Neuer Eingangsbereich, neue WC-Anlagen, neuer Schauraum: So wird die Kristallhöhle Kobelwald fit für die Zukunft gemacht

Der gesamte Eingangsbereich der Kristallhöhle wird erneuert. Künftig sollen hier auch kleinere Ausstellungen möglich sein.

Max Tinner
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Der Eingangsbereich vor der Kristallhöhle heute. Künftig soll man sich in einer Ausstellung verweilen können.

Der Eingangsbereich vor der Kristallhöhle heute. Künftig soll man sich in einer Ausstellung verweilen können.

Bild: Verkehrsverein Kobelwald

Ohne die Terrasse vor dem Zugang zur Kristallhöhle wäre die weit über die Region hinaus bekannte Sehenswürdigkeit nur über einen schmalen Weg in der Felswand zugänglich. Gebaut wurde die Plattform 1987. Von 2001 auf 2002 wurde sie verbreitert und überdacht. Als Folge der Feuchtigkeit an der Felswand wäre jetzt eine Sanierung nötig. Allerdings entspricht die Bauweise nicht mehr in jeder Hinsicht den heutigen Bedürfnissen. Der Verkehrsverein Kobelwald, der die Schauhöhle betreibt, entschloss sich deshalb, die Bauten komplett zu ersetzen.

Der Ersatzbau wird zwar nicht grösser als der heutige Eingangsbereich. Der Verzicht auf die Höhlenwarthütte ermöglicht aber die Einrichtung eines Schauraums, in dem eine jährlich wechselnde Ausstellung gezeigt werden kann.

Visualisierung des künftigen Eingangsbereichs. Links ist der angedachte Ausstellungsraum zu sehen.

Visualisierung des künftigen Eingangsbereichs. Links ist der angedachte Ausstellungsraum zu sehen.

Bild: 4D Architektur

Ideen hat man schon einige. Man möchte zum Beispiel Spannendes zur Geschichte der Höhle zeigen. Etwa wie vor hundert Jahren in ihr Kristalle abgebaut wurden. Oder wie die Höhle abenteuerlich erforscht wurde und von Höhlentauchern nach wie vor noch wird. Angedacht ist auch eine Ausstellung zur Geschichte des Kurbetriebs im nahe gelegenen Bad Kobelwies, das erst letztes Jahr abgebrochen worden ist. Oder eine Ausstellung zur faszinierenden Geologie in diesem Gebiet.

Auf diese Weise möchte man den Besuchern noch mehr bieten, den Gruppen die Wartezeit bis zum Beginn der Führung verkürzen und nicht zuletzt all jenen, welche die Höhle schon kennen, Neues bieten und ihnen damit einen erneuten Besuch schmackhaft machen. Auf Wunsch möchte man Gruppen nach einer Führung auch einen Apéro anbieten können.

Erneuert werden soll auch die WC-Anlage (trotz der abgelegenen Lage besteht eine Abwasserleitung ins Tal hinab). Auch die Elektrik, welche die Höhle in ein zauberhaftes Licht taucht, soll komplett erneuert und heutigen Vorschriften angepasst werden.

Höhlenführung mit Hygienemasken denkbar

Die Kristallhöhle ob Kobelwald wird jährlich von rund 10'000 Besuchern besichtigt. Die Höhle kann man nicht auf eigene Faust erkunden, sondern nur im Rahmen einer Führung, die eine knappe halbe Stunde dauert. Saison ist von Ostern bis Ende Oktober, wobei die Höhle während der Schulsommerferien täglich geöffnet ist und sonst an Sonn- und Feiertagen oder nach Anmeldung. Dieses Jahr macht die Coronapandemie freilich auch dem Verkehrsverein Kobelwald einen Strich durch die Rechnung. Auch Höhlenführungen sind vorerst nicht erlaubt.

Verkehrsvereinspräsident Michael Graf hofft aber, dass die vom Bundesrat auf den 8. Juni in Aussicht gestellte weitere Lockerung der Einschränkungen die Aufnahme des Betriebs ermöglichen wird. Weil Ferien im Ausland wohl länger nicht möglich sein werden, wäre möglicherweise sogar eine sehr gute Saison möglich. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Versammlungsverbot für Gruppen über fünf Personen aufgehoben wird, weil ein Abstand von zwei Metern während der Führungen nicht eingehalten werden kann. Angedacht ist deswegen, Hygienemasken abzugeben, wie dies jetzt etwa beim Coiffeur nötig ist. Sie zu tragen wäre Pflicht – man möchte auf keinen Fall die Schliessung der Höhle riskieren, weil sich jemand während einer Führung angesteckt hat. (mt)

Wer grosszügig ist, kommt für einmal tiefer in die Höhle

Bauen will man über den nächsten Winter, so dass die neue Infra­struktur zu Beginn der Saison 2021 zur Verfügung steht. Kosten wird sie rund 285'000 Franken. Die Finanzierung steht weitgehend. Die Gemeinde Oberriet hat mit dem Budget 85'000 Franken gesprochen. Auch mehrere Ortsgemeinden beteiligen sich, im Besonderen die Ortsgemeinde Montlingen als Eigentümerin der Höhle mit 12'000 Franken. Ausserdem wurde ein Beitrag aus dem Lotteriefonds über 75'000 Franken beantragt, über den der Kantonsrat in der Junisession befinden wird. Weiter haben Stiftungen namhafte Beiträge gesprochen. Und der Verkehrsverein Kobelwald selbst bringt aus Reserven und mit Eigenleistungen weitere 55'000 Franken ein.

Unterm Strich fehlen noch rund 15'000 Franken, die man über weitere Spenden hereinzubekommen hofft. Besonders grosszügige Spender dürfen sich auf eine aussergewöhnliche Gegenleistung freuen: Sie werden in den touristisch nicht erschlossenen hinteren Teil der Höhle geführt. Regulär bekommt man 128 Meter zu sehen. Wer 5000 Franken oder mehr spendet, bekommt Gelegenheit, an die 300 Meter mehr zu sehen. «Das wird eine einmalige Sache sein», betont Verkehrsvereinspräsident Michael Graf. Danach wird zum Schutz der Höhle nämlich wieder nur ausgewiesenen Forschern Zugang dorthin gewährt.

Hinweis
Details zum Projekt und zur Spendenaktion findet man auf www.kristallhoehle.ch