Nach 50 flexibler werden

Am Lohnapéro des Arbeitgeberverbandes Rheintal referierte Betriebsökonom Roger Martin von der Fachhochschule St. Gallen über den Fachkräftemangel. Im Zentrum stand die sinnvolle Weiterbeschäftigung älterer Mitarbeiter.

Remo Zollinger
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Referent Roger Martin mahnte die anwesenden Firmenvertreter zu langfristiger Personalplanung: «Bieten Sie etwas an!» (Bilder: Monika von der Linden)

Referent Roger Martin mahnte die anwesenden Firmenvertreter zu langfristiger Personalplanung: «Bieten Sie etwas an!» (Bilder: Monika von der Linden)

WIDNAU. Welche Möglichkeiten stehen Unternehmen offen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken? Diese Frage stellt sich nach dem Ja des Schweizer Stimmvolks zur Masseneinwanderungsinitiative mehr denn je. Durch eine Beschränkung der Zuwanderung haben die Firmen kleinere Chancen, aus dem europäischen Pool an gut ausgebildetem Personal zu schöpfen. Roger Martin verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Die Flexibilisierung der Berufsphase im Alter von 50 bis zur Pension.

Nach Pension weitermachen?

Martin versprach zu Beginn seines Referates einen «Informations-Tsunami», der auf die rund 270 Teilnehmer des AGV-Lohnapéros zukommen würde. Der Betriebsökonom hielt Wort und überschwemmte die Zuhörerschaft mit einer Menge Informationen. Er zeigte aber auch Humor: Eine der Möglichkeiten zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sei es, «die Baby-Produktion anzuwerfen. Allerdings dauert es dann mindestens 20 Jahre, bis wir Auswirkungen sehen.»

Die weiteren Möglichkeiten seien viel realitätsnäher. So sei es möglich, stille Reserven anzuzapfen, bestehendes Personal zu Führungskräften zu entwickeln oder es aus dem Ausland zu holen. Eine weitere Chance sei es, Arbeitskräfte dazu zu bewegen, auch nach ihrer Pension aktiv zu bleiben. Dies sei wichtig, um nicht auf einen Schlag eine grosse Menge an Know-how zu verlieren, aber nur realisierbar, wenn alle Faktoren zusammenspielen. Solche sind beispielsweise die Familienverhältnisse oder das Klima im Betrieb.

«Macht mal Platz da!»

Gerade letzteres ist für die Rheintaler Arbeitnehmer, die an der in der Ostschweiz durchgeführten Umfrage der Fachhochschule teilnahmen, durchaus ein Thema. Sie finden mehr als die anderen Teilnehmenden, dass ältere Fachkräften der jüngeren Generation Platz machen, ihnen auf der Karriereleiter nicht im Weg stehen sollen. Martin stellte sich folglich die Frage, ob und wie man diese Kräfte dazu bewegen könnte, wohl etwas kürzer zu treten, nicht aber ganz aufzuhören.

Dazu gebe es drei Möglichkeiten: Eine (schleichende) Reduktion des Beschäftigungsgrades, das Beschränken der Arbeit auf einige Portfolios oder ein Sabbatical, eine Auszeit, um neue Kräfte zu sammeln. Im Hinblick auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit zeige gerade Letzteres eine erstaunliche Wirkung.

Rahmenbedingungen schaffen

Der Referent appellierte an die Firmen, die richtigen Rahmenbedingungen für eine eventuelle Weiterbeschäftigung nach der Pension zu schaffen: «Bieten Sie etwas an!», wandte er sich an das Publikum. Es sei wichtig, dies längerfristig zu tun und eventuell mit anderen Unternehmen Synergien zu schaffen. Darüber hinaus sollten die Funktionen altersgerecht und von höchster Verantwortung im Betrieb losgelöst sein.