Auftrag gegeben, die gezeigt hat, dass 73 Prozent der Eltern ein klares Bekenntnis zum Mittagstisch abgegeben haben. Weitere 14 Prozent waren unentschlossen, und nur 13 Prozent lehnten einen Mittagstisch ab. Grund genug für den Gemeinderat, diese schulergänzende Kinderbetreuung anzubieten.

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