Natur
Abgesägt und weiss bemalt: Ein Jahr der malträtierten Bäume in Oberriet

Auf dem Semelenberg und an der Kantonsstrasse wurden Bäume ihrer Kronen beraubt. Man glaubt aber an die Zukunft.

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Abgesägte Bäume: In diesem Fall handelt es sich um eine Installation des Oberrieter Künstlers Hubert Müller.

Abgesägte Bäume: In diesem Fall handelt es sich um eine Installation des Oberrieter Künstlers Hubert Müller.

Bild: pd

(mt) Man könnte meinen, die Oberrieter hätten etwas gegen Bäume: Da wurden Bäumen einfach so geköpft. Das sah zwar schräg aus, hatte aber seine ganz besondere Bewandtnis.

Im einen Fall, im Wald auf dem Semelenberg bei Kobelwald, stand der Oberrieter Bildhauer Hubert Müller dahinter. Die um ihre Kronen beraubten und dann weiss bemalten Bäume sollten die vom Staat verordneten Einschränkungen und Eingriffe in die Privatsphäre der Menschen symbolisieren. Es war keine Nacht-und-Nebel-Aktion: Der Oberrieter Forstdienst war nicht nur eingeweiht, sondern führte die Holzerarbeiten auch durch.

Der zweite Fall war besonders augenfällig – und ist es immer noch: In der Allee an der Kantonsstrasse ausgangs Oberriet in Richtung Altstätten wurden um die 20 Bäume auf etwa zwei Meter Höhe abgesägt. Was sinnlos erscheint, war der einzige Weg, den der Strassenkreisinspektor sah, um einander zuwiderlaufenden Vorschriften zu entsprechen.

Hier hingegen wusste sich der Strassenkreisinspektor nur so gegen einander zuwiderlaufende Vorschriften zu helfen.

Hier hingegen wusste sich der Strassenkreisinspektor nur so gegen einander zuwiderlaufende Vorschriften zu helfen.

Bild: mt

Aus Sicherheitsgründen hätten die Bäume gefällt werden müssen. Alleen sind aber geschützt, weswegen Bäume, die entfernt werden, ersetzt werden müssten. Dies widerspräche an dieser mit 80 km/h befahrenen Strasse aber den Sicherheitsvorgaben des Kantons. Die Stumpen gelten nun als nicht ganz gefällte Bäume, was dem Strassenkreisinspektorat Zeit verschafft, nach einer Lösung für das Dilemma zu suchen.

Nicht weit von den verkrüppelten Bäumen entfernt, beim Bahnübergang, wurde im März mit einer riesigen Baumaschine ein für die SBB neues Verfahren zur Baugrundverbesserung getestet – eine Woche lang war damit sichtbar, dass es der Bahn mit dem Doppelspurausbau und der Einführung des Halbstundentaktes im Rheintal ernst ist.

Ernst war es auch dem Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Oberriet mit der Erneuerung der Alpkäserei auf dem «Käbig». Allein: die Ortsbürger wollten sich nicht einfach auf den Glauben des Verwaltungsrates an eine prosperierende Zukunft der Käserei verlassen und forderten ein Gutachten als Entscheidungsgrundlage ein. Der Kredit wurde dann an einer ausserordentlichen Bürgerversammlung im September doch noch gesprochen.

Hand bot auch der Gemeinderat, nämlich Benedikt Frei, indem sie ihm eine Liegenschaft neben der Migros verkaufte. Was diesem ermöglichen wird, dort eine neue Praxis zu bauen. Der Arzt glaubt also auch an die Zukunft – was nach diesem Jahr nicht weiter verwundert.