Neuer Rebberg mit fremder Sorte

Im Mai ist im Bernecker Gebiet Klumpen ein neuer Rebberg entstanden. Weinbauer Noldi Schmidheiny hat ihn mit der weissen Sorte Scheurebe bestockt. Der erste Vollertrag wird 2017 erwartet.

Mario Ammann
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Noldi Schmidheiny freut sich über den Fortschritt der 500 Reben an seinem neu angelegten Rebberg im Bernecker Klumpen. (Bild: Mario Ammann)

Noldi Schmidheiny freut sich über den Fortschritt der 500 Reben an seinem neu angelegten Rebberg im Bernecker Klumpen. (Bild: Mario Ammann)

BERNECK. Auch im Rheintal entstehen hin und wieder neue Rebberge. In den meisten Fällen handelt es sich dabei aber um Flächen, die schon einmal bestockt waren und noch immer im Rebbaukataster eingetragen sind. In Berneck hat der Landwirt und Weinbauer Noldi Schmidheiny zwischen Klumpentorkel und dem Weiler Kobel eine Parzelle neu erschlossen, die mindestens 100 Jahre nicht mehr dem Weinbau diente und aus dem Kataster gelöscht war. Alte Karten belegen jedoch, dass bis 1915 der Bernecker Rebhang bis zur heutigen Kobelstrasse reichte.

Kantonale Bewilligung

Neuanpflanzungen von Reben, die der Weinerzeugung dienen, müssen bestimmte Kriterien erfüllen und bedürfen einer Bewilligung. Der Standort muss sich nachweislich für den Weinbau eignen. Geprüft werden die Höhenlage, die Hangneigung und die Hangrichtung, das Lokalklima, die Bodenbeschaffenheit und die Bodenwasserverhältnisse. Ein wichtiger Aspekt ist auch die naturschützerische Bedeutung der Fläche. Noldi Schmidheiny hat dem kantonalen Rebbaukommissär Markus Hardegger das Projekt vorgestellt und im Anschluss das Gesuch bei der Fachstelle Weinbau eingereicht. Diese Stelle habe die weiteren Abklärungen geführt und schliesslich eine Verfügung in zustimmendem Sinne erlassen. Das Ergebnis überrasche ihn nicht, sagt Schmidheiny. «Der neue Rebberg grenzt unmittelbar an die bestehende Fläche am östlichen Ende der Lage Eichholz. Die Bedingungen sind im Wesentlichen dieselben.»

Weisse Sorte Scheurebe

Nachdem auch die Gemeinde das Baugesuch genehmigte, ging es an die Realisierung des Vorhabens. Im Mai konnte die Fläche terrassiert und gleich auch bestockt werden. «In Absprache mit Ralph Heule als künftiger Traubenabnehmer haben wir uns für die Scheurebe entschieden. Sie liefert einen fruchtig-gehaltvollen Weisswein», erklärt Schmidheiny. Die Informationen über diese Sorte hätten ihn von Beginn weg überzeugt und auch motiviert, das Projekt als Ergänzung zu seinen bestehenden Sorten Blauburgunder, Merlot und Müller-Thurgau anzupacken. Markus Hardegger bestätigt, dass die Sorte in der Schweiz kaum bekannt ist. Es handelt sich um eine Kreuzung von Riesling mit der Bukettraube, die ihrerseits eine noch ältere Züchtung als die Scheurebe ist. Die Scheurebe ist nach Georg Scheu benannt, dem 1916 die Kreuzung gelungen ist. Man kennt sie in Deutschland und Österreich auch unter dem Namen «Sämling 88».

Erfolgreicher Start

Noldi Schmidheiny ist mit der bisherigen Entwicklung der 500 Rebstöcke sehr zufrieden: «Sie gedeihen prächtig.» Das ist auch für jeden Passanten augenfällig. Schmidheiny nennt als Grund dafür die Wahl von Hochstammreben, die in der Höhe veredelt sind und nicht erst aus dem Gras herauswachsen müssen. «Damit gewinnen wir ein Jahr und können – wenn alles nach Plan läuft – 2017 erstmals mit einem vollen Ertrag rechnen.»

Das freut wiederum Ralph Heule. Er hat im Rötiberg vor zwei Jahren als St. Galler Pionier bereits eine kleine Fläche mit Scheurebe bestockt. Beide Parzellen zusammen lassen einen Ertrag erwarten, der auch zu einem exklusiven Wein ausgebaut werden kann.