Nachts musizieren Glögglifrösche

ALTSTÄTTEN. Ein Naturgarten lebt. Und wie. Anschaulich erzählt dies Christa Hugentobler in ihrem Gedichtband «Ein Jahr im Naturgarten». Er enthält die Essenz ihrer Beobachtungen während eines ganzen Jahres – in Schrift und Bild.

Angelika Rieger
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Im Naturgarten sitzt Christa Hugentobler – umgeben von einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren. (Bild: Angelika Rieger)

Im Naturgarten sitzt Christa Hugentobler – umgeben von einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren. (Bild: Angelika Rieger)

Altstätten. Christa Hugentobler hat für ihren Gedichtband «Ein Jahr im Naturgarten» den heimischen Garten intensiv beobachtet. «Bei solcher Vielfalt muss man sich Zeit nehmen, sich hinsetzen und schauen, was passiert.» Diese besonderen Beobachtungen hat sie aufgeschrieben. Es entstand ein Protokoll. «Zu umfangreich, um es in einem Buch unterzubringen», sagt Christa Hugentobler. Denn das hatte sie von Anfang an vor. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk für ihren Mann Ignaz werden. Nun ist das Geschenk ein mit viel Liebe gestalteter Gedichtband geworden, in dem sich die Jahreszeiten im Naturgarten nachvollziehen lassen.

Zu allen Jahreszeiten schön

Neben der Freude, die das Lesen bereiten soll, hat Christa Hugentobler genau dies beabsichtigt. Das Entstehen und Vergehen von Wildkräutern und einheimischen Blumen, das Leben von Insekten, Amphibien, Säugetieren, Vögeln und den Sonnenlauf, all das hat sie beschrieben. «Nicht nur im Sommer sieht ein Naturgarten schön aus», vermittelt sie dem Leser. Im Herbst reifen die Samen, Nahrung für die Tiere im Winter. Der Herbst hinterlässt ebenfalls einen zauberhaften Eindruck. «Es ist ein Bewusstsein für die Tiere, das man im Naturgarten bekommt.»

Lauter Momentaufnahmen

So hat Christa Hugentobler das ursprüngliche Protokoll gekürzt und Kurzgedichte daraus gemacht. «Es sind Essenzen der Momente, die mich besonders bewegt haben», erklärt sie. Menschen und Tiere bindet sie in das Geschehen der Natur ein, formuliert Empfindungen aus den Geräuschen der Natur und der Tiere. Die Gedichte orientieren sich an den japanischen Haiku. «Das hat sich so entwickelt», meint die Primarlehrerin, die das Schreiben seit ihrer Jugendzeit pflegt. Haiku, das habe sie immer schon fasziniert. Es sind kurze, von Erfahrungen geprägte Texte, die sich im Erleben des Lesers vervollständigen. Tatsächlich entstehen mit dem Lesen der Gedichte Bilder, die durch die stimmungsvollen Fotografien der Autorin intensiviert werden. Es ist, als würden die Sinne geschärft. Man schaut den Garten, die Natur danach mit ganz anderen Augen an. Und erfährt nebenbei, was es für einheimische Pflanzen gibt und wie wertvoll sie für die Tierwelt sind.

Schönste Eindrücke

Beim Rundgang durch den Naturgarten von Christa und Ignaz Hugentobler wähnt man sich trotz Wohngebiet mitten in der Natur. Jetzt, im Juli, ist die ganze Vielfalt der Pflanzen zu sehen. Ein Rundgang beschert schönste Eindrücke und lässt verstehen, was Naturgarten-Besitzer so fasziniert. Es ist die Verschiedenheit der Pflanzenwelt: Karden säumen den Weg, Natternköpfe, die zur Spitze hin verblühen, dazwischen wilder Majoran, Kartäusernelken, blaue Wegwarten, die nur bis zum Mittag blühen, oder die leuchtenden Inseln der gelben Färberkamille. Ebenso wie die Wildhecken, die Trockenmauer, Bäume, Sträucher und die ungedüngte Blumenwiese locken sie die heimische Tierwelt in den Garten, der sie artenreiche Lebensräume bieten. Fast täglich gibt es im Naturgarten etwas Neues zu entdecken, zu riechen, zu hören, zu sehen, zu schmecken und zu fühlen.

Alles im Gleichgewicht

Selbst der Kräutergarten birgt eine Vielfalt an Gewächsen, die nach Herzenslust wachsen dürfen. Meistens. «Eine pflegende Hand braucht auch ein Naturgarten», meint Christa Hugentobler. Es summt und brummt, zwitschert und quakt. Libellen schwirren über den Teich, Hummeln und Schmetterlinge tummeln sich an den Blüten. Und wenn man ganz still verharrt, hört man auch tagsüber den Glögglifrosch musizieren. Es ist ein stabiles ökologisches Gleichgewicht, das hier geschaffen wurde.

«Ein Jahr im Naturgarten», Verlag, ISBN 978-3-9523609-7-2, zu beziehen in der Papeterie Enderli, Altstätten.