Nicht überall hat's genug Wohnraum

Innerhalb der letzten sechs Jahre kamen im Rheintal 3641 neue Wohnungen auf den Markt. In der gleichen Zeit hat der Leerwohnungsbestand um 53 Wohnungen zugenommen. Neue Überbauungen finden schnell Mieter. Wohnungen aus den 60er-Jahren bleiben hingegen oft leer.

Susi Miara
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Überbauung Sonnengarten in Widnau mit 50 Mietwohnungen. (Bilder: René Schneider)

Überbauung Sonnengarten in Widnau mit 50 Mietwohnungen. (Bilder: René Schneider)

Von Thal bis Rüthi stehen laut Statistik des Kantons per 1. Juni 2012 581 Wohnungen leer. Total gibt es in unserer Region 33 662 Wohnungen. Der Leerbestand entspricht 1,7 Prozent. Das ist etwas über dem Durchschnitt im Kanton (1,45 %). Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind jedoch erheblich.

Qualität statt Quantität

Das Bundesamt für Statistik hat den Gemeinden verschiedene Konzepte für die Durchführung der Zählung vorgeschlagen. Unter Umständen kann das von einer Gemeinde gewählte Vorgehen jedoch zu einer systematischen Unterschätzung der Zahl der leer stehenden Wohnungen führen.

Bei den ausgewiesenen Zahlen hat die Gemeinde Au den höchsten Leerwohungsbestand in der Region, wo 119 Wohnungen leer stehen. Das entspricht 3,5 Prozent des Bestandes des Auer Wohnraums von Total 3339 Einheiten. Der hohe Wert in Au ist schwierig zu interpretieren. Der Auer Gemeindepräsident Stefan Suter vermutet: «In Au und Heerbrugg sind viele Wohnungen nicht auf dem neuesten Stand.» Neue Wohnungen seien hingegen schnell vermietet. Suter findet, dass es falsch wäre, die Attraktivität einer Gemeinde am Leerwohungsbestand zu messen. «Au ist genauso attraktiv wie die anderen Mittelrheintaler Gemeinden», sagt Suter. Vor allem wegen der Nähe zum Autobahnanschluss wählen viele, die in St. Gallen oder im Fürstentum Liechtenstein arbeiten, die Gemeinde Au. Schwieriger ist es momentan, in Widnau eine Wohnung zu finden. Dort stehen 34 Wohnungen (0,91 %) leer. Dies wird sich in absehbarer Zeit jedoch ändern. Dieses Jahr kommen rund 150 neue Wohnungen (Überbauung Bommert, Überbauung Rössliplatz und Überbauung Sonnengarten) auf den Markt. Für Gemeindepräsidentin Christa Köppel sind es fast zu viele zur gleichen Zeit. «Eine bessere Abstimmung wäre idealer gewesen», sagt Christa Köppel. Ein Vergleich zwischen den Rheintaler Gemeinden ist ihrer Meinung nach schwierig. Nicht der Steuerfuss sei bei der Wohnungssuche relevant, sondern das Preis-Leistungs-Verhältnis und die passende Qualität des Angebots. Selbstverständlich versuche jede Gemeinde, die idealen Voraussetzungen für Investoren zu schaffen. «Erfolg ist aber nur dann garantiert, wenn das richtige Projekt am richtigen Ort gebaut wird», sagt Köppel. Ein wichtiger Faktor sei auch eine gute Infrastruktur. «In Widnau haben wir einen guten Mix.»

Zahlungskräftige Mieter

«Grosse Investoren, die früher am Rheintal kein Interesse zeigten, sind heute bereit, bei uns zu investieren», sagt Matthias Hutter, Geschäftsführer der Sonnenbau Gruppe Diepoldsau. Die modernen Wohnungen ziehen wiederum eine zahlungskräftige Gruppe, vor allem auch Zuwanderer mit guten Jobs, an. Hutter erwartet durch die rege Bautätigkeit einen Preisdruck auf die Angebotsmieten in einzelnen Gemeinden. Dieser Effekt konnte teilweise bereits festgestellt werden. Grundsätzlich sind Mieter bereit, zwischen 25 und 35 Prozent des Lohnes für die Wohnung auszugeben.

Für die Wahl der Wohngemeinde sprechen verschiedene Faktoren. Wichtig seien Verkehrsanbindung, Infrastruktur, intaktes Dorfleben und der Steuerfuss.

Rege Bautätigkeit

Ein Vergleich mit der Statistik 2006 zeigt im Rheintal eine rege Bautätigkeit. Innerhalb der letzten sechs Jahre kamen 3641 neue Wohnungen auf den Markt. In der gleichen Zeit hat der Leerwohnungsbestand um 53 Wohnungen zugenommen. Der neue Wohnraum wurde somit fast komplett vermietet. Thomas Ammann, Präsident des Vereins St. Galler Rheintal, ist überzeugt, dass zusätzlicher Wohnbedarf im Rheintal nötig war. «Aufgrund der starken Arbeitsmarktsituation hat es diesen Wohnraum gebraucht», sagt Ammann. Dabei spielt der Arbeitsweg keine grosse Rolle. Sogar aus der Region Sargans ziehen Arbeitnehmer ins Rheintal. Ausserdem profitiere das Rheintal von Arbeitnehmern, die in Liechtenstein eine Stelle finden, jedoch dort keinen Anspruch auf eine Niederlassung haben. Weitere Vorteile verspricht er sich durch die S-Bahn-Erschliessung.

Überbauung Rössliplatz in Widnau mit 35 Mietwohnungen.

Überbauung Rössliplatz in Widnau mit 35 Mietwohnungen.

Überbauung Bommert in Widnau mit 65 Mietwohnungen.

Überbauung Bommert in Widnau mit 65 Mietwohnungen.