Neue Zähne für alte Bahn

Mit dem originalen Triebwagen wieder von Altstätten nach Gais fahren – davon träumt der Verein AG2. Seit 2002 restaurieren die Vereinsmitglieder den Wagen. Nun wurde der noch fehlende Zahnradantrieb in Auftrag gegeben.

Silvan Heuberger
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Vereinspräsident Alexander Bless sprach von einem grossen Schritt. Im Hintergrund der Triebwagen. (Bild: sh)

Vereinspräsident Alexander Bless sprach von einem grossen Schritt. Im Hintergrund der Triebwagen. (Bild: sh)

WASSERAUEN. Mit einem sanften Ruck fährt die Bahn mit den Gästen, die zur Feier des Vereins AG2 nach Wasserauen wollen, in Appenzell los. In der Luft hängt der Geruch von Holz, die ungepolsterten Bänke sind unerwartet bequem. Ohrenbetäubender Lärm dringt durch die offenen Fenster des Bahnwagens. So tuckert die St. Gallen–Gais–Appenzell-Bahn durch das Appenzellerland, mit der Gemächlichkeit einer Zugfahrt, deren Ziel der Weg ist. Dieser Anachronismus auf Schienen soll bald auch wieder auf der Strecke Altstätten-Gais über den Stoss erlebbar sein, und zwar mit dem CFe 3/3 2, dem originalen Triebwagen der Altstätten–Gais–Bahn. Diesem Ziel hat sich der Verein AG2 verschrieben. In vielen Stunden Freiwilligenarbeit haben die Vereinsmitglieder den 1911 erbauten Wagen restauriert. Für den Einsatz auf der herkömmlichen Strecke fehlt aber der Zahnradantrieb, der dem Wagen in den 60er-Jahren ausgebaut wurde. Nach langem Sammeln ist nun genug Geld zusammengekommen, um den Einbau eines solchen Antriebes in Auftrag zu geben.

«Grosser Schritt»

Am Freitag fand anlässlich dieser Auftragsvergabe eine Feier im Schopf der Säntisbahn in Wasserauen statt. Unter den gut 50 Gästen befand sich auch alt Landammann Carlo Schmid. Vor der Kulisse des beleuchteten CFe 3/3 2 begrüsste Alexander Bless die Anwesenden. «Dies ist ein grosser Schritt für uns», sagte der Vereinspräsident zur Auftragsvergabe. Die Idee, den Wagen wieder den Stoss hinauf fahren zu lassen, sei so alt wie der Verein selbst, der 2002 gegründet wurde. Damals sei man sich noch nicht im Klaren gewesen, wie gross und komplex dieses Projekt sein würde.

Viel Herzblut

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, erläuterte kurz die Geschichte der Appenzeller Bahnfahrt, deren Strecken früher von sieben verschiedenen Gesellschaften bedient wurden. Die Altstätten–Gais-Bahn sei aus touristischer Sicht wichtig gewesen, da sie als Zubringer für den Säntis fungiert habe. Die Strecke werde auch in Zukunft im Freizeitverkehr positioniert sein. «Das Engagement des AG2 für das Zahnradprojekt ist für diese Positionierung entscheidend», sagte Baumgartner.

Den Zahnradantrieb einbauen wird die Stadler Rail AG. Solche «Tailor-Made»-Aufträge lägen der Stadler Rail am Herzen, sagte Divisionsleiter Jürg Gygax. «Wir nehmen uns der technischen Umsetzung des Zahnradprojektes gerne an.» Bei ihnen herrsche das Motto «Geht nicht, gibt's nicht», ein Spruch, den wohl auch den Verein AG2 antreibe. Dieser sei ein Team mit enormem Herzblut, sagte Gygax weiter.

Möglichst viel Eigenleistung

Im Anschluss an die Reden liessen Bless, Baumgartner und Gygax die CFe 3/3 2 eine Steigung hinauffahren – im Modelleisenbahn-Format, als symbolischen Akt. Die Kosten für das Zahnradprojekt belaufen sich auf rund 700 000 Franken. Ein Grossteil davon wird von Stadler Rail gespendet, und auch die Appenzeller Kantonalbank und die Raiffeisenbank beteiligen sich. Noch fehlen dem Verein rund 80 000 Franken.

Erstmals wieder über den Stoss rollen soll der Wagen in vier bis fünf Jahren. «Wir haben bei Stadler klar zweite Priorität», sagt Bless. Der AG2 wolle deshalb so viel Eigenleistung wie möglich beisteuern. Das nötige Know-how hätten sich die Mitglieder des Vereins selbst angeeignet. Keine einfache Aufgabe, wie Bless sagt. «Das Wissen über diese Wagen stirbt mit den Menschen, die sie gebaut haben.»

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