Neue IG will Littenbach-Ausbau

BERNECK. Am 31. Oktober können Auer und Bernecker das Hochwasserschutz-Modell an der Hochschule in Rapperswil besichtigen. Wie einst in Au formiert sich nun auch in Berneck eine Interessengemeinschaft Littenbach-Sicherheit (Lisi).

Kurt Latzer
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Der Landwirt Hermann Ritz bangt um seine Existenz. Er möchte nicht, dass seine und die Felder anderer als Überflutungsflächen dienen. (Bild: Kurt Latzer)

Der Landwirt Hermann Ritz bangt um seine Existenz. Er möchte nicht, dass seine und die Felder anderer als Überflutungsflächen dienen. (Bild: Kurt Latzer)

Hermann Ritz steht vor einem seiner Felder im Gebiet Kloteren. Obwohl der Spinat wunschgemäss gedeiht, schaut der Bernecker Landwirt etwas finster drein. Ihm geht das Hochwasserprojekt nicht aus dem Kopf, das Ende Oktober in Rapperswil-Jona vorgestellt wird.

Hermann Ritz bangt um seine Existenz, weil im Projekt «Hochwasserschutz Littenbach» das Überfluten seiner und anderer Felder geplant ist. Im Notfall. Vorgesehen ist der Bau eines neuen Kanals. Der würde vom Sammler Schlossbrücke aus, hinter der gleichnamigen Bushaltestelle, vorbei am Fusse des Hangs und entlang der Bahnstrasse geführt. Weiter soll er kurz vor dem Fürstenhaus unter der Bahnstrasse hindurch fliessen, mit dem Hinterburgbach zusammengeführt werden und in den Ächelibach münden.

IG ist gegen den neuen Bach

Analog zur IG Lisi Au (Interessengemeinschaft Littenbach-Sicherheit) formiert sich nun auch in Berneck eine IG Lisi. Wie Hermann Ritz sind auch sie vom aktuellen Projekt nicht begeistert, obwohl sie von den Hochwassern 2013 und 2014 betroffen waren. «Zuerst soll man das Bett des Littenbachs wo immer möglich verbreitern und so den Durchfluss erhöhen», sagt einer, der seinen Namen nicht nennen will. Laut IG darf man den Kampf gegen das Hochwasser nicht auf dem Buckel einzelner Bodenbesitzer austragen, indem man deren Felder überflutet.

Die Mitglieder der IG Lisi Berneck stellen sich nicht generell gegen Überflutungsflächen. Bevor man aber einen neuen Bach in Richtung Felder gräbt, wollen sie den Littenbach ausgebaut haben. An verschiedenen Stellen ist ihrer Meinung nach eine Verbreiterung durchaus möglich. Zuerst aber müsste man das Problem mit dem Schwemmholz lösen. «Nur wegen der Verklausungen ist der Littenbach übergelaufen», sagt Hermann Ritz. Er wünscht, der Gemeinderat würde mit den Appenzeller Nachbarn verhandeln und die Sammler oder Verbauungen oberhalb des Kiessammlers Dürrenbommert ausbauen. «Mit einem Gemeinderat bin ich den Bachlauf hinauf gegangen. Der hat gestaunt, wie gut zugänglich das Gelände in Richtung Reute ist», sagt der Bernecker Landwirt.

Ausbau der Sammler, Holz aus dem Tobel nehmen, Littenbach wo immer möglich verbreitern: Darin sieht Ritz die Lösung.

Sediment ist Gefahr

Neben der Milchwirtschaft lebt der Hof von Hermann Ritz vom Ackerbau. Sollten seine Felder einst wegen Hochwasser überflutet werden, fürchtet er weitreichende Folgen. Beim Gemüsebau etwa sei Zuverlässigkeit sehr wichtig. «Könnte ich wegen eines Hochwassers ein, zwei Jahre nicht mehr auf den Feldern produzieren, würde ich den Status <zuverlässiger Lieferant> verlieren», meint der Landwirt. Weiter fürchtet er das feine Sediment, das im Fall eines Hochwassers auf die Böden verteilt würde. Dann stelle sich die Frage des Unterhalts. Den Schlamm auf den Feldern nach einem Hochwasser einfach unterpflügen, funktioniert Hermann Ritz zufolge nicht. «Nach einem Hochwasser sieht man es ja. Liesse man den Schlamm trocken, würde er hart wie Beton», sagt Ritz. Er fürchtet, der feine Schlamm könnte die Böden abdichten und so langfristig schädigen.

Die Initianten der IG Lisi Berneck haben viel Material zuhanden der Gemeinden Au und Berneck gesammelt: Ausführungen zum Wasserbaugesetz; den technischen Bericht zu Hochwasserschutzmassnahmen am Bach, der inzwischen zehn Jahre alt ist; eine Bachelorarbeit Hochwasserschutz Littenbach bis hin zu «Lösungsvorschlägen aus der Bevölkerung». Die neue Interessengemeinschaft will Antworten auf viele Fragen. Sie will den Einfluss von Überflutungsflächen auf das Grundwasser kennen, über die Folgen für Anwohner des Ächeli in Au Bescheid wissen – und nachvollziehen können, warum nicht schon längst mehr Massnahmen ergriffen wurden.

Zweite Meinung einholen

Antworten erhofft sich die IG auch beim Besuch der Hochschule in Rapperswil-Jona, wenn der Bevölkerung aus Au und Berneck das Modell mit dem neuen Bach vorgestellt wird. Ihrer Meinung nach darf nicht allein auf Retention gesetzt werden, sondern in erster Linie auf den Ausbau des Littenbachs. Gerne hätte die IG zudem die Meinung eines zweiten Ingenieurbüros, um herauszufinden, ob Retention wirklich das einzige probate Mittel ist, das Hochwasserproblem am Littenbach zu lösen.

Besuch der Hochschule Rapperswil-Jona: Samstag, 31. Oktober. Anmeldungen unter E-Mail kanzlei@berneck.ch. Auskünfte unter Telefon 071 747 44 77.