Nie mehr im Zelt

Nach seiner Medienorientierung gab uns Freicom- Inhaber Reinhard Frei folgendes Interview.

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Reinhard Frei, welches sind Ihre prägendsten Erinnerungen an die letzten zwanzig Jahre Rheintaler Wirtschaftsforum?

Reinhard Frei: Am prägendsten war sicher die Verpflichtung und der Auftritt von alt Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Ausfall von Vaclav Klaus, als ich innerhalb von drei Tagen einen neuen Hauptreferenten verpflichten musste und mir Lothar Späth am Telefon sagte: «Rheintaler Wirtschaftsforum? Da komme ich doch gerne nochmals.»

Vor zwanzig Jahren war das Wifo konkurrenzlos. Heute ist es das nicht mehr. Was bedeutet das?

Frei: Ja, heute haben wir viele Konkurrenten – aber wir haben es immer wieder verstanden, das Wifo neu zu erfinden, mit neuen Elementen oder überraschenden Referenten. So wollen wir uns auch in Zukunft der Konkurrenz stellen – immer einen Schritt voraus, wie dieses Jahr mit dem Engagement des Theaters St. Gallen.

Ein Einschnitt war 2007, als Sie das Rhema-Mandat verloren. Hat das Wifo darunter gelitten?

Frei: Was die Teilnehmerzahlen – die Quantität – angeht, ja. Was die Qualität angeht, nein, im Gegenteil: Das Wifo ist nun in einem echt guten Tagungs- und Datums-Umfeld, im Januar, angesiedelt.

Auch die Rheintaler Messe Rhema muss sich – nach finanziellen Schwierigkeiten – aktuell neu erfinden. Können Sie sich eine Rückkehr ins Zelt vorstellen?

Frei: Zelt gleich Zirkus gleich Täuschungen – wir aber wollen uns echt immer wieder neu erfinden… Im Ernst: Nein, eine Rückkehr ins Zelt kann ich mir nicht mehr vorstellen. Höchstens in eine neue, grössere Tagungs-Umgebung in einer festen Baute oder Halle – zum Beispiel in der Kanti Heerbrugg.

Die politischen Gegner der Zuwanderung werden kritisieren, dass der Bundesrat für seine Sicht eine Plattform am Wifo bekommt. Was werden Sie allenfalls entgegnen?

Frei: Ich bin erfreut, dass die oberste politische Führungsperson, die das Dossier Zuwanderung vertreten muss, bei uns ist. Zuwanderung ist ein Schweizer Erfolgsfaktor – seitdem die Hugenotten uns die Uhrenindustrie gebracht haben. Wie die Zuwanderung aber in Zukunft gesteuert werden kann und muss, das soll uns Frau Bundesrätin sagen – und auch auf unbequeme Fragen von Susanne Wille antworten. So gesehen wird ihr Auftritt ganz sicher nicht nur ein Werbespot für die Abstimmung sein.

Interview: René Schneider