Nach Abgang des Schulleiters in Rheineck: Lehrer zeigen sich geschockt

Der Abgang des Rheinecker Schulleiters enttäuscht. Er habe die Schule auf einen guten Weg gebracht.

Jolanda Riedener
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Der Schulleiter verlässt die Oberstufe – die aktuellen Lehrer arbeiteten gern mit ihm.

Der Schulleiter verlässt die Oberstufe – die aktuellen Lehrer arbeiteten gern mit ihm.

Bild: Jolanda Riedener

Nach umfangreicher Kritik von ehemaligen Lehrern und Eltern am Rheinecker Schulleiter, verlässt dieser die Oberstufe nach gegenseitiger Absprache. Das teilte Rheinecks Schulpräsident Oscar Kaufmann mit (Ausgabe vom 7.August). Nun wendet sich das aktuelle Lehrerteam mit einem offenen Brief an den Stadtrat, die Schulkommission, ans kantonale Amt und an die Berufsverbände. Man melde sich mit diesem Schreiben zu Wort, um dem entstandenen Bild ein anderes entgegenzu­setzen und eigene Erfahrungen und Sichtweisen in die Diskussion einzubringen, heisst es.

Vor einem Jahr hatten sich Eltern der Oberstufe Rheineck über die Art der Führung beim Kanton beschwert. Das zuständige Amt stellte darauf Verstösse gegen das Volksschulgesetz fest: Dass kein Besuchstag stattfand, führte zu einer aufsichtsrechtlichen Rüge. Im Absenzenwesen «wurden die Vorschriften verletzt», was aber «nicht primär und allein» der Schulleitung anzulasten sei, heisst es. Ehemalige Lehrer kritisierten den Schulleiter, elf verliessen die Oberstufe in den zwei Jahren, in denen Gregor Loser wirkte. Eine Klasse hatte in drei Jahren acht Mathelehrer. Auch eine Kriseninterventionsgruppe wurde eingeschaltet. Zu den Anschuldigungen wollte sich Lo­-ser nicht äussern und verwies auf eine Medienmitteilung der Schulkommission.

Trotz Trennung gibt es Lob für den Schulleiter

Zur Trennung sei es schliesslich wegen «unterschiedlicher Auffassungen in Bezug auf die weitere Entwicklung der Oberstufe» gekommen, teilte der Schulpräsident mit und lobt Loser für seinen unermüdlichen Einsatz. Er habe die Oberstufe einen bedeutenden Schritt vorwärts gebracht und wichtige Impulse in die strategische und personelle Neuausrichtung gesetzt.

Dieser Auffassung sind auch zehn Lehrpersonen, die aktuell und ehemals an der Oberstufe tätig sind und das Schreiben unterzeichnet haben. «Die Trennung von Schulleiter Gregor Loser wirft hohe Wellen», heisst es darin. Erstmals wollen sie deshalb ihre Sicht der Dinge darlegen. Es stehe den Lehrpersonen nicht zu, den Trennungsentscheid des Stadtrats zu kommentieren, heisst es. Aber: «Wir sind sehr enttäuscht und hätten gerne weiter mit Gregor Loser zusammengearbeitet.»

Die Lehrpersonen hätten ihn als positiv denkenden Schulleiter erlebt, der für sie stets erreichbar war und ein offenes Ohr hatte. Er habe sich für das Wohl von Jugendlichen und Lehrern engagiert und eine überzeugende pädagogische Vorstellung gehabt, wie sich die Oberstufe entwickeln sollte.

Fehler habe es auf allen Seiten gegeben

«Wir haben ihn durchaus auch als kritikfähig erlebt, sofern diese begründet und offen kommuniziert wurde», heisst es. Wer sich nicht an geltende Vorgaben hielt oder Zuständigkeiten und Dienstwege missachtete, den habe Loser direkt angesprochen und Verhaltensänderungen erwartet. Er habe es auch gewagt, pädagogisches Verhalten von Lehrerinnen und Lehrern zu hinterfragen. Das werde ihm nun offenbar als diktatorischer Stil ausgelegt. Die Lehrer interpretieren es in ihrem Brief hingegen als Führung.

Der Schulleiter habe die Oberstufe neu organisieren und weiterentwickeln müssen, was er nach bestem Wissen ausgeführt habe. «Wer die Oberstufe Rheineck der letzten Jahre kennt, weiss, dass einiges aufzuarbeiten war.» Dass er sich dabei zunächst in die Rolle einarbeiten musste und auch Fehler passiert seien – bei ihm, bei der Schulkommission und bei Lehrpersonen – sei unbestritten. «Diese Fehler sind aber auch gesucht und breit gestreut worden, um ihm offensichtlich zu schaden», heisst es. Der Abgang des Schulleiters sei für das Lehrerteam ein Schock gewesen. Weshalb es sich erst nach dem Weggang von Loser an die Öffentlichkeit wendet, könne man nicht sagen, heisst es auf Anfrage.