Nicht als Chancental kurios scheitern

War das ein Aufstand vor zehn Jahren, als das Altstätter Spital geschlossen werden sollte! Nun kann sein Fortbestand besiegelt werden, mit einem Ja am 30. November. Von Gert Bruderer

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Gäbe es im Rheintal noch kein Spital und ginge es darum, den Mangel zu beheben, es würden nicht zwei Spitäler gebaut. Vielmehr würde ein Standort gesucht, möglichst im Zentrum der Grossregion Rheintal – Werdenberg – Sarganserland. Hier entstünde ein neues grosses Spital – so, wie die Gegner der Rheintaler Spitalvorlagen dies gerne sähen.

Es würde ein neues Spital gebaut, aber eben nur eines. Es wäre kein zusätzlicher Standort. Doch in der Vorstellung derer, die solch ein neues Spital als besondere Chance für das Rheintal sehen, gäbe es die heutigen Spitäler in Altstätten und Grabs als Gesundheits- oder Alterszentren weiterhin.

Das Rheintal hat nicht nur eine medizinische, sondern auch eine bewegte politische Vergangenheit, die sich nicht ausblenden lässt. Ein Jahrzehnt bloss ist es her, dass das Volk auf die Barrikaden ging. Spitalschliessungen? Auf keinen Fall!

Es war der Moment für eine Neuausrichtung. Es gab eine neue, breit angelegte, vom Volk mitgetragene und vom Parlament wiederholt bestätigte Strategie. Das Ergebnis sind die sechs Spitalvorlagen, über die nun abzustimmen ist.

Die Gegner begründen die Ablehnung der Vorlagen zu Altstätten und Grabs unter anderem mit geänderten Rahmenbedingungen. Doch eine Planung, die politisch und baulich von Grund auf erfolgt und viele Jahre beansprucht, ist nie gegen allenfalls gleichzeitig laufende Veränderungen gefeit. Mit dem Argument, die Rahmenbedingungen hätten sich verändert, liesse sich die Planung von so manchen Grossprojekten ad absurdum führen.

Natürlich hätte ein deutlich grösseres Schwerpunktspital an einem neuen Ort durchaus Vorteile. Das Argument, hier wäre Spitzenmedizin zu Hause, ist leicht nachvollziehbar. Doch das Argument gestattet keinesfalls den Umkehrschluss, mit einem Ja zu den Rheintaler Spitalvorlagen bekomme die Region nichts wirklich Gutes. Die Spitalausbauten, wie sie geplant sind, bringen auch dem Rheintal eine sehr hochwertige Gesundheitsversorgung, die überdies einem seit jeher erhobenen, vorrangigen Anspruch genügt: die Versorgung ist wohnortnah.

Spielt man gedanklich durch, was ein Nein zum Ausbau der Spitäler in Altstätten und Grabs bedeuten würde, kann einem ganz flau werden im Magen. Die mühsam erarbeitete, breit abgestützte Strategie wäre von Grund auf neu zu erstreiten. Im Anschluss an einen voraussichtlich langwierigen politischen Prozess müsste Land gefunden, gekauft und umgezont und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sichergestellt werden. Zusätzlich wäre das Spital zu planen. Von einigen Jahren gehen die Gegner der Rheintaler Spitalvorlagen aus. Was eher stimmt: eine Prognose ist gar nicht möglich.

Bei einem Nein zum Ausbau der Spitäler in Altstätten und Grabs ergäbe sich eine geradezu kuriose neue Ausgangslage. Überall im Kanton würden Spitäler erneuert, nur im Rheintal nicht. Das Chancental hätte dann – zum Erstaunen aller anderen St. Galler Regionen – eine grosse Chance vertan. Für eine spätere Korrektur durch einen Neubau gäbe es keine Gewähr.

gert.bruderer@rheintalmedien.ch