Niemand jubelt, viele profitieren

Der starke Franken beziehungsweise der schwächelnde Euro wirkt sich in unserer Region sehr stark und unmittelbar auf das Rheintaler Wirtschaftsleben aus. Während die Exportindustrie klagt, freuen sich «der kleine Mann» und seine Frau am tiefen Eurokurs. Sie kaufen «drüben».

René Schneider
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Ruth Gschwend, Berneck, beim Posten bei Migros Widnau: «Ich lebe in der Schweiz, mit Schweizer Einkommen, und von Ausnahmen abgesehen poste ich hier. Ich kaufe sehr selten in Vorarlberg. Ich verfolge die Entwicklung, aber sie macht mir kaum Angst. Ich kann es sowieso nicht ändern. Vielleicht mache ich einen Fehler und werde letztlich die Dumme sein, aber ich will nicht jetzt wegen des tiefen Euro-Kurses meine Prinzipien über Bord werfen.»

Ruth Gschwend, Berneck, beim Posten bei Migros Widnau: «Ich lebe in der Schweiz, mit Schweizer Einkommen, und von Ausnahmen abgesehen poste ich hier. Ich kaufe sehr selten in Vorarlberg. Ich verfolge die Entwicklung, aber sie macht mir kaum Angst. Ich kann es sowieso nicht ändern. Vielleicht mache ich einen Fehler und werde letztlich die Dumme sein, aber ich will nicht jetzt wegen des tiefen Euro-Kurses meine Prinzipien über Bord werfen.»

Auf 20 Prozent oder mehr schätzen Gewerbler und der Mann am Zoll die Zunahme von Käufen von Schweizern in Vorarlberg. Die Detaillisten diesseits des Rheins beobachten besorgt die Entwicklung und pflegen ihre verbliebene Kundschaft umso sorgfältiger. Auffällig war bei unserer Umfrage in Vorarlberg, dass die Schweizer Einkaufstouristen zwar bereitwillig Auskunft geben, sich aber nicht in der Zeitung sehen wollen. Tenor: «Ja, wir kaufen im Euroland, alle andern tun es auch, und wir wären ja blöd, es nicht zu tun.» «Das ist zwar schlecht für das Schweizer Gewerbe, aber mir schenkt auch niemand etwas …» Doch besorgt («irgendwie») waren auch sie, die Schweizerinnen und Schweizer an Vorarlbergs Kassen. Die Freude am schönen, neuen Sofa zum Superpreis wird eben doch getrübt durch die Frage, «wo das alles noch hinführen wird».

Urs Nüesch, Foto-Fachgeschäft, Widnau: «Wir passen in der Branche die Preise monatlich an den Euro und die umliegenden Märkte an. Unser Problem ist, dass die Kundschaft das nicht beachtet oder es nicht glaubt. Wenn der Euro tief ist, kaufen manche in Vorarlberg, weil sie glauben, es sei dort sowieso günstiger. Uns schaden Nachrichten über Händler und ganze Branchen, die Kursgewinne für sich behalten. Unsere Preise sanken im letzten Halbjahr um 15 bis 20 Prozent.»

Urs Nüesch, Foto-Fachgeschäft, Widnau: «Wir passen in der Branche die Preise monatlich an den Euro und die umliegenden Märkte an. Unser Problem ist, dass die Kundschaft das nicht beachtet oder es nicht glaubt. Wenn der Euro tief ist, kaufen manche in Vorarlberg, weil sie glauben, es sei dort sowieso günstiger. Uns schaden Nachrichten über Händler und ganze Branchen, die Kursgewinne für sich behalten. Unsere Preise sanken im letzten Halbjahr um 15 bis 20 Prozent.»

Andrea Thurnherr, Diepoldsau, bei Coop in Heerbrugg: «Die Entwicklung um den Euro und die Volkswirtschaften der Euroländer beunruhigt mich. Die Schweizer Firmen haben zunehmend Mühe, ihre Produkte zu verkaufen. Ich hoffe auf die Politiker und Wirtschaftsführer. Auch ich hänge materiell letztlich ab vom Florieren der Schweizer Wirtschaft. Aber auch ich nutze die aktuelle Lage für mich aus, indem ich Euro kaufte, die ich im Moment gar nicht brauche.»

Andrea Thurnherr, Diepoldsau, bei Coop in Heerbrugg: «Die Entwicklung um den Euro und die Volkswirtschaften der Euroländer beunruhigt mich. Die Schweizer Firmen haben zunehmend Mühe, ihre Produkte zu verkaufen. Ich hoffe auf die Politiker und Wirtschaftsführer. Auch ich hänge materiell letztlich ab vom Florieren der Schweizer Wirtschaft. Aber auch ich nutze die aktuelle Lage für mich aus, indem ich Euro kaufte, die ich im Moment gar nicht brauche.»

Franziska Sonderegger, Leiterin Kundenhalle KB Heerbrugg: «Wir spüren den tiefen Kurs täglich. Grenzgänger wechseln grössere Beträge als sonst, und Schweizer kaufen jetzt Euro für grössere Investitionen oder aber als Feriengeld. Vermehrt kommen Kundinnen und Kunden aus dem Ausland, die ein Konto eröffnen und grössere Euro-Beträge in Schweizer Franken anlegen. Sie trauen offensichtlich ihrer Währung nicht mehr. Mit sinkendem Kurs steigt die Angst.»

Franziska Sonderegger, Leiterin Kundenhalle KB Heerbrugg: «Wir spüren den tiefen Kurs täglich. Grenzgänger wechseln grössere Beträge als sonst, und Schweizer kaufen jetzt Euro für grössere Investitionen oder aber als Feriengeld. Vermehrt kommen Kundinnen und Kunden aus dem Ausland, die ein Konto eröffnen und grössere Euro-Beträge in Schweizer Franken anlegen. Sie trauen offensichtlich ihrer Währung nicht mehr. Mit sinkendem Kurs steigt die Angst.»

Jürg Jenny, Balgach, bei Coop in Heerbrugg: «Der sinkende Eurokurs stimmt mich nachdenklich. Klar schafft es uns im Rheintal private Vorteile, indem wir drüben günstiger einkaufen können. Aber die Entwicklung scheint mir ungesund zu sein. Ferien mache ich übrigens wegen meiner Frau auch dieses Jahr wieder in Schweden – und auch dort haben sie noch immer keine Euro. Ich habe aber dieser Tage günstige Euro gekauft, für die Reise durch die Eurozone.»

Jürg Jenny, Balgach, bei Coop in Heerbrugg: «Der sinkende Eurokurs stimmt mich nachdenklich. Klar schafft es uns im Rheintal private Vorteile, indem wir drüben günstiger einkaufen können. Aber die Entwicklung scheint mir ungesund zu sein. Ferien mache ich übrigens wegen meiner Frau auch dieses Jahr wieder in Schweden – und auch dort haben sie noch immer keine Euro. Ich habe aber dieser Tage günstige Euro gekauft, für die Reise durch die Eurozone.»

Norbert Frei, Badmeister, Strandbad Diepoldsau: «Wir haben zu 50 Prozent Vorarlberger Gäste und den Eintrittspreis zum Saison-Beginn von vier Euro auf 4.40 erhöht. Aktuell müsste ich 4.80 verlangen. Aber ich kann nicht schon wieder den Preis erhöhen. Drüben ist mir keine Badi mit über vier Euro Eintrittsgebühr bekannt. Ich verzichte also und hoffe auf gute Gästefrequenzen und Gastro-Umsätze.»

Norbert Frei, Badmeister, Strandbad Diepoldsau: «Wir haben zu 50 Prozent Vorarlberger Gäste und den Eintrittspreis zum Saison-Beginn von vier Euro auf 4.40 erhöht. Aktuell müsste ich 4.80 verlangen. Aber ich kann nicht schon wieder den Preis erhöhen. Drüben ist mir keine Badi mit über vier Euro Eintrittsgebühr bekannt. Ich verzichte also und hoffe auf gute Gästefrequenzen und Gastro-Umsätze.»

Helga Waltner, Seniorchefin Möbelhaus Casa, Hohenems: «Uns fällt der verstärkte Zulauf an Schweizer Kundschaft auf. Für sie ist der hohe Frankenkurs positiv, für uns auch. Die Entwicklung begann im Frühjahr und verstärkte sich in den letzten Wochen stark. Ich schätze ein Plus von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kunden sind kauflustig, und sie kaufen in der Tendenz die höhere Qualität.»

Helga Waltner, Seniorchefin Möbelhaus Casa, Hohenems: «Uns fällt der verstärkte Zulauf an Schweizer Kundschaft auf. Für sie ist der hohe Frankenkurs positiv, für uns auch. Die Entwicklung begann im Frühjahr und verstärkte sich in den letzten Wochen stark. Ich schätze ein Plus von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kunden sind kauflustig, und sie kaufen in der Tendenz die höhere Qualität.»

Rolf Winiger, Zweirad-Fachgeschäft, Au: «Ich bin besorgt. Meine Kunden kaufen offenbar zunehmend in Vorarlberg. Die Medien sind voll vom Thema, und jeder will für sich profitieren. Was aus dem Euroraum kommt, wird auch bei uns im nächsten Jahr günstiger, bestimmt. Aber die aktuelle Ware haben wir letztes Jahr eingekauft. Als Gewerbler kaufe ich privat na- türlich in der Schweiz.»

Rolf Winiger, Zweirad-Fachgeschäft, Au: «Ich bin besorgt. Meine Kunden kaufen offenbar zunehmend in Vorarlberg. Die Medien sind voll vom Thema, und jeder will für sich profitieren. Was aus dem Euroraum kommt, wird auch bei uns im nächsten Jahr günstiger, bestimmt. Aber die aktuelle Ware haben wir letztes Jahr eingekauft. Als Gewerbler kaufe ich privat na- türlich in der Schweiz.»

Eveline Zellweger, Agip, Diepoldsau: «Zigi kosten bei uns sechs Euro, drüben sind es vier. Benzin ist noch leicht billiger als in Deutschland, doch deswegen fährt keiner weit. Die Vorarlberger kommen nicht mehr zum Tanken. Diesel war in der Schweiz schon immer teurer. Die Zahlen des letzten Wochenendes mit Ferienbeginn sind ernüchternd. Ich schätze 20 Prozent weniger als vor einem Jahr.»

Eveline Zellweger, Agip, Diepoldsau: «Zigi kosten bei uns sechs Euro, drüben sind es vier. Benzin ist noch leicht billiger als in Deutschland, doch deswegen fährt keiner weit. Die Vorarlberger kommen nicht mehr zum Tanken. Diesel war in der Schweiz schon immer teurer. Die Zahlen des letzten Wochenendes mit Ferienbeginn sind ernüchternd. Ich schätze 20 Prozent weniger als vor einem Jahr.»

Franz Koch, Leiter der Zollstelle Hohenems: «Der Einkaufstourismus aus der Schweiz nimmt in Vorarlberg gewaltig zu. Mengen und Werte-Zahlen weiss ich keine, aber wir registrieren rund 20 Prozent mehr abgestempelte Formulare für die Mehrwertsteuer-Erstattung. Die privaten Ausfuhren entwickelten sich praktisch parallel zur Erstarkung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro.»

Franz Koch, Leiter der Zollstelle Hohenems: «Der Einkaufstourismus aus der Schweiz nimmt in Vorarlberg gewaltig zu. Mengen und Werte-Zahlen weiss ich keine, aber wir registrieren rund 20 Prozent mehr abgestempelte Formulare für die Mehrwertsteuer-Erstattung. Die privaten Ausfuhren entwickelten sich praktisch parallel zur Erstarkung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro.»

Markus Ramseier, Widnau, beim Baumarkt Hornbach, Hohenems: «Wir kaufen heute Elektroartikel und ein paar Dinge für den Garten. Der Grund ist der Preis. Ganz einfach. Ich schäme mich nicht deswegen. Leisten kann ich mir ohnehin nur das Nötigste. Ich muss von einer IV leben. Da muss ich sehen, wie ich finanziell über die Runden komme. Mir ist nun mal mein Hemd näher als der Rock des andern.»

Markus Ramseier, Widnau, beim Baumarkt Hornbach, Hohenems: «Wir kaufen heute Elektroartikel und ein paar Dinge für den Garten. Der Grund ist der Preis. Ganz einfach. Ich schäme mich nicht deswegen. Leisten kann ich mir ohnehin nur das Nötigste. Ich muss von einer IV leben. Da muss ich sehen, wie ich finanziell über die Runden komme. Mir ist nun mal mein Hemd näher als der Rock des andern.»