Niemanden ausgrenzen

Die Frauenvereine können sich einen gemeinsamen und neu konfessionslosen Verein vorstellen, wie ein Infoabend zeigte. Der neue Präses der Katholikinnen, Armin Scheuter, kann dies nur schlecht.

Maya Schmid-Egert
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«Elementar wichtig für einen zukünftigen Verein muss die Frau sein»: Die Projektgruppe mit (v. l.) Denise Schmidheini, Cornelia Eberle, Marlies Wüst, Esther Bürki, Madlen Zünd. Ruth Oesch fehlt auf dem Bild. (Bild: meg)

«Elementar wichtig für einen zukünftigen Verein muss die Frau sein»: Die Projektgruppe mit (v. l.) Denise Schmidheini, Cornelia Eberle, Marlies Wüst, Esther Bürki, Madlen Zünd. Ruth Oesch fehlt auf dem Bild. (Bild: meg)

Balgach. Selbstverständlich war dies die Frage des Abends: «Wie viel Kirche braucht ein Frauenverein heute eigentlich noch?» Die pragmatische Antwort der von den beiden Frauenvereinen eingesetzten Projektgruppe lautete: «So viel, wie ihr, die partizipierenden Frauen, dies zukünftig noch wünschen.» Sozusagen eine Kirche à discrétion.

Frauen sollen also in Zukunft einen möglichen, fusionierten Verein hundertprozentig selber lenken können und sich strukturell von der Kirchgemeinde lösen. Für die Katholikinnen würde dies bedeuten, dass der Präses nicht mehr im Vorstand vertreten wäre. Infrastrukturell würde sich nichts ändern, diese Zusagen lägen vor.

Dass man sich damit von christlichen Werten distanzieren wolle, sei allerdings nicht die Meinung, betonten die beiden Referentinnen Madlen Zünd und Denise Schmidheini: «Der Begriff muss aber weiter und dahingehend gefasst werden, dass sich Frauen aus allen Religionen angesprochen fühlen.»

Ohne Glauben keine Werte?

Angst, dass sich die christlichen Werte im Verlauf der Zeit verabschieden könnten, äusserte Pastoralassistent Armin Scheuter. Da es ohne Glauben keine Werte geben könne, müsse dieses Fundament weiterbestehen. Anders sah dies sein Vorgänger, Pfarrer Patrik Brunschwiler, der sich anlässlich der letztjährigen HV des katholischen Frauenvereines klar für eine Fusion ausgesprochen hatte («Rheintaler» vom 16. Februar 2010) und von Beginn im Sommer 2009 weg, zusammen mit dem reformierten Pfarrer Jakob Bösch, in die Diskussion einbezogen war. Von Frauenseite her wurde an diesem Mittwochabend im Frongarten die Idee angedacht, überhaupt alles Religiöse den Kirchgemeinden zu übertragen, was allerdings wenig Anklang fand. Angebote wie die Adventsfeier oder der Weltgebetstag würden vermisst werden, ging aus den Voten hervor. Als Hauptwunsch der anwesenden rund 90 Frauen kristallisierte sich vielmehr «ein Verein, der niemanden ausgrenzt» heraus.

Diese historisch bedingte gegenseitige Ausgrenzung, die vor allem auch Frauen aus «gemischten Ehen» (evangelisch-katholische Paare) von einer Entscheidung für einen – und damit immer auch gegen den anderen – Verein abhalte, sei mit ein Grund, warum sich zunehmend weniger Frauen angesprochen fühlten. Heute, sagte Madlen Zünd, seien beide Vereine personell noch stark genug, was sich aber schnell ändern könne. Ein anderer Auslöser für die Prüfung einer Fusion sei gewesen, dass man seit Jahren ein gemeinsames Jahresprogramm, das auch die Gruppe Junger Mütter einschliesst, heraus gebe. Die Wallfahrt, wurde festgestellt, sei noch das einzige, rein konfessionelle Angebot. Vorträge, Kurswesen, soziale Aufgaben, liturgische und andere Feiern seien seit langem ökumenisch ausgerichtet.

Noch ohne Namen

Die von Denise Schmidheini und Madlen Zünd vorgestellte Vision eines Vereines sähe vor, dass an den kommenden HV per Abstimmung der Auftrag für die Ausarbeitung neuer Statuten gegeben würde. Im Oktober dann würden die bestehenden Vereine demokratisch aufgelöst und gleichzeitig ein neuer Verein (dessen Name noch gefunden werden müsste) gegründet werden, der ab 2012 gültig wäre. Der Vorstand würde aus beiden bisherigen gebildet, das vorhandene Vermögen müsste neu verteilt werden. Als fairste Lösung betrachtet die Projektgruppe einen sogenannten Pro-Kopf-Übertrag in der Höhe von 80 Franken pro Mitglied. Der katholische Verein müsste demnach mit 280 Mitgliedern rund 22 000 Franken und der evangelische mit 185 Mitgliedern 15 000 Franken übertragen. Der Rest in der Höhe von 37 000 Franken würde an die Kirchgemeinden zurückfliessen.

Barbara Oehler, Besucherin des Abends, bedankte sich spontan für die geleistete Arbeit der Projektgruppe – und löste damit kräftigen Applaus aus.

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