Nicht abwarten – Tee trinken

Schon die Sprache und Bezeichnung ist verwirrend. Unser Ausdruck Tee geht auf das chinesisches Wort chá zurück, das in einem Dialekt tê hiess. Die Länder, die den Tee auf dem Seeweg bekamen, nannten ihn auch so.

Urs Stieger
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Schon die Sprache und Bezeichnung ist verwirrend. Unser Ausdruck Tee geht auf das chinesisches Wort chá zurück, das in einem Dialekt tê hiess. Die Länder, die den Tee auf dem Seeweg bekamen, nannten ihn auch so. Länder, die auf dem Landweg versorgt wurden, nannten ihn auf Mandarinchinesisch Tscha oder Chay. Wer in Frankreich einen Kräutertee bestellt, bekommt keinen, wenn er «The» bestellt. Bürokratie-Ungläubige werden lachen, es gibt sogar eine Norm: ISO-Norm 3720 für Tee. Tee besteht nach dieser Norm nur aus Blättern der Kamelie Camellia sinensis.

Leider wachsen die bei uns nicht gut im Winter. Wer es riskieren will, soll chinesischen Tee aussäen. Wie Kamelien, Alpenrosen und Azaleen braucht er weiches Wasser aus dem Teich oder Regenwasser. Wer nur die Blumen gerne hat, kann als Ersatz ungefüllte Kamelien oder Kiwi pflanzen, die sehen ähnlich aus. Bekanntlich wird der Tee aber aus den Blättern gemacht, die Verarbeitung ist aber sehr heikel. Mit einem Strauch kann man bei mässigem Verbrauch durchaus seinen Eigenbedarf produzieren.

Tee enthält viel Coffein. Grüntee, also unfermentierter Tee ist aber trotzdem ein modisches Gesundheitsgetränk geworden. Meinen ersten Grüntee bei einer Einladung durch junge Japaner fand ich so abscheulich, dass ich keinen zweiten Schluck nahm, den ganzen Abend lang. Seit Jahren habe ich nun Grüntee getrunken und wünsche natürlich alle die gesunden Vorteile zu geniessen, die er hat oder die ihm angedichtet wurden. Krebs, Alzheimer, hoher Blutzucker oder Entzündungen soll er verhindern, poröse Knochen werde ich keine bekommen, uralt wird man auch noch … Wenn man vieles davon vergessen kann, bleibt doch in seriösen Studien die Erkenntnis, dass Grüntee viel Positives bewirkt, eine Wunderwaffe gibt es aber einfach nicht.

Tee, Teetrinken und Teerituale sind jahrtausendalte Bräuche, die in vielen Gegenden der Erde höchst verfeinert wurden. Wir westlichen Menschen können eigentlich kaum erfassen, wie viel Mystik im japanischen «Teeweg» ist. Der spielt sich im Garten und im Teehaus ab. Der «Teeweg» ist der richtige Ausdruck für das Teeritual und besteht aus vier Prinzipien: Harmonie, Ehrfurcht, Reinheit und Stille. Er ist in allerkleinsten Details seit Jahrhunderten vorgegeben. Er ist die Antithese zu saufen, runterleeren, Kampftrinken.

Langes Warten, bis man Tee trinken kann! Der Titelspruch kommt aber nicht aus Japan. Möglicherweise hat ein deutscher Heilkundler vor mehr als 200 Jahren seine Patienten zu Geduld aufgefordert.

Abwarten. Und (Kräuter-)Tee trinken! Auch das hat viel mit Zen-Buddhismus zu tun.

www.u-stieger.com