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NACHT DER OFFENEN KIRCHEN AM ALTEN RHEINNACHT DER OFFENEN KIRCHEN AM ALTEN RHEIN: Über eigenen Turm hinausschauen

In der ersten Nacht der offenen Kirchen wollen vier reformierte Kirchgemeinden mit je einem Schwerpunkt einen Bogen von der Reformation zur Gegenwart spannen.
Monika von der Linden
Die Burg Rheineck ist Pfarrer Christian Wermbter ein Symbol für Weitblick. Er möchte mit der Nacht der offenen Kirchen eine Atmosphäre der Zusammenarbeit Am Alten Rhein schaffen. (Bild: Monika von der Linden)

Die Burg Rheineck ist Pfarrer Christian Wermbter ein Symbol für Weitblick. Er möchte mit der Nacht der offenen Kirchen eine Atmosphäre der Zusammenarbeit Am Alten Rhein schaffen. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

«Nachts im Museum» ist eine US-amerikanische Filmkomödie. Sie gewährt einen Blick hinter die Museumstüren, nachdem sie am Abend verschlossen worden sind. Dort spielt sich Ungeahntes ab, der Zuschauer wird überrascht.

Überraschend wird auch die Nacht der offenen Kirchen Am Alten Rhein sein. Es werden zwar keine Exponate zum Leben erweckt, aber ungewöhnlich ist der Anlass dennoch: Wenn sonst die Mesmer die Portale der Kirchen in Buechen, Thal, Rheineck und St. Margrethen verschliessen, dann beginnt ein vierstündiges Programm in jedem der vier Gotteshäuser.

Das Modell der Nacht der offenen Kirchen hat Christian Wermbter, Pfarrer in Rheineck, von seiner früheren Pfarrstelle im Unterengadin mit an den Alten Rhein gebracht. Auslöser war der explizite Wunsch der Kantonalkirche, dass Aktionen zum Reformationsjahr auch lokal durchgeführt werden. «Gelingt die Pioniertat, möchten wir den Anlass ökumenisch ausweiten», sagt Christian Wermbter.

Jede der vier reformierten Kirchgemeinden setzt einen Schwerpunkt zum Thema Reformation. Zu jeder vollen Stunde zwischen 19 und 23 Uhr beginnt ein vierzigminütiger Block. Es verbleiben jeweils zwanzig Minuten, damit man zur Kirche im nächsten Dorf wechseln kann.

Die St. Margrether befassen sich mit Johannes Kessler. Er war einst Pfarrer im Dorf und mit Joachim Vadian (Reformator der Stadt St. Gallen) befreundet.

Die Buechner singen. Die Reformatoren versahen bekannte Volkslieder mit neuen Texten und gaben ihre Botschaft auf diese Art auch an Analphabeten weiter.

Die Besucher in Thal befassen sich mit dem freien Denken. Die Errungenschaft der Reformation gilt es nach wie vor zu bewahren und nicht dem Mainstream via soziale Medien zu verfallen. «Ich möchte, dass wir uns von der Freiheit des Himmels anstecken lassen», sagt Wermbter. Deshalb hat er auf dem Flyer des Anlasses die Fotografie eines Sternenhimmels abgebildet.

«Die Kirche darf nicht statisch sein, sie soll sich stets wandeln, verändern, reformieren», sagt Christian Wermbter über den Rheinecker Schwerpunkt «Wandel bar». In Lied, Wort und Bild wird gezeigt, wie sich die Kirche im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Die Zeit ist reif für eine regionale Zusammenarbeit

Seit der Pfarrer im Sommer 2016 ins Städtli gekommen ist, mischt er sich unter die Menschen. Zum Beispiel spielt er im Musikverein das Eufonium. Ihm sei aufgefallen, dass die einzelnen Organisationen wie Musikschule, Musikverein, Verkehrsverein, Sportvereine, Kulturverein und Kirchen zu wenig in Beziehung stünden, sagt er. «Jede Gruppierung klagt über zu wenige Mitglieder.» Kooperierten sie mehr, lernten sie sich besser kennen und es entstünde eine Atmosphäre der Zusammenarbeit. «Jeder kann seinen Teil zu einer guten Qualität beitragen.» Wermbter sieht sich nicht nur als Pfarrer von Rheineck, sondern möchte den Menschen der ganzen Region dienen. Sein Eindruck ist, dass die Zeit für eine intensivere regionale Zusammenarbeit Am Alten Rhein reif ist: «Es klappt auch schon ganz gut.»

Grundsatz der Reformation ist fast verschwunden

Einer der Grundsätze der Reformation war das Priestertum aller Gläubigen. Damit wollten Luther, Vadian und andere erreichen, dass viele Menschen einen Draht zum Glauben finden. «Der Grundsatz ist heute fast verschwunden und sollte wieder gestärkt werden», meint Wermbter. Allein die Leitung und ihre offiziellen Vertreter würden als Kirche wahrgenommen. Eine Ursache sieht er darin, dass viele Kirchenoberen die Menschen nicht haben machen lassen wie diese wollten. «Bei uns Reformierten sagt man: Die Katholiken haben einen Papst. Bei uns ist jede Pfarrperson ein Papst», gibt Wermbter konfessionsinterne Kritik wieder.

Viele Menschen hätten es nicht mehr auf dem Radar, dass sie sich gesellschaftlich engagieren könnten. «Freiwilligenarbeit ist der Kitt der Gesellschaft, und der bröckelt.» Das gilt überall in der Gesellschaft, nicht nur in der Kirche.

Der «Papst» von Rheineck lernt von den Freiwilligen, dass er sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte. «Mache ich mich klein, damit andere gross werden können, führt es dazu, dass ich glücklich bin.»

Wer Macht aufgebe, erhalte Wertschätzung und werde besser integriert.

Die evangelischen Kirchgemeinden Am Alten Rhein veranstalten die Nacht der offenen Kirchen miteinander und zeitgleich (Samstag, 3. Februar, von 19 bis 23 Uhr).In jeder der vier Kirchen wird ein Themenschwerpunkt gesetzt: St. Margrethen: «Eine Nacht mit Johannes Kessler»: 19 Uhr, Ausstellung, Bible Art und Brot backen; 20 Uhr, Gospelchor Wittenbach mit Band; 21 Uhr, Autorenlesung mit Martin Stankowski, «Die geöffnete Tür. Eine Erzählung aus der Reformationszeit»; 22 Uhr, Schlussgottesdienst. Buechen: «Singen macht Freude»: 19 Uhr, Kinder- und Lagerlieder; 20 Uhr, Kirchenlieder aus der Reforma­tions- und Barockzeit; 21 Uhr, Kirchenlieder des 20. Jahrhunderts; 22 Uhr, die neuen, von der St. Galler Spurguppe prämierten «Singtag»-Lieder zum Mitsingen.

Rheineck: «Wandelbar»: 19 Uhr, Das Lied – vom Lutherchoral zum Pop-Gospel zum Mitsingen; 20 Uhr, Das Wort – vom Lutherzitat über die Bibelausstellung bis zum Bibelkabarett; 21 Uhr, Das Bild – vom Bildersturm zur Bilderwelt; 22 Uhr, Die Wandel-Bar – Abschluss mit Sekt, Selters, Reformationsbier und Snacks. Thal:«Im Spiegel von gestern die Kirche von heute», 19 Uhr, Die neue-alte Kirche – ein theologisch-kunsthistorischer Rundgang; 20 Uhr, Psalmlieder und nächtliche Aussicht vom Kirchturm; 21 Uhr, Mit Luther am Tisch, Tischreden – bei Suppe, Wurst und Musik; 21 Uhr, Reformiert mit Gold verziert – Eigenheiten des reformierten Glaubens gestern und heute. (vdl)

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