Noch ein Auftritt für den Clown

Über diese Pflanze habe ich schon einmal berichtet. Sie hat im Frühsommer das erste Mal geblüht, mächtige Rosetten gemacht und sicher einen Quadratmeter Garten an der heissesten Stelle bedeckt. Im August habe ich die etwa 1,5 Meter hohen Triebe abgeschnitten.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Über diese Pflanze habe ich schon einmal berichtet. Sie hat im Frühsommer das erste Mal geblüht, mächtige Rosetten gemacht und sicher einen Quadratmeter Garten an der heissesten Stelle bedeckt. Im August habe ich die etwa 1,5 Meter hohen Triebe abgeschnitten. Jetzt, im Spätherbst, hat sie nochmals einen Auftritt. Und was für einen! Die Gartenform in Weiss der Eigentlichen Österreich-Königskerze (Verbascum chaixii subsp. austriacum) ist einfach spektakulär und völlig simpel in der Pflege. Es gibt sie gelb oder weiss. Sie ist mehrjährig und hat seifig-saftiges Blattwerk. Die Form der Blüte und ihre Farben sind ein Fasnachtskostüm im immer wieder herbeigeredeten Herbstgrau.

Weil, grau ist es im Garten nicht. Nie! Grau ist vielleicht hie und da der Seelenzustand von Gärtnern mit Herbstblues. Nicht einmal das schöne Grau der Buchen, das man jetzt wieder besser sieht, verströmt Tristesse. Eher nobel wirken sie, dekoriert mit den kleinen Moosflächen oder den dunkel gefärbten Flechten auf ihren Stämmen. Wenn es dann zu regnen anfängt und das Wasser dunkle Streifen auf den Stämmen zeichnet, genügt das Design hohen Ansprüchen. Dabei wirkt die Rinde wie eine gespannte Haut, die über einen muskulösen Körper gespannt ist, mit Wellen, Drehungen, Rundungen. Besonders schöne Exemplare zeigen einen kurzwelligen Wimmerwuchs. Bei Ahorn ist dieses Holz sehr begehrt und wird als Instrumentenbauholz bei Geigen und Gitarren gebraucht. Schönes Holz kostet dann kiloweise etwa so viel wie Silber.

Vielleicht mache ich ja auch nur auf Positiv angesichts der dunklen Monate, die noch kommen. Ich zähle die Wochen, die noch sind, bis es wieder heller wird. Doch immer noch und auch im Winter hat der Garten seine psychohygienische Aufgabe. Es gibt Leute, die räumen den Garten im Hebst ab, dann ist er zu bis im Frühling. Dabei hat er ja nur das Gesicht gewechselt. Die schönen Muster des Frostes sieht man nicht im Sommer. Und vieles mehr. Wenn auch im Lied «Die Blümelein, sie schlafen» gesungen wird, in der Natur tun sie's nicht. Zumindest nicht alle. In unserem Garten blüht jeden Monat im Jahr etwas. Von Ananassalbei und Wanzenkraut im November, Zaubernuss im Dezember, Duftender Schneeball im Januar. Weiter geht's mit Nieswurz im Februar – dann kommen die Frühblüher. Schauen Sie sich einmal die Bäume im Wald oder Garten an! Alle sind schon bereit mit ihren Knospen, bevor der Winter kommt. Tönt etwas pathetisch, ich weiss. Und diese hochneblige Zeit haben Sie und ich schon mehrmals durchgestanden. Was heisst hier durchgestanden? Carpe diem!