«Neugrüt» bekommt ein Pumpwerk

In den vergangenen Jahren standen das Einkaufszentrum Rheinpark, Strassen und umliegende Firmen mehrmals im Wasser. Das ändert die politische Gemeinde nun mit dem Bau eines Pumpwerks.

Kurt Latzer
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Reto Friedauer, Gemeindepräsident von St. Margrethen (rechts), und Claudio Pallecchi, Leiter Bauamt, haben sich die Baustelle des neuen Pumpwerks angesehen. (Bild: Kurt Latzer)

Reto Friedauer, Gemeindepräsident von St. Margrethen (rechts), und Claudio Pallecchi, Leiter Bauamt, haben sich die Baustelle des neuen Pumpwerks angesehen. (Bild: Kurt Latzer)

An der Autobahn, vor einem Bunker des Festungsmuseums Heldsberg, klafft eine Baugrube. Noch ist sie mit Larsen aus Stahl gestützt. Am Grund der Grube ist Wasser zu sehen, im Hintergrund, unter dem Autobahn-Viadukt, der Binnenkanal. Reto Friedauer, Gemeindepräsident von St. Margrethen, und Bauverwalter Claudio Pallecchi besichtigen die Baustelle und hoffen, dass der Grundwasserdruck keine höheren Kosten verursacht. «Das Pumpwerk, das hier entsteht, ist das Herzstück des Hochwasser-Schutzprojektes Neugrüt. Damit können wir in Zukunft grosse Schäden im Rheinpark und in den umliegenden Firmen verhindern», sagt der Gemeindepräsident. «Und zugleich die Feuerwehr entlasten», sagt Claudio Pallecchi, «denn sie mussten wir bei Hochwassergefahr in diesem Gebiet mit Pumpen aufbieten.»

Rheinpark und Strassen mehrmals überschwemmt

Die Unternehmen im Gebiet Neugrüt befinden sich in einer Senke. Bei heftigem Regen fliesst das Wasser, beispielsweise das des Rheinparks, über einen Abfluss in den Rheintaler Binnenkanal. Um einen Rückstau vom Kanal ins Gebiet Neugrüt zu verhindern, konnte man einen Schieber schliessen. Dann aber sammelte sich das Wasser auf den Plätzen, der Kantonsstrasse und schlimmstenfalls auf der Autobahn. Bei Hochwassergefahr kam die örtliche Feuerwehr zum Zug. Mit Motorpumpen versuchte man die Überflutung von Gebäuden zu verhindern, was nicht immer gelang. «2013 waren Strassen und der Rheinpark überschwemmt, 2017 gleich zwei-mal», sagt Reto Friedauer. Noch grösseren Schaden an Produktionsanlangen von Firmen im «Neugrüt» habe man knapp verhindern können.

Erste Überlegungen, wie man das Problem lösen könnte, gab es bereits nach dem Hochwasser 2013. Auch auf Drängen des Kantons. Die Planung für den Hochwasserschutz Neugrüt begann. «Die Hochwasser 2017 machten deutlich, dass schnelles Handeln gefragt ist», sagt der Gemeindepräsident. Die Planung des nötigen Pumpwerkes unmittelbar neben der Autobahn dauerte etwas länger als geplant. Bei der Planung musste der Gemeinderat auch das Bundesamt für Strassen (Astra) einbeziehen, weil der Boden, auf dem nun gebaut wird, dem Bund gehört.

Pumpen schaffen 1000 Liter pro Sekunde

Etwa eine halbe Million Franken investiert die politische Gemeinde in den Hochwasserschutz Neugrüt. Auf die Jahre und den möglichen Schaden gerechnet, sei das ein relativ geringer Betrag, sagt Reto Friedauer. Zwei leistungsstarke Pumpen sollen das Oberflächenwasser des Gebietes Neugrüt in den Binnenkanal schaffen. «Die Pumpen leisten etwa 1000 Liter Wasser pro Sekunde, was etwa dem Volumen von fünf Badewannen entspricht», sagt Claudio Pallecchi.

Ausser von den nötigen Schaltkästen ist nach Abschluss der Arbeiten an der Oberfläche vom Pumpwerk nichts zu sehen. Reto Friedauer und Claudio Pallecchi hoffen, das Pumpwerk im Dezember in Betrieb nehmen zu können. Die Zeiten haben sich geändert, auch was die Hochwassersaison anbelangt. Am Rhein beispielsweise reicht sie von April bis Oktober. Deshalb darf man in diesem Zeitraum im Rheinvorland keine Baustellen mit fixen Eichrichtungen erstellen.

«Das Hochwasser im Dezember 2017 hat gezeigt: Im Gegensatz zu früher ist man heute zu keiner Jahreszeit vor Hochwasser nicht sicher. Aktuelles Beispiel ist das Hochwasser in Rom», sagt der St. Margrether Gemeindepräsident.